<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633</id><updated>2011-04-22T07:18:15.556+03:00</updated><category term='Meridian'/><category term='Mouvement'/><category term='Metric'/><category term='Le Corps'/><category term='Topology'/><category term='Kunst ist Kunst - alles andere ist alles andere'/><category term='40 Seconds'/><title type='text'>(winning could be called) the mark of abel</title><subtitle type='html'>the aspect of that what tends to get labled as "institutional critique" in the field of "conceptual art" is what this blog is about. and, as the old man wrote: "if it was fiction what got us into this, it's on fiction to get us out of it again".</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>18</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-4734368447446032411</id><published>2007-07-31T17:10:00.001+03:00</published><updated>2008-07-10T09:48:02.383+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kunst ist Kunst - alles andere ist alles andere'/><title type='text'>L'Europe (AHundredDaysOff)</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RuKkgBsFWQI/AAAAAAAAAoE/vStOFVEudJE/s1600-h/Paranoid_Park.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5107825797507668226" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RuKkgBsFWQI/AAAAAAAAAoE/vStOFVEudJE/s400/Paranoid_Park.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;em&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Vom Umgang der zeitgenössischen Kunst mit der Wirklichkeit&lt;/span&gt;&lt;/em&gt; // In den letzten Jahren hat die Kunst vermehrt auf die Ununterscheidbarkeit zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Manipulation und Authentizität gesetzt. Dieser Verlust einer verbindlichen Wirklichkeit erweist sich aber nicht als Zeichen für Verunsicherung, sondern als Potenzial. Von Sabine B. Vogel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Keine Sicherheit, nirgends&lt;/em&gt; / Quer durch den Raum, auf exakt einem Meter Höhe, verläuft ein blaues Klebeband. Damit hat Edward Krasinski die Realität markiert. Ab hier wird es wirklich? Oder nur hier? Krasinski klebte diese Linie anfangs über Häuserwände und weiter über den Pullover der Tochter, später über Bäume, Stromkästen, Fensterläden, über Ausstellungswände und Bilder. Die blaue Linie wurde zu seinem Markenzeichen und zum Leitmotiv in seinem Spiel mit Wirklichkeiten. In der ersten grossen, postumen Retrospektive des polnischen Konzeptkünstlers in der Wiener Generali Foundation zeigte sich dann eine weitere Funktion des Klebebands: Das Band hält offenbar die Welt zusammen. Es ist eine in eingefrorene Augenblicke zersplitterte Welt, auf die die eindrücklichen Speere aus den sechziger Jahren hinweisen, die in der Luft schweben und denen kleine Einzelteile vorgelagert sind. Die typischen, filigranen Objekte oder die zerteilte Ansicht im "Atelier-Puzzle" von 1997: Die Fotografie seines Ateliers ist auf zwölf Stelen aufgeteilt. Die einzige Gewissheit in Krasinskis Spiel mit der Wirklichkeit scheint in der blauen Linie zu liegen. Dieses Spiel mit oder die Suche nach dem, was wir "Wirklichkeit" nennen, tritt zur Jahrtausendwende in der bildenden Kunst immer deutlicher in den Vordergrund. Ob Künstler wie Thomas Demand die Wirklichkeit modellhaft nachbilden und dann fotografieren, ob sie wie Olafur Eliasson die Welt rund um unsere Naturgesetze inszenieren oder wie Werner Schrödl in Situationen manipulierend eingreifen und auf scheinbar harmlosen Fotografien festhalten – all diese Methoden basieren auf einer enormen Ungewissheit über jenes Konstrukt namens "Wirklichkeit".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ohne Form und Eigenschaft&lt;/em&gt; / Eine verbindliche Definition von Wirklichkeit existiert nicht. Dafür sind die Zweifel an diesem Etwas überwältigend, und das seit Jahrhunderten. Nichts ausserhalb meiner Wahrnehmung existiert wirklich, sagt ein Solipsist – aber wer sollte ihn dann hören? Gibt es überhaupt eine kollektiv verbindliche Wirklichkeit, oder ist alles nur eine neuronale Konstruktion? Der Physiker Werner Heisenberg sprach davon, dass eine "objektive Wirklichkeit" "verdunstet" zu sein scheint. Laut der Quantenphysik ist die Wirklichkeit grundsätzlich form- und eigenschaftslos und erhält erst im Moment der Beobachtung messbare Qualitäten. Und die radikalen Konstruktivisten sind davon überzeugt, dass nicht die Wirklichkeit eine Illusion sei, sondern unsere Überzeugung, es mit einer physischen, unverrückbaren Tatsache zu tun zu haben. Auch die Neurobiologie kann uns keine Gewissheit verschaffen. Unser Bild, das wir von der Wirklichkeit haben, ist das Resultat eines vernetzten Interpretationsprozesses auf der Grundlage von neuronalen Mustern. Das Gehirn liefert die Muster. Die Entstehung von Bedeutung ist ein Akt, der aus vielen Komponenten entsteht, die alle nichts miteinander zu tun haben. Wahrnehmung ist also eine neuronale Leistung, Wirklichkeit keine unverrückbare Tatsache, sondern unsere ureigenste Schöpfung. Wie aber kommen wir von einer Ansammlung von Elementarteilchen zu den immerhin kollektiv kommunizierbaren Objekten unserer Anschauung? "Der Weg zur Wirklichkeit geht über Bilder", formulierte Elias Canetti einmal. Zum neunten Mal fand letztes Jahr die Biennale Havanna statt. Als wichtigste Ausstellung Lateinamerikas etabliert, stellen hier 97 Künstler aus 47 Ländern aus. Bei aller faszinierenden Vielfalt konzentrieren sich die Bildwelten doch immer wieder auf ein Konstatieren: Auffallend oft findet sich die unmittelbare urbane und soziale Umgebung der Künstler manifestiert. So fotografiert Alejandro Gonzalez die kubanische Jugend voller Exzentrik und Partyfreudigkeit, Raquel Schwartz dokumentiert bunte bolivianische Verkaufsstände, und Roberto Stephenson entwirft ein eindrückliches Bild Haitis zwischen extremen Nahaufnahmen von Menschen und urbanen Panorama-Aufnahmen. Aber es finden sich auch kritische Beiträge, das "North Street Project" von Santiago Cal, Richard Holder und Ysser Musa, die die krassen sozialen Probleme ihrer Heimatstadt Belize City aufgreifen, oder die argentinische Künstlergruppe "Proyecto Cartele", deren Mitglieder Verbotsschilder im öffentlichen Raum fotografierten, auf Kuben montierten und zu einer eindrucksvollen Säulenlandschaft zusammenstapelten, die von den Besuchern konzentriert gelesen wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein wiederholtes Konstatieren&lt;/em&gt; / Die Biennale teilt sich auf siebzehn Räume auf, quer durch die Altstadt Havannas, von der Touristenattraktion des auf einem Hügel vor Havanna thronenden Forts bis zur geschäftigen Bahnhofshalle. "Dynamik der urbanen Kultur" lautet das Thema der Biennale. Zwei weitere Ausstellungsorte führen uns aus der Hauptstadt hinaus, Richtung Westen zu kitschigen Mosaiken in dem idyllischen Fischerdorf Jaimanitas und Richtung Osten zu schrägen Nachbarschafts-Projekt-Skulpturen aus Müll und Schrott im scheusslichen Plattenbau-Vorort Alamar. Suburbane Folklore. Die 9. Biennale Havanna thematisiert "Urbanität" vor allem als visuelles Phänomen, als Selbstvergewisserung einer Wirklichkeit, die enorm im Wandel ist – wozu auch die Frage gehört, wo Zentrum, wo Peripherie ist, woraus wohl dieser ausufernde Rundgang entstand. Dazu gehört aber auch die Frage, wo Folklore beginnt beziehungsweise endet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konstruierte Wirklichkeiten&lt;/em&gt; / "Urbanismus" ist ein interessantes Schlagwort der Jahrtausendwende, scheint doch "urban" in all seiner Komplexität oft schlicht synonym für "real" zu stehen. Für beide Begriffe gilt dasselbe, nämlich eine enorme Unverbindlichkeit, die offenbar durch den Bezug auf eine vornehmlich sichtbare Wirklichkeit aufgefangen werden soll. "Why Pictures Now" betitelte das Wiener Mumok eine umfassende Fotografie-Ausstellung. Gezeigt wurden 200 Werke von 73 Künstlern der letzten 30 Jahre – der Aufbau einer neuen Film-, Foto- und Videosammlung: Dokumentarische Fotografie von Bernd und Hilla Becher, inszenierte Szenen von Jeff Wall oder David Lamelas, fotografierte Modellwelten von Lois Renner bis zur Fotografie als Realitätssuche bei David Goldblatt oder als Identitätszuschreibung bei Shadafarin Ghadirian und Gülsün Karamustafa. Diese Auswahl fokussiert auf eine künstlerische Fotografie, die kaum dokumentiert, sondern das Medium offenbar zur Analyse einsetzt. Am deutlichsten ist das bei der "Atlas Group" festzustellen, deren "Recherche" kaum zwischen Dokumentation und Fiktion unterscheiden lässt, im Mumok etwa die Serie von politisch motivierten Autobomben-Attentaten in Libanon. Gerade weil es sich um eine in einem Guss entstandene, neue Sammlung handelt, kann hier eines sehr deutlich beobachtet werden: Statt eines Wahrheits- oder auch Abbild-Versprechens dient die Fotografie den Künstlern (und darüber hinaus offenbar auch den Kuratoren der Sammlung) offenbar vor allem dazu, die eigenen Wirklichkeiten zu konstruieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dokumentarische Strategien&lt;/em&gt; / "Wirklich wahr" nannte das Ruhrlandmuseum Essen vor zwei Jahren eine Ausstellung, die künstlerische und angewandte Fotografie versammelte, um der Frage nach dem "Realitätsversprechen von Fotografien" nachzugehen. Wir sehen Menschen in verschiedensten Situationen, eingefangen mit dokumentarischen Strategien wie in Pressefotos und Werken von Wolfgang Tillmans, in Inszenierungen von Authentizität wie in Dita Pepes oder Julika Rudelius' Fotografien, die Rollenmuster pseudodokumentarisch in Frage stellen, aber auch auf digitalen Bildbearbeitungen wie bei Jörg Sasses strengen Bildarrangements aus gefundenen Fotografien oder Vibeke Tandbergs Bildern mit ihrer eigenen digitalen Zwillingsschwester. Worüber berichten diese Bilder? Wird hier Wirklichkeit gespiegelt, oder sind es nicht vor allem individuelle Erzählungen? Wie viel Bedeutung kann dem Bezeugungscharakter und der Beweisfunktion von Fotografie zukommen, wenn der Referenzpunkt "Realität" im Zweifel ist?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Modell und Wirklichkeit&lt;/em&gt; / In seiner Publikation "Bild – Modell – Wirklichkeit" stellt Ralph Christofori den abbildhaften Realismus in der künstlerischen Fotografie radikal in Frage. Zum Beweis wählt Christofori sieben Künstler (Oliver Boberg, James Casebere, Thomas Demand, David Levinthal, Lois Renner, Laurie Simmons, Edwin Zwakman) aus, die fotografische Bilder von Modellen erstellen, worin sie die Fotografie in Frage stellen bzw. das, "was das Sprachspiel uns scheinbar gelehrt hat zu sehen". So gelte der Begriff "Modell" nicht nur für die gebastelten Objekte, sondern hier werde "der Modellstatus der Fotografie unmittelbar im Bild sichtbar". So interessant diese These ist, bleibt doch die Überlegung: Wenn der "Modellstatus" bereits als Wesen der Wirklichkeit wahrgenommen wird, wenn kein wesentlicher Unterschied zwischen einem Modell und der Wirklichkeit, ebenso wenig zwischen Fiktion und Dokumentation erlebbar ist, dann sind diese Bilder weder ein Modell der Wirklichkeit noch selbst ein Modell, sondern sie repräsentieren vor allem unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit! Gehirne können die Welt nicht abbilden, sie müssen konstruktiv sein, erklärt der Neurowissenschafter Gerhard Roth. Wahrnehmung ist immer ein konstruierender Prozess. "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Tatsachen, Wirklichkeit und Realität erst durch den besonderen methodischen Zugriff des Forschers entstehen", schreibt Gerhard Fasching, emeritierter Ordinarius der Technischen Uni Wien, in seinem Buch "Illusion der Wirklichkeit". Ein methodischer Zugriff – auch im Alltag – besteht darin, etwas durch und als Wissensweitergabe wirklich werden zu lassen. Kollektiv wirksam wird ein solches Wissen durch die Annahme, jeder andere verfüge prinzipiell über dasselbe Wissen – "Erwartungs-Erwartung" nennt es Siegfried J. Schmidt oder, in Bezug auf Handlungsorientierungen, "Unterstellungs-Unterstellung".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Veränderte Wahrnehmung&lt;/em&gt; / In den sechziger Jahren war davon die Rede, dass Kunst "die Wahrnehmung verändern kann". Während der simpel-didaktischen und streng-politisierenden neunziger Jahre als "Unsinn" in Abrede gestellt, scheint diese These heute wieder aktueller denn je. Wir malen unsere Wirklichkeit mit unseren Vorstellungen. Der Abgleich zwischen internen Weltmodellen und einer äusseren, kollektiv kommunizierbaren Wirklichkeit ist ein langsamer Angleichungsprozess, der durch Emotionen und Bilder gelenkt wird. Der bildenden Kunst kommt dabei eine spezielle Position zu. "Kunst kann sich primärer Wahrnehmungsmechanismen bedienen und den Umweg über rational-analytische Erklärungen meiden. Sie vermag das, weil sie in der Imagination der Rezipienten einen nahezu unbegrenzten Raum für Assoziationen vorfindet und diesen je neu und auf ungewohnte Weise gestalten kann, schreiben Wolf Singer und Aglaja Stirn in ihrem Katalogbeitrag zur Ausstellung "Auf eigene Gefahr" in der Schirn Kunsthalle 2003. Und Siegfried J. Schmidt, der mit "Geschichten &amp;amp; Diskurse" seinen "Abschied vom Konstruktivismus" erklärt, sieht in der Kunst "genau den Ort, wo Kontingenz kreativ bearbeitet wird, weil Freiräume in Anspruch genommen werden können, die aus pragmatischen Gründen ansonsten nicht zur Verfügung stehen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fakten und Fiktion&lt;/em&gt; / Die vor allem in der künstlerischen Fotografie zu beobachtende gezielte Ununterscheidbarkeit zwischen Fakten und Fiktion, zwischen Manipulation und Authentizität, der Verlust der einen verbindlichen Wirklichkeit, erweist sich nicht als Zeichen für Verunsicherung, sondern als Potenzial: Es bedarf keines aufklärerischen Rufes nach einer Wahrheit hinter dem Vorhang des Scheins, keiner "Gegenstrategien" gegen mächtige Manipulationen, nicht einmal mehr eines blauen Klebebands. Es bedarf einer spielerischen Erfindungsfreude, um am Aufbau gleichberechtigter, unterschiedlicher Wirklichkeitsmodelle mitzuwirken – im Gegensatz zur Dogmatik der einen, absoluten Realität. Und das ist die vielleicht wichtigste Notwendigkeit im Zeitalter der Globalisierung. "Wirklich" bedeutete übrigens ehemals "tätig", "wirken" wird heute noch im Sinne von "arbeiten" benutzt. Wenn "Wirklichkeit" als "im Handeln bestehend" verstanden wird, als aktive Weltengestaltung, wird Zweifel produktiv.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;// Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG. Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung oder Wiederveröffentlichung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von NZZ Online ist nicht gestattet.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-4734368447446032411?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/4734368447446032411/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=4734368447446032411' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/4734368447446032411'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/4734368447446032411'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/blog-post.html' title='L&apos;Europe (AHundredDaysOff)'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RuKkgBsFWQI/AAAAAAAAAoE/vStOFVEudJE/s72-c/Paranoid_Park.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-6942118406308840209</id><published>2007-07-17T11:23:00.002+03:00</published><updated>2008-08-06T20:23:50.099+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Le Corps'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Metric'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kunst ist Kunst - alles andere ist alles andere'/><title type='text'>Le Corps (sur la fin et le bout)</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/R5j6dJBT9FI/AAAAAAAAAuo/r0j1alH0pCg/s1600-h/Antonioni_Bergmann_Blake_Du.gif"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5159148751697474642" style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center;" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/R5j6dJBT9FI/AAAAAAAAAuo/r0j1alH0pCg/s400/Antonioni_Bergmann_Blake_Du.gif" border="0" /&gt;&lt;/a&gt; ... // &lt;em&gt;Abschied von den Idealen&lt;/em&gt; - Ein Gespräch mit &lt;em&gt;&lt;span style="color: rgb(0, 102, 0);"&gt;&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ulrich_M%C3%83%C2%83%C3%82%C2%BChe"&gt;Ulrich Mühe&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;. Von Christina Bylow (zuerst erschienen am 03.01.2004 in der &lt;em&gt;Berliner Zeitung&lt;/em&gt;) / Sein erstes Engagement hatte Mühe (Jahrgang 1953) in Chemnitz, wo er bereits den Sasportas in Heiner Müllers &lt;em&gt;Der Auftrag&lt;/em&gt; gab. 1982 verpflichtete ihn Müller für seine &lt;em&gt;Macbeth&lt;/em&gt;-Inszenierung an die Berliner Volksbühne. Ab 1983 war Mühe Ensemble-Mitglied des Deutschen Theaters. Seine Präsenz in wesentlichen Rollen machte ihn zu einem der bekanntesten Schauspieler des Ostens, und nach Verpflichtungen in Salzburg, Wien, Hamburg war er in die erste Reihe der deutschen Bühnenschauspieler aufgenommen. Der Durchbruch beim Film kam in Hermann Zschoches Hölderlin-Film &lt;em&gt;Hälfte des Lebens&lt;/em&gt; (1984). Nach der Wende arbeitete Mühe verstärkt bei Film und Fernsehen, zuletzt als Gerichtspathologe in der preisgekrönten Fernsehserie &lt;em&gt;Der letzte Zeuge&lt;/em&gt;. Mit Heiner Müller verbindet Ulrich Mühe eine lange persönliche und künstlerische Beziehung. Er war Protagonist in wichtigen Inszenierungen Müllers unter anderem als Hamlet in Müllers &lt;em&gt;Hamlet / Hamletmaschine&lt;/em&gt; im März 1990. Nach dem Soloabend &lt;em&gt;Einen Dichter denken - LAUT&lt;/em&gt; mit ausgewählten Müller-Texten folgt mit der Inszenierung des Müller-Stückes &lt;em&gt;Der Auftrag&lt;/em&gt; Mühes erste Regiearbeit. Heiner Müller (1929-1995) dieses in der Zeit der Französischen Revolution angesiedelte Stück, das den Wert individuellen Handelns und dessen Relevanz für die Gesellschaft spiegelt im Jahre 1979. Er führte sowohl bei der Premiere 1980 in der Berliner Volksbühne, als auch 1982 bei der Bochumer Inszenierung Regie. Anlässlich seines 75. Geburtstages am 9. Januar 2004 inszeniert Ulrich Mühe das Stück im Haus der Berliner Festspiele (ehemals Freie Volksbühne) in der Schaperstraße. Es bleibt nach der Premiere bis Ende Januar im Programm. Im Sommer wird die Inszenierung dann bei den Wiener Festwochen gezeigt, eine Tournee ist in Planung. Die Schauspieler, die Ulrich Mühe für diese Inszenierung interessieren konnte, ergeben ein einzigartiges Ensemble: Herbert Knaup ist Debuisson, Florian Lukas Sasportas, Ekkehard Schall Galloudec. Die Rolle des Antoine und den legendären Fahrstuhl-Monolog übernimmt Udo Samel, die Erste Liebe wird von Inge Keller gespielt, und in der Doppelrolle 'Matrose' / 'Engel der Verzweiflung' steht Christiane Paul zum ersten Mal auf einer Theaterbühne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Was ist Ihr Lieblingssatz von &lt;/span&gt;&lt;em style="font-style: italic;"&gt;&lt;span style="color: rgb(0, 102, 0);"&gt;&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Heiner_M%C3%83%C2%83%C3%82%C2%BCller"&gt;Heiner Müller&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: "Arbeit, die wir gern tun, ist keine. " Das sagt ein Diener in &lt;em&gt;Macbeth&lt;/em&gt;, und Macbeth antwortet: "Arbeit ist Arbeit".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Ist Regieführen Arbeit?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Es ist eine wunderbare Erfahrung. Ich war anfangs wahnsinnig aufgeregt, aber die ersten Wochen waren ganz wunderbar. Die Schauspieler haben mir einen großen Kredit gegeben und ich bemühe mich, das denen zurückzuzahlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Vor drei Jahren haben Sie gesagt, Schauspieler, die anfangen, Regie zu führen, stünden unter dem Druck, das Theater neu zu erfinden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Das habe ich mal gesagt, ja. Wenn Schauspieler inszenieren, dann schreiben die Kritiker, sie mögen doch lieber Schauspieler bleiben. Ein billiger Satz, der sich schnell ergibt. Davor hatte ich Schiss. Jetzt nicht mehr, es ist mir relativ egal, ob das geschrieben wird. Ich habe mir etwas vorgenommen und hoffe, dass es angenommen wird. Wenn nicht, tut es mir für die Schauspieler Leid. Aber für mich hängt da keine Regie-Karriere dran.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Was interessiert Sie an Heiner Müllers "Auftrag"?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: &lt;em&gt;Der Auftrag&lt;/em&gt; ist zuerst ein Stück über den Verrat. Es kreist um Interesse und Verantwortung. Wie viel Verantwortung muss das Individuum empfinden für das Ganze, damit eine Gesellschaft sich erhält, damit sie nicht zum Spielball wird von Rändern. Im &lt;em&gt;Auftrag&lt;/em&gt; treffen drei Emissäre der französischen Revolution auf Jamaica aufeinander. Die Revolution ist in Frankreich schon gescheitert, Napoleon hat die Macht übernommen. Die drei streiten, was zu tun sei. Sollen sie - wie es ihr Auftrag vorsieht - einen Sklavenaufstand auf Jamaica organisieren? Einer von ihnen, Debuisson, plädiert dafür, sich aufs private Glück zu besinnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Ist das Ihr Thema?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Im Blickwinkel der Anderen verrät Debuisson den Auftrag und zieht sich ins Privatleben zurück. Die anderen beiden wollen das nicht mitmachen, sie finden auch nicht so viel vor, wenn sie sich zurückziehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Debuisson ist Sohn reicher Eltern. In einer Münchener Inszenierung, Mitte der achtziger Jahre, stand der "Verräter" Debuisson am Ende als Intellektueller im Anzug mit weißem Kaschmirschal auf der Bühne. Ein Vertreter der Toskana-Fraktion.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Nein. Ich würde ihn nicht auf eine bestimmte Berufsgruppe festlegen. Das wäre zu simpel. Mir geht es um das Thema der Krise in der menschlichen Biografie. Diese Krise kommt ja immer, bei dem einen zwischen 20 und 30, beim anderen zwischen 40 und 50. Die Krise, die eintritt, wenn einem klar wird, dass sich die Blütenträume, die man als junger Mensch hatte, nicht erfüllen. An diesem Punkt muss man sich fragen, wie es weiter geht - und wenn man dann von seinen Idealen Abschied nimmt, definiert Müller das ziemlich brutal als Verrat. Das ist mir zu ideologisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Lösen Sie sich mit der Inszenierung von Müller?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ich möchte den "Verrat" von Ideologie befreien. Ich möchte, dass der Mensch die Krise, in die er unweigerlich kommt, selbstbestimmt und bewusst durchlebt. Dass man sich dessen bewusst ist, wenn man sein Leben ändert. Wenn sich ein Mensch entscheidet, ich will jetzt den Porsche, dann sollte ich das nicht reflexartig verurteilen, und unser Porschefahrer sollte sich nicht abgewöhnen, den Pfützen am Gehweg auszuweichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Fahren Sie Porsche?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Nein, um Gottes Willen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Volvo?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: So ähnlich. So eine Familienkutsche halt. Das war nun alles versimpelnd. Aber es geht darum, ob es noch mehr gibt als nur die Verantwortung für sich selbst. Funktioniert eine demokratische Gesellschaft auch dann, wenn alle auseinander rennen und jeder seinen Egoismus auslebt. Hält es eine Gesellschaft aus, ohne Auftrag zu existieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Was glauben Sie?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ich halte die Demokratie für ein fragiles Gebilde. Es ist immer wieder zu beobachten, dass sie nach rechts oder nach links abdriftet. Trotzdem nimmt die Zahl der Nichtwähler gewaltig zu, ein Zeichen dafür, dass sich immer weniger Menschen überhaupt für Politik interesssieren, obwohl Wahlen die simpelste Möglichkeit von politischer Meinungsäußerung sind. Ich habe in der DDR jahrelang gewusst, was bei den Wahlen passiert: Ich lasse mir das Wahlrecht nicht mehr nehmen. Im &lt;em&gt;Auftrag&lt;/em&gt; geht es auch darum, Ideen von Freiheit und Humanität zu den "Barbaren" zu bringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Man könnte darin Parallelen zur amerikanischen Außenpolitik sehen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ja, das kann man alles mitdenken, es ist aber für mich kein inszenatorischer Ansatzpunkt, überhaupt nicht. Da wäre mir so ein ganzer Abend zu schade für Herrn Bush. Ich möchte das Stück von den ideologischen Fesseln befreien, und ich möchte, dass man den Debuisson nicht verurteilt für das, was er tut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Identifizieren Sie sich mit der Figur des Verräters?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ich kann sehr vieles verstehen. Er hat ein unglaubliches Argumentationsgerüst, mit dem er unterfüttert, was er tut. Das hat natürlich ganz viel mit Müller zu tun, der sich als Grenzgänger zwischen den Welten ja auch als Verräter sah. Das Thema Verrat zieht sich durch alle seine Texte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: War Heiner Müller ein Zyniker?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Nein. Das finde ich gar nicht. In der persönlichen Begegnung war das eine Ausprägung seines Intellekts, aber in seinen Texten selber finde ich das gar nicht. Da spüre ich wirklich, wie er sich diese Texte von der Hirnrinde abgeschabt hat. Ich habe mir immer gesagt, mit dem, was der Müller im Kopf hat, möchte ich nicht leben. Es ist nach wie vor eine Stimme, die fehlt. Er war radikal, hatte eine freundliche Radikalität - die fehlt Berlin - fehlt in Deutschland.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: In Ihrem Nachruf auf Müller haben Sie geschrieben: "Ich habe Heiner geliebt - kleiner kann ich es nicht sagen". Waren Sie ihm so nahe, dass sie ihn gar nicht mehr sehen konnten?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Dafür war er insgesamt zu weit weg. Er hatte einen anderen Blick - den Blick von außen auf die DDR. Wir steckten bis zum Hals im Kampf gegen die Widrigkeiten des Systems. Darüber sind wir so grau geworden wie die Häuser in der DDR. Die DDR war ja keine bunte Veranstaltung, die war grau , grauslich. Und Müller, der ja mit geschichtlichen Verbindungslinien brillieren konnte, hatte die Fähigkeit, dieses kleine Land aufzusprengen und von außen Scheinwerferlicht drauf zu werfen. Dadurch war er nie so nahe, dass man ihn hätte nicht mehr sehen können. Ich habe ihn einmal an einem Morgen draußen in seiner Wohnung am Tierpark abgeholt. Er hatte verschlafen, weil es am Abend vorher spät geworden war, und ich wollte ihm einen Kaffee machen. Aber er hatte keinen im Haus. Er hatte eigentlich gar nichts im Haus. Irgendwo in dieser leeren Küche habe ich dann noch einen Teebeutel gefunden, den ich ihm aufgebrühen konnte. Dieser Morgen war ziemlich depremierend, weil er da auf einmal so schwach und verletzlich war. Er hatte auch einen sehr zarten Körper. Man spürte die Einsamkeit, wenn die Gemeinde seiner Jünger abwesend war. Damals habe ich viel über ihn erfahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wann war das?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: In den achtziger Jahren. Während der zehn Jahre, die wir miteinander verbrachten, war er ja, wie man heute sagt, Single. Später hat er noch mal geheiratet, eine Familie gegründet und da wird es sicher auch Kaffee gegeben haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wie haben Sie Heiner Müller kennen gelernt?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Das war 1981, im Stadttheater in Chemnitz. Ich spielte den Sklaven Sasportas, einen der drei Protagonisten im &lt;em&gt;Auftrag&lt;/em&gt;. Müller kam nach Chemnitz, um sich die Inszenierung anzuschauen, und wir waren sehr stolz darauf, dass der Autor zu uns kam. Nach der Diskussion um das Stück hat er mich beiseite genommen und mich gefragt, ob ich Lust hätte, in Berlin bei seiner &lt;em&gt;Macbeth&lt;/em&gt;-Inszenierung an der Volksbühne mitzuarbeiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: War die Tragweite der Begegnung für Sie gleich erkennbar?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Es war keine beiläufige Begegnung. Ich war ja literarisch nicht so vorgebildet, als ich anfing zu studieren, zumindest mit modernen Autoren kannte ich mich nicht so gut aus. Als ich zum ersten Mal einen Text von Müller las, war ich ganz erstaunt, als ich erfuhr, dass er ein DDR-Bürger ist, dass er im selben Land wohnt wie ich. Und dass ich ihn dann kennen lernen konnte, war sehr aufregend. Dass wir dann zusammenarbeiteten und eine Form der Freundschaft pflegten, war etwas sehr Besonderes. Ich habe später einmal zu ihm gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass ich jeden seiner Texte sprechen kann, egal ob er für einen Mann oder für eine Frau geschrieben ist. Man kann die Texte sicher nicht alle begreifen, aber man kann viel erfühlen, und das macht es mir möglich, diese Texte auch laut zu sprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Müller hat einen Text über Sie geschrieben. Darin heißt es, es sei sehr selten, dass ein Schauspieler hochintelligent ist und trotzdem die Fähigkeit zum Pathos besitzt, trotzdem die Kontrolle verlieren kann. Fühlten Sie sich von ihm erkannt?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Es gibt ja die grobe Einteilung in Bauch- und Kopfschauspieler. Wenn ich gefragt wurde, welcher Kategorie ich angehöre, konnte ich mich keiner der beiden Kategorien zuordnen. Ich gehe intellektuell vorbereitet auf eine Probe, bin dann aber dort auch fähig, mich fallen und treiben zu lassen und erst im Nachhinein zu analysieren, was ich gemacht habe. Die intellektuelle Vorbereitung hindert mich nicht, einen emotionalen Ansatz zu fixieren. Das hat Müller gemeint. Ich fand den ganzen Text von ihm wunderschön.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wie haben Sie Müllers Tod erlebt?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ich war mit meiner Familie im Winterurlaub in Österreich, da habe ich es in den Nachrichten gesehen. Dann sind wir nach Hamburg zurück, wo wir damals wohnten, und ich habe mir überlegt, was ich jetzt machen kann. Ich war damals sehr weit weg vom Theater. Nach der Beerdigung habe ich meinen Hut in den Ring geworfen für die Intendanz am Berliner Ensemble, vollkommen naiv. Denn da waren die Messer schon gewetzt und das Fell verteilt, und es war klar, dass Wuttke es macht. Kurze Zeit später war das Theater dann reif geschossen für Peymann. Das hätte ich gerne anders gemacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Theater spielen Sie zur Zeit gar nicht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Zuletzt vor einem knappen Jahr in &lt;em&gt;Drei Mal Leben&lt;/em&gt; von Yasmina Reza zusammen mit Ihrer Frau und Kollegin Susanne Lothar. Sie spielten die Rolle eines frustrierten Akademikers. Ja, und zu Hause spiele ich meiner Frau vor, wie ich früher Theater gespielt habe, als Hamlet oder Egmont am Boden, die Welt aus den Angeln hebend, und was mach ich jetzt - jetzt spiele ich den kleinen Versager. So weit bin ich gekommen. Manchmal leide ich auch ein bisschen darunter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wann stehen Sie wieder auf der Bühne?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Am 9. Januar, nach der Premiere. Und übernächstes Jahr spiele ich den Papageno in Luc Bondys Inszenierung der &lt;em&gt;Zauberflöte&lt;/em&gt; für die Wiener Oper.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wollen Sie lieber vor der Filmkamera stehen?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Das ist mein Wunsch. Aber da wir in Deutschland noch keine Filmindustrie haben, wo man regelmäßig arbeiten kann, sind Kinoproduktionen eher die Ausnahme, zumindest bei mir. Ich würde gerne größere Rollen spielen. Ich werde oft gebeten, das Zubrot zu liefern für andere, das kann Spaß machen, ist aber auf die Dauer frustrierend. "&lt;em&gt;&lt;span style="color: rgb(0, 102, 0);"&gt;&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Stellvertreter"&gt;Der Stellvertreter&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;" unter der Regie von &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Costa_Gavras"&gt;&lt;em&gt;&lt;span style="color: rgb(0, 102, 0);"&gt;Costa-Gavras&lt;/span&gt;&lt;/em&gt; &lt;/a&gt;war mein letzter Kinofilm. Darüber hat die &lt;em&gt;Berliner Zeitung&lt;/em&gt; übrigens eine Kritik gebracht, woraufhin ich die Zeitung abbestellt habe. Es wurde die traditionelle Erzählweise des Films kritisiert. Ich wurde auch kritisiert. Und als zweifacher Kunstpreisträger eben dieser Zeitung hatte ich mit so viel Boshaftigkeit nicht gerechnet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Nächstes Jahr sind Sie wieder als Gerichtsmediziner in der ZDF-Serie "Der letzte Zeuge" zu sehen. Hat die Figur noch Entwicklungsmöglichkeiten?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Nein. Das ist eine gut funktionierende Figur, und wenn die Grundkonstanten der Serie erhalten bleiben, kann ich das auch noch eine Weile machen. Es macht nach wie vor Freude.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wann war Ihre Krise?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Anfang der neunziger Jahre. Ich wusste damals nicht mehr, warum ich Theater spiele. Denn ich bin immer noch der Überzeugung: Beim Theaterspielen muss die Welt zur Debatte stehen, sonst macht es keinen Spaß, da oben zu stehen. Nun ist ja ein Jahrzehnt eine lange Zeit in einem Menschenleben, das vielleicht aus sieben oder acht Jahrzehnten besteht. In der Zeit sollte man sich auch verändern können, verändern müssen. In der Zeit sollte man auch etwas geleistet haben. Ich habe die Lust am Spielen dann durch Stücke wie &lt;em&gt;Gesäubert&lt;/em&gt; von &lt;a style="font-style: italic; color: rgb(0, 102, 0);" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sarah_Kane"&gt;Sarah Kane&lt;/a&gt; wiederentdeckt. Ich spürte, dass es auch in diesem System Bruchstellen gibt, die nur etwas eleganter verkittet sind. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten für das Theater, in diese Bruchstellen reinzugehen, den Kitt aufzuschneiden und zu gucken, was ist da nicht in Ordnung. Ich brauche einen Auftrag, um Theater zu spielen, sonst kann ich es nicht. Es fällt mir einfach schwer, beliebig zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wissen Sie noch, warum Sie Schauspieler werden wollten?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Das kann ich gar nicht sagen. Ich wusste es einfach irgendwann, so in der siebten, achten Klasse. Als als wir in der Schule Fragebögen ausfüllen mussten, was wir mal werden wollten, habe ich mir immer etwas anderes ausgedacht. Ich wollte das für mich behalten, weil es mir unangenehm war in dieser Kleinstadt Grimma, in der ich aufgewachsen bin. Ich habe nie Laienspiel betrieben, kann das auch bis heute nicht ertragen. Vielleicht hatte ich Angst, dass mir jemand sagt, das kannst du überhaupt nicht, und zum anderen habe ich mir gedacht, wenn man Theater spielt, muss man das professionell machen. Ich habe es erst in der Familie veröffentlicht, als ich mich auf die Eignungsprüfung für die Theaterhochschule in Leipzig vorbereitet habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wie hat die Familie reagiert?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Sie waren nicht dagegen, fanden es aber auch nicht so ganz ideal. Aber da mein älterer Bruder den traditionellen Beruf unserer Familie übernahm - er wurde Kürschner - war das abgedeckt. Ich, als Zweiter, konnte dann machen, was ich wollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wissen Sie noch, was Sie vorgesprochen haben?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ja, unter anderem den Diener aus Gogols &lt;em&gt;Revisor&lt;/em&gt;. Der erste Satz heißt: "Es rumort in den Gedärmen, als ob ein ganzes Regiment darin Posaune bläst. " Der hat nämlich Hunger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Wie war Leipzig für Sie in der Studienzeit?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Leipzig war von Grimma aus gesehen die Großstadt. Da gab es Straßenbahnen und S-Bahnen, das war alles aufregend für mich. Und Leipzig hatte auch eine ganz tolle Studentenszene. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst fanden die wildesten Faschingsfeste statt, an der Musikhochschule studierten die hübschesten Mädchen - wobei wir dann merkten, dass es vor allem das Introvertierte der Musiker war, das uns Schauspielschüler so anzog, weil wir ja so nach außen explodierten. Es gab ein bekanntes, in der DDR berühmtes Studententheater, aber da durfte ich nicht mitspielen, weil es uns im Studium verboten war, nebenbei aufzutreten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Vor dem Studium waren Sie Soldat an der Mauer in Berlin. In dieser Zeit hatten Sie eine schwere Magenoperation. Mussten Sie das alles noch mal durchleben während der Mauerschützen-Prozesse in den neunziger Jahren?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Nein. Das war abgeschlossen für mich. Während der Armee-Zeit war das ein Problem. Es war nicht einfach, an der Mauer zu stehen mit sechzig Schuss Munition.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Haben Sie die Armee auch als Studienobjekt betrachtet?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Nein. So habe ich das nie gesehen. Machtstrukturen funktionieren viel differenzierter und vielschichtiger, wo es keine Rangabzeichen gibt. In der Familie oder zwischen Lehrern und Schülern. Ich fand es einfach nur grauenvoll, dass ein Gleichaltriger, nur weil er einen Balken mehr auf der Schulter hatte, zu mir "linksum" sagen konnte, und ich musste dann "linksum" machen. Darunter habe ich einfach gelitten. Aber seitdem ich den Beruf des Schauspielers erlernen und ausüben durfte, hatte ich für die Misere DDR ein Ventil. In den ersten Jahren, das habe ich mir später eingestehen können, war dieser Beruf ein Gutteil Therapie. Den Frust, den man als ganz normaler DDR-Bürger auf sich lud, konnte man in diesem Beruf wunderbar abarbeiten. Wenn man als "Egmont" oder als Oswald in Ibsens &lt;em&gt;Gespenster&lt;/em&gt; etwas extrem aus sich herauspolken konnte, im Bewusstsein, dass einem vierhundert Leute zuhören, dann hatte das etwas unglaublich Befriedigendes, Erleichterndes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Als Sie die klassischen Helden als fragile Figuren spielten, wurde das als Metapher für das ganze Land gesehen. War es so gedacht?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ja. Aber Schauspielerei unterliegt ja auch Moden. Das Bild von einem Helden wechselt. Sicher hatte das Bild des zarten Helden etwas mit der Ausprägung dieses kleinen Landes zu tun, in dem man so schnell anecken konnte, wo man so schnell an Mauern stand. Bei einem zarteren Körper wurde die Verletzlichkeit schneller spürbar. Sicher konnte sich das Publikum mit so einem Körper eher identifizieren als mit einem Supertypen, der auf der Bühne den Helden macht. Diese Helden gab es einfach nicht. Man hätte es gar nicht so weit bringen können, so ein Typ zu werden in einem so beschränkten Land. Und da war meine Darstellung sozusagen eine Form von Trost für den Zuschauer - indem der Hauptheld auf der Bühne auch eher verletzbar wirkt, als dass er über alles hinweggehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Sind Sie noch mit einem starken Heldenbild aufgewachsen?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ja. Das wurde immer an die Arbeiterklasse geknüpft. Die Helden der Arbeit - das waren die neuen Helden. Als ich erwachsen wurde in den Siebzigern, haben wir aber schon unsere argen Zweifel daran gehabt, ob das funktionieren kann, wenn die Dachdecker die Macht haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Gehen Sie oft als Zuschauer ins Theater?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Nein, weniger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Warum nicht?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ich mag Theater gern, in dem es noch etwas zu erleben gibt. Das habe ich im Kino im Moment öfter als im Theater.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Christina Bylow: Haben Sie "Dogville" von Lars von Trier gesehen? Der verbindet ja Film und Theater.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ulrich Mühe: Ja. toll. Der schafft es ja, dass man ungerührt zusieht, wie ein Baby vor den Augen seiner Mutter erschossen wird und man sich dabei ertappt, dass man denkt: Besser so, bevor es so wird wie seine Eltern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;„Ich war immer müde“&lt;/em&gt; / Ein Gespräch mit &lt;em&gt;&lt;span style="color: rgb(0, 102, 0);"&gt;&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/George_Tabori"&gt;George Tabori&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;, dem dienstältesten Theatermacher der Welt, zum 90. Geburtstag. Berlin, Mai 2004, Kantine des Berliner Ensembles. George Tabori sitzt auf seinem Stammplatz neben dem Eingang, trinkt Tee, neben ihm sein silberner Stock, sein Assistent und seine Ehefrau, Uschi Höpfner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;DIE ZEIT: Wollen wir anfangen?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;George Tabori: Ich habe mein Hörgerät vergessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie werden neunzig Jahre alt. Wie ist es, alt zu sein?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Vor zehn Jahren hat es mich nicht beschäftigt, dass ich alt war. Über den Tod und das Leben und diese Sachen habe ich immer geschrieben, aber nicht besonders tragisch. Jetzt denke ich daran, dass es eines Tages aus ist. Ich bin der dienstälteste Theatermacher in der Welt. Sophokles hat mit 80 Jahren aufgehört. Wieso bin ich so alt geworden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Assistent: Sie waren der Erste, der in Deutschland gejoggt ist!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Früher bin ich gejoggt, das habe ich aus Amerika mitgebracht. Jetzt habe ich mit allem aufgehört. Ich schäme mich, ich gehe nicht joggen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Wie fühlt sich das Alter von innen an?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Der Tod war immer eine fremde Sache. Die nichts zu tun hatte mit mir. Noch nicht. Früher habe ich zwei oder drei Stücke im Jahr geschrieben. Ich hatte eine Idee, habe Peymann das erzählt, und nach sechs Wochen war das Stück fertig. Bei der Premiere hat Peymann mich immer nach vorne gestoßen, dass ich mich verbeugen soll. Ein Stück pro Jahr, das würde jetzt genügen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lautsprecher: Die Garderobe bitte in die Maske gehen, die Garderobe bitte in die Maske gehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Wo war ich?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Was macht die Liebe?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Sie meinen Sex? Ich habe das Wort nicht gern. Überall wird es herumgeschleudert, und mit der Sache, die es beschreibt, hat es nichts zu tun. Also, mit dem Sex, das ist vorbei. Darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Ich hatte einen Onkel, der hat mit 92 Jahren ein Kind fabriziert. Wie er das geschafft hat, weiß ich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Geht es Ihnen nicht gut?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich habe zwei Ärzte, der eine ist Buddhist. Er gibt mir eine Spritze, und ich fühle mich besser. Der andere ist im Jüdischen Krankenhaus in der Reinickendorfer Straße. Ich war ja mit 23 in Berlin und habe in der Reinickendorfer Straße gewohnt bei Professor Schnitzler. Seine Frau hat immer abscheulich Klavier gespielt. Dort habe ich gewisse Sachen gelernt. Zum Beispiel Frühstück. Dieses deutsche Frühstück mit Schinken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Was haben Sie gegen deutsches Frühstück?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Es schmeckt furchtbar!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie haben im Leben viele Rollen gespielt. In Berlin waren Sie Kellner, in Istanbul Reporter, in London Agent, in Hollywood Freund berühmter Damen, in New York Dramatiker, in Wien Theaterdirektor und ich weiß nicht, was noch alles. In welcher Rolle waren Sie am meisten Sie selbst?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich bin immer ich. In letzter Zeit denke ich oft an Hollywood. Aber ich denke nicht an mich, sondern an Leute, die ich kannte. Ich frage mich, war es so, war es nicht so? Es ist lange her.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Erinnern Sie sich an Ihre Frauen?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Viveca war eine merkwürdige Frau. (Mit der Schauspielerin Viveca Lindfors war Tabori von 1954 bis 1972 verheiratet.) Wunderschön. Leider nicht sehr treu. Sie hatte drei Kinder von drei Männern. Die Kinder haben mich alle als Ersatzvater akzeptiert. Meine Tochter ist 54, eine große Verlegerin. Sie verlegt tolle Bücher. Nur meine Bücher will sie nicht verlegen. Mein Lieblingssohn war vor zwei Jahren verliebt. In eine Schauspielerin. Sie hat ihn verlassen, und er ist dick geworden. Er war vor kurzem hier. Ich habe ihn fast nicht erkannt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie haben Ihre Lebensfäden häufig abgerissen und woanders wieder aufgenommen. Erkennen Sie sich selbst wieder, wenn Sie zurückdenken?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich denke an mich wie an jemanden, den ich kannte, der das und das machte. Ich habe so viel erlebt. Von Ungarn bin ich nach England gegangen, dann war ich Journalist in Sofia, in Istanbul war ich ein Jahr, in Jerusalem, Kairo, wieder in England, dann bin ich nach Hollywood gegangen, in New York war ich zwanzig Jahre. Manche Sachen sind mir sehr nahe. Das bin ich. Andere Sachen sind George Tabori. Zum Beispiel in Istanbul. Da musste ich so tun, als ob ich Selbstmord verübt hätte, mit Abschiedsbrief und allem. Warum erzähle ich das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie erzählen von den Häuten, die Sie abgelegt haben.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja. Manches ist wie heute. Zum Beispiel Jerusalem. Wo war ich da? Ich sehe alles vor mir und könnte stundenlang davon erzählen. Aber ich weiß nicht mehr, wie das hieß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Assistent: Der englische Club!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Nein, das war in Istanbul.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Assistent: Das Archäologische Institut!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja, das war ein herrliches rundes Gebäude. Dort hat man mir erklärt, dass es die heiligen Orte des Christentums gar nicht gibt. Alles ist falsch. Ich war sehr gerne in Jerusalem. Aber war ich das? Sie sind vielleicht dreißig Jahre alt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Nein, viel älter.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Sie sind dreißig Jahre alt. In sechzig Jahren werden Sie mich verstehen. Manches ist jemand anderem passiert. Manchmal weiß ich auch nicht mehr, was wirklich war und was ich erfunden habe. Istanbul war eigentlich mein Wendepunkt. Dort ist so viel los gewesen. Ich habe einen neuen Namen bekommen. Turner. Drei Jahre lang habe ich als Herr Turner gelebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Damals waren Sie ein begabter Schrifsteller. Sie haben tolle Romane geschrieben.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Na ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Was hat Sie zum Schreiben gebracht?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Das ist hundert Jahre her. Aber alle meine Texte erzählen eine Begegnung zwischen zwei Männern. Das ist mir erst jetzt klar. Das hat etwas mit meinem Leben zu tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: In Ungarn haben Sie ungarisch geschrieben, in Amerika englisch, jetzt schreiben Sie deutsch.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Englisch habe ich verlernt, Ungarisch spreche ich nur noch mit meinem Hund. Aber auch das Deutsche verschwindet langsam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Warum gaben Sie das Romanschreiben auf?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: In meinem Leben war alles Zufall. Der Zufall regiert die Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Oft erbärmlich schlecht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich weiß nicht. Ich war in London mit einer Freundin. Wir wollten zusammen zurück nach New York. Wir haben uns gestritten. Auf dem Flughafen haben wir uns getrennt. Mir war elend zumute. Aber als ich im Flugzeug nach Berlin saß, fühlte ich mich toll. Ich habe in einem kleinen Zimmer gewohnt in der Akademie der Künste. Eine Art Badezimmer. Ich kannte niemanden. Nebenan wohnte Beckett. Ich wollte ihn kennen lernen. Aber er war immer schneller. Ich habe ihn nie gesehen. Beim Frühstück sah ich einen deutschen blonden Herren mit seiner Frau, der hat geschimpft, furchtbar, jeden Morgen. Das war Claus Peymann. So kam ich nach Berlin. Das ist doch nicht schlecht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Aber Ihre deutsche Bühnenkarriere begann mit Tränen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Das habe ich nie verstanden. Ich bin aus New York nach Berlin gekommen, zur Weigel, und habe das beste Theater meines Lebens gesehen. Hier, in diesem Theater, das war damals nicht so sauber und nicht so schön wie heute, war damals ein Brecht-Kolloquium. Nach drei Wochen standen alle Gäste in alphabetischer Reihenfolge auf der Bühne. Alle haben einen Zettel rausgenommen und sich schön bedankt. Ich hatte auch einen kleinen Zettel. Ich stand am Mikrofon und schaute die Leute an. Die Weigel sagte, komm, sag etwas. Ich habe den Zettel zerrissen und geweint. Dann habe ich mich verbeugt und bin zurückgegangen. Später in New York habe ich mir gedacht, das war die Trauer, weil ich nie so schreiben würde, möchte wie Brecht. Aber ob das wahr ist, weiß ich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Brecht stand für Sie als Türsteher vor dem Theaterparadies …&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Er saß auf dem Boden, als ich ihn das erste Mal in Amerika sah. Das war bei einer Party.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lautsprecher: Es ist 18.40 Uhr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Er hat eine stinkende Zigarre geraucht. Ich hab mich verbeugt. Seine Tochter, die Barbara, hat mich beschimpft, ein giftiges Biest. Sie war ganz dünn und ungeheuer frech. Ich dachte, Gott, ist die hübsch. Ich hätte sie gerne verführt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sehr alte Geschichten. Stellen Sie sich vor, in zwanzig Jahren liest irgendjemand, der in diesem Jahr geboren wurde, unser Gespräch noch einmal. Was aus dem Jahrhundert, das Sie durchlebt haben, können Sie ihm mitgeben?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Lassen Sie mich drei Wochen nachdenken. Ich bin 1914 geboren. Ich dachte immer, das Jahrhundert, in dem ich gelebt habe, war eines der schrecklichsten. Aber ich habe es überlebt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Mittagessen noch die Hauptmahlzeit. Alle waren da, die ganze Familie. Damals habe ich beim Essen erzählt, man habe mir in der Schule gesagt, dass alle Rumänen schwul seien. Da hat mein Vater mir eine Ohrfeige gegeben. Die einzige meines Lebens. Die könnte ich vielleicht weitergeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Und nichts über Deutschland?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich habe Hitler gesehen, im Januar 33. Er stand oben auf einem Balkon in der Wilhelmstraße und sah sehr traurig aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Ihr Vater wurde in Auschwitz vergast. Doch nach dem Holocaust ging es in Deutschland nur noch bergauf, Wirtschaftswachstum, Krankenkasse, Zweitwagen, Subventionstheater, eine einzige Erfolgsgeschichte.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Jetzt ist Schluss, der Höhepunkt ist überschritten, überall ist Endzeitstimmung.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja, es wird ganz schlimm werden. Europa wird bald nicht mehr wichtig sein, Südkorea wird das literarische Zentrum, das beste Theater wird in der Bronx gespielt, das ist alles möglich. Ich bin nie überrascht, wenn etwas Schlimmes passiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Die sechziger Jahre waren für Sie die letzte romantische Zeit.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Das war New York. Die beste Stadt, in der ich je gelebt habe. Ich wohnte in der 95. Straße. Ich habe zum ersten Mal inszeniert. Jeden Morgen um 8.30 Uhr brachte ich mein Kind zur Schule in die 89. Straße, da waren drei chinesische Restaurants, der Zeitungshändler war ein Grieche, der Drugstore war deutsch. In New York war ich eigentlich glücklich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Dann haben Sie Ihr Glück für das deutsche Theater aufgegeben?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja. Ich habe in Berlin Die Kannibalen gemacht. Es hat mir so gefallen. Ich musste bleiben. Viveca und die Kinder blieben in New York. Wir haben uns getrennt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Wegen des Theaters?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Das Theater war so wichtig?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Warum ausgerechnet in Deutschland?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Wo denn sonst! Nirgends auf der Welt hat es so viel Theater gegeben wie damals in Deutschland.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lautsprecher: Bitte Ruhe, die Vorstellung beginnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Das deutsche Theater war das beste auf der Welt. Das ist vorbei. Ich lese jeden Morgen den Tagesspiegel. Es wird über alles geredet, über das Theater nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Ist das Theater an seinem Reichtum erstickt?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Am Fernsehen. Wenn ich jetzt gleich nach Hause gehe, trinke ich Kaffee und sehe fern. Auch wenn es blöd ist. Die Uschi sieht auch fern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Das deutsche Subventionstheater war ein Weltkulturereignis. Wie kann so etwas einfach verschwinden?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Vor zweieinhalbtausend Jahren gab es das alte griechische Theater. Fünfzig Jahre lang. Dann war es vorbei. Das römische Theater war fabelhaft, fünfzig Jahre lang, dann Schluss. Die Franzosen, Molière und so weiter, toll, fünfzig Jahre. Dann kamen die Engländer, Shakespeare. Dann kamen die Deutschen, Schiller, Kleist, Büchner, hundert Jahre hatten sie das beste Theater. Und was ist jetzt? Unser großer Chef macht ein Stück von Handke.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Die nächsten fünfzig Jahre verbringen wir also vor der Glotze?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ja. Seit ich wieder in Berlin bin, sehe ich fern. Was soll ich machen? Wir haben auch dreißig Fotoalben. Die sehe ich mir an. Wo wir überall waren! Das ist fantastisch. Ich sage, Uschi, wo war das? Ich kann mich nicht erinnern. Aber das ist mein Leben: dass ich an so vielen Orten war. So vielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Was wird aus dem Theater ohne Tabori?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich sehe Theater seit 75 Jahren. Nie habe ich zwei Mal dasselbe im Theater gesehen. So oft ich den Nathan gesehen habe, immer war es anders. Daran wird sich nichts ändern. König Lear ist das beste Stück, das ich kenne. Das werde ich vielleicht noch machen. Außerdem zwei oder drei Stücke und meine Erinnerungen an die Kriegsjahre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie haben das Gefühl, Sie haben Zeit?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: (lacht) Na ja. Zola ist mitten im Satz gestorben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie sind nicht müde? Früher haben Sie immer gesagt, Sie seien müde, seit Sie jung waren.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich war immer müde. Das ist nicht schlimm. Jetzt bin ich noch nicht müde, aber in einer halben Stunde werde ich müde sein. Ich taumele nach Hause. Wie hat der große ungarische Dichter Endre Ady gesagt? „Ich würde es lieb haben, wenn man mich lieb haben würde.“ Was ist die Wahrheit, und was ist das Reale? Früher war das ein großer Unterschied.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie glauben an Kreisläufe. Ihr Leben hat in Budapest begonnen. Seit einiger Zeit befinden Sie sich auf dem Rückweg. Der Kreis müsste sich eigentlich in Budapest schließen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Jedes Leben ist kreisartig, ja. Aber mein Kreis hat nichts mit Ungarn zu tun, nichts mit London. Ich weiß nicht, wo der Kreis ist. Alles, was ich für richtig und gut gehalten habe, ist in den letzten Jahren infrage gestellt worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Warum?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Warum-Fragen kann ich nie beantworten. Darum. Ich habe viele Fragen, die ich nicht beantworten kann. Und ich möchte sie beantworten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Was zum Beispiel stellen Sie infrage?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Mich. Hab ich Recht? War es so, wie ich denke? Ist es so, wie ich glaube? Diese Fragen hätte ich mir mit siebzehn stellen sollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie haben sich früher nicht infrage gestellt?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Ich habe die Fragen nicht wichtig genommen. Nicht wie jetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Sie haben immer wieder gesagt, Sie hätten sehr viel luck in Ihrem Leben gehabt. Happiness gebe es sowieso nicht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Warum sollte ich jetzt nicht glücklich sein? Uschi ist hier. Tee ist hier. Ich habe nachgedacht, wie Sie sein werden. Ich dachte, Sie wären viel strenger. Sie würden nur eine halbe Stunde mit mir sprechen. Ich bin erleichtert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;ZEIT: Haben Sie das Glück gesucht? Die vielen Länder, die vier Ehen. War das keine Suche nach noch mehr Glück?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: Wie heißt der letzte Satz im Hamlet?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Assistent: Der Rest ist Schweigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tabori: The rest is silence. Stille!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Das Gespräch führte Iris Radisch; (c) DIE ZEIT 19.05.2004 Nr.22 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;// ...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-6942118406308840209?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/6942118406308840209/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=6942118406308840209' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/6942118406308840209'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/6942118406308840209'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/sur-la-fin-et-le-bout.html' title='Le Corps (sur la fin et le bout)'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/R5j6dJBT9FI/AAAAAAAAAuo/r0j1alH0pCg/s72-c/Antonioni_Bergmann_Blake_Du.gif' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-4857148116179464918</id><published>2007-07-16T22:10:00.007+03:00</published><updated>2008-09-27T20:39:04.610+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Le Corps'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Metric'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><title type='text'>L'inhabitable</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvOGbs_M1I/AAAAAAAAAto/3Yd83cIb0rQ/s1600-h/obaba.jpg"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvOGbs_M1I/AAAAAAAAAto/3Yd83cIb0rQ/s400/obaba.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5119412011347686226" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold;"&gt;Das Gedächtnis des Grauens&lt;/span&gt; / Es ist nicht einfach, über &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Shoah&lt;/span&gt; zu sprechen. Dieser Film hat etwas Magisches an sich, und Magie läßt sich nicht erklären. Nach dem Krieg haben wir zahllose Zeugenaussagen über die Gettos und die Vernichtungslager gelesen; wir waren erschüttert. Doch wenn wir heute den außergewöhnlichen Film von Claude Lanzmann sehen, wird uns klar, daß wir nichts wußten. Trotz all unserer Kenntnisse war uns das grauenhafte Geschehen fremd geblieben. Jetzt erfahren wir es zum ersten Mal an uns selbst - in unseren Köpfen, in unseren Herzen, am eigenen Leib. Es wird zu unserer eigenen Erfahrung. Shoah ist weder Fiktion noch Dokumentation, es gelingt diesem Film, mit erstaunlich sparsamen Mitteln die Vergangenheit aufleben zu lassen: Orte, Stimmen, Gesichter. Claude Lanzmanns große Kunst besteht darin, daß er die Orte sprechen läßt, sie durch die Stimmen wieder ins Leben ruft und, über alle Worte hinaus, das Unsagbare von den Gesichtern ausdrücken läßt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Orte. Die Nazis hatten sich gründlich bemüht, alle Spuren zu beseitgen; es ist ihnen jedoch nicht gelungen, alle Erinnerungen auszulöschen, und Claude Lanzmann hat die grauenvolle Wirklichkeit hinter der Tarnung - junge Wälder, frisches Gras - wieder aufzudecken vermocht. Unter dieser grünen Wiese befanden sich trichterförmige Gräben, in die Autobusse die auf der Fahrt vergasten Juden abluden. In diesen hübschen Fluß wurde die Asche der verbrannten Leichen geworfen. Dort sind die friedlichen Höfe, von denen aus die polnischen Bauern hören und auch sehen konnten, was in den Lagern geschah. Dort sind die Dörfer mit den schönen alten Häusern, deren jüdische Bewohner abgeholt und deportiert wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Claude Lanzmann zeigt uns die Bahnhöfe von Treblinka, Auschwitz, Sobibor. Er betritt die heute mit Gras bewachsenen "Rampen", von denen aus Hunderttausende von Opfern in die Gaskammer getrieben wurden. Zu den ergreifendsten Bildern gehört für mich ein Berg von Koffern, schlicht die einen, eleganter die anderen, alle mit Namen und Adressen versehen. Mütter hatten vorsorglich Milchpulver, Talg und Weizenbreipulver hineingepackt, Kleidung, Lebensmittel und Medikamente in andere. Und nichts davon wurde gebraucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Stimmen. Sie erzählen, und weite Teile des Films hindurch beschreiben alle das gleiche: die Ankunft der Züge, das Öffnen der Waggons, aus denen Leichen fallen, den Durst, die angsterfüllte Unkenntnis, das Entkleiden, die "Desinfektion", das Öffnen der Gaskammern. Doch nie hat man den Eindruck einer Wiederholung. Das liegt einmal an den unterschiedlichen Stimmen. Da ist die kalte, objektive Stimme von Franz Schommel, SS-Unterscharführer von Treblinka; er ist es, der am genauesten und in allen Einzelheiten über die Vernichtung jedes Transports berichtet. Da sind die leicht verstörten Stimmen einzelner Polen: die des Lokomotivführers, den die Deutschen mit Wodka aufrecht erhielten, der die Schreie der verdurstenden Kinder jedoch nicht ertrug, die des Stationsvorstehers von Sobibor, dem die Stille zu schaffen machte, die sich plötzlich über das nahe Lager gelegt hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch die Stimmen der Bauern sind oft gleichgültig, manchmal sogar spöttisch. Und da sind die Stimmen der wenigen Juden, die überlebt haben. Zwei oder drei von ihnen haben zu einer scheinbaren Gelassenheit gefunden. Doch viele können kaum sprechen, ihre Stimmen klingen gebrochen, sie sind in Tränen aufgelöst. Daß ihre Aussagen sich gleichen, ist nie ermüdend, ganz im Gegenteil. Man denkt an die absichtliche Wiederholung eines musikalischen Themas oder eines Leitmotivs. Denn der subtile Aufbau des Films erinnert an eine musikalische Komposition - mit seinen Momenten, in denen das Grauen den Höhepunkt erreicht, mit seinen friedlichen Landschaften, seinen Lamentos, seinen neutralen Einstellungen. Und das Ganze wird rhythmisiert durch das geradezu unerträgliche Rattern der Züge, die auf die Lager zurollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gesichter. Sie sagen oft mehr aus als Worte. Die polnischen Bauern zeigen Mitleid. Aber viele wirken gleichgültig, ironisch, sogar zufrieden. Die Gesichter der Juden passen zu ihren Aussagen. Am merkwürdigsten sind die Gesichter der Deutschen. Franz Suchomel bleibt ungerührt, bis auf den Moment, als er ein Lied zu Ehren Treblinkas anstimmt und seine Augen aufleuchten. Doch die Behauptungen anderer, nichts gewußt zu haben, ihre Unschuldsbeteuerungen werden von ihrem verlegenen, verschlagenen Gesichtsausdruck widerlegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Claude Lanzmanns große Kunstfertigkeit besteht unter anderem darin, uns den Holocaust aus der Perspektive der Opfer, aber auch aus der Perspektive der "Techniker" vorzuführen, die ihn ermöglicht haben und die jede Verantwortung ablehnen. Charakteristisch für sie ist der Bürokrat, der die Transporte organisierte. Die Sonderzüge, erklärt er, seien Gruppen, die den halben Preis zahlten, für Ausflüge oder Urlaubsreisen zur Verfügung gestellt worden. Er leugnet nicht, daß auch die für die Lager bestimmten Transporte Sonderzüge waren. Aber behauptet, nicht gewußt zu haben, daß die Lager Vernichtung bedeuteten. Er hielt sie für Arbeitslager, in denen die Schwächsten starben. Sein verlegener, ausweichender Blick straft ihn Lügen, wenn er beteuert, nichts gewußt zu haben. Etwas später erfahren wir von dem Historiker Raul Hilberg, daß die "umgesiedelten" Juden von dem Reisebüro Urlaubern gleichgestellt wurden und daß die Juden ohne ihr eigenes Wissen ihre eigene Deportation finanzierten: die Gestapo bezahlte sie mit ihrem Vermögen, die sie konfisziert hatte. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel für die Widerlegung einer Aussage durch ein Gesicht ist einer der "Verwalter" des Warschauer Gettos. Er erklärt, er habe zum Überleben des Gettos beigetragen, es vor Typhus schützen zu wollen. Die Fragen Claude Lanzmann beantwortet er jedoch stottert, sein Gesicht zerfällt, sein Blick weicht aus, er ist völlig verwirrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Claude Lanzmanns Gestaltung ist keiner chronologischen Ordnung unterworfen, ich würde eher sagen, daß wir es mit einer poetischen Konstruktion zu tun haben - wenn diese Bezeichnung bei einem solchen Thema angewendet werden darf. Es bedürfte einer ausführlichen Untersuchung, um auf die Resonanzen, Symmetrien, Asymmetrien und Harmonien hinzuweisen, auf denen diese Konstruktion beruht. So erklärt sich, daß das Warschauer Getto erst gegen Ende des Films beschrieben wird, wenn wir das erbarmungslose Schicksal der Eingeschlossenen bereits kennen. Auch hier liegt kein einstimmiger Bericht vor: es ist eine Totenklage aus mehreren, ineinander fließenden Stimmen. Karski, damals Kurier der polnischen Exilregierung, kommt der Bitte zweier hoher jüdischer Funktionäre nach und besucht das Getto, um vor der Welt Zeugnis abzulegen (übrigens vergeblich). Er sieht nur die graue Unmenschlichkeit dieser Welt in Agonie. Die wenigen Überlebenden des von deutschen Bomben erstickten Aufstands berichten dagegen von den Bemühungen, die unternommen wurden, um diesen Verdammten ihr Menschsein zu erhalten. Der Historiker Raul Hilberg spricht mit Lanzmann lange über den Selbstmord von Czerniakow, der geglaubt hatte, den Juden im Getto helfen zu können, und den am Tag der ersten Deportation jede Hoffnung verließ.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ende des Films ist in meinen Augen wunderbar. Einer der wenigen Überlebenden des Aufstands steht allein inmitten von Ruinen. Er sagt, er habe damals so etwas wie Heiterkeit gespürt bei dem Gedanken: "Ich bin der letzte Jude und warte auf die Deutschen." Und gleich darauf sieht man einen Zug mit einer weiteren Ladung zu den Lagern rollen. Vergangenheit und Gegenwart sind für mich, wie für alle Zuschauer, nicht zu trennen. Ich sagte, daß das Magische an Shoah für mich in dieser Verschmelzung liegt. Ich möchte hinzufügen, daß ich eine solche Verbindung von Grauen und Schönheit nie für möglich gehalten hätte. Freilich, das eine dient nicht dazu, das andere zu verschleiern, es handelt sich nicht um Ästhetizismus, im Gegenteil: die Schönheit bringt das Grauen so schöpferisch und unnachgiebig an den Tag, daß uns bewußt wird, ein großes Werk vor uns zu haben. Ein wahres Meisterwerk.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Simone de Beauvoir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;... //&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;Come September&lt;/em&gt; / I have so many things to say and I hope I don't take too long to say them to you. I'm a writer, and so I've actually written what I want to say, for two reasons. One, because I'm sure that you are much more interested in the way I write than in the way I speak. And, second, because the things I have to say are complicated, dangerous things in these dangerous times and I think we have to be very, very precise about what we're saying and how we say them and the language that we use. So I hope it's okay if I read it out to you. My talk today is called &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Come September&lt;/span&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Writers imagine that they cull stories from the world. I'm beginning to believe that vanity makes them think so. That it's actually the other way around. Stories cull writers from the world. Stories reveal themselves to us. The public narrative, the private narrative - they colonize us. They commission us. They insist on being told. Fiction and nonfiction are only different techniques of story telling. For reasons that I don't fully understand, fiction dances out of me, and nonfiction is wrenched out by the aching, broken world I wake up to every morning.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The theme of much of what I write, fiction as well as nonfiction, is the relationship between power and powerlessness and the endless, circular conflict they're engaged in. John Berger, that most wonderful writer, once wrote: "Never again will a single story be told as though it's the only one." There can never be a single story. There are only ways of seeing. So when I tell a story, I tell it not as an ideologue who wants to pit one absolutist ideology against another, but as a story-teller who wants to share her way of seeing. Though it might appear otherwise, my writing is not really about nations and histories; it's about power. About the paranoia and ruthlessness of power. About the physics of power. I believe that the accumulation of vast unfettered power by a State or a country, a corporation or an institution - or even an individual, a spouse, a friend, a sibling -regardless of ideology, results in excesses such as the ones I will recount here.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Living as I do, as millions of us do, in the shadow of the nuclear holocaust that the governments of India and Pakistan keep promising their brain-washed citizenry, and in the global neighborhood of the War Against Terror (what President Bush rather biblically calls "The Task That Never Ends"), I find myself thinking a great deal about the relationship between Citizens and the State. In India, those of us who have expressed views on Nuclear Bombs, Big Dams, Corporate Globalization and the rising threat of communal Hindu fascism - views that are at variance with the Indian Government's - are branded 'anti- national.' While this accusation doesn't fill me with indignation, it's not an accurate description of what I do or how I think. Because an 'anti-national' is a person who is against his or her own nation and, by inference, is pro some other one. But it isn't necessary to be 'anti-national' to be deeply suspicious of all nationalism, to be anti-nationalism. Nationalism of one kind or another was the cause of most of the genocide of the twentieth century. Flags are bits of colored cloth that governments use first to shrink-wrap people's brains and then as ceremonial shrouds to bury the dead. When independent- thinking people (and here I do not include the corporate media) begin to rally under flags, when writers, painters, musicians, film makers suspend their judgment and blindly yoke their art to the service of the "Nation," it's time for all of us to sit up and worry. In India we saw it happen soon after the Nuclear tests in 1998 and during the Cargill War against Pakistan in 1999. In the U.S. we saw it during the Gulf War and we see it now during the "War Against Terror." That blizzard of Made-in-China American flags.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Recently, those who have criticized the actions of the U.S. government (myself included) have been called "anti-American." Anti-Americanism is in the process of being consecrated into an ideology. The term "anti-American" is usually used by the American establishment to discredit and, not falsely - but shall we say inaccurately - define its critics. Once someone is branded anti-American, the chances are that he or she will be judged before they are heard, and the argument will be lost in the welter of bruised national pride. But what does the term "anti-American" mean? Does it mean you are anti-jazz? Or that you're opposed to freedom of speech? That you don't delight in Toni Morrison or John Updike? That you have a quarrel with giant sequoias? Does it mean that you don't admire the hundreds of thousands of American citizens who marched against nuclear weapons, or the thousands of war resisters who forced their government to withdraw from Vietnam? Does it mean that you hate all Americans? This sly conflation of America's culture, music, literature, the breathtaking physical beauty of the land, the ordinary pleasures of ordinary people with criticism of the U.S. government's foreign policy (about which, thanks to America's "free press", sadly most Americans know very little) is a deliberate and extremely effective strategy. It's like a retreating army taking cover in a heavily populated city, hoping that the prospect of hitting civilian targets will deter enemy fire.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;But there are many Americans who would be mortified to be associated with their government's policies. The most scholarly, scathing, incisive, hilarious critiques of the hypocrisy and the contradictions in U.S. government policy come from American citizens. When the rest of the world wants to know what the U.S. government is up to, we turn to Noam Chomsky, Edward Said, Howard Zinn, Ed Herman, Amy Goodman, Michael Albert, Chalmers Johnson, William Blum and Anthony Amove to tell us what's really going on. Similarly, in India, not hundreds, but millions of us would be ashamed and offended if we were in any way implicated with the present Indian government's fascist policies which, apart from the perpetration of State terrorism in the valley of Kashmir (in the name of fighting terrorism), have also turned a blind eye to the recent state-supervised progrom against Muslims in Gujarat. It would be absurd to think that those who criticize the Indian government are "anti-Indian" - although the government itself never hesitates to take that line. It is dangerous to cede to the Indian government or the American government or anyone for that matter, the right to define what "India" or "America" are or ought to be.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;To call someone "anti-American", indeed to be anti-American, (or for that matter, anti-Indian or anti-Timbuktuan) is not just racist, it's a failure of the imagination. An inability to see the world in terms other than those the establishment has set out for you. If you're not a Bushie you're a Taliban. If you don't love us, you hate us. If you're not Good, you're Evil. If you're not with us, you're with the terrorists. Last year, like many others, I too made the mistake of scoffing at this post- September 11th rhetoric, dismissing it as foolish and arrogant. But I've realized it's not foolish at all. It's actually a canny ecruitment drive for a misconceived, dangerous war. Everyday I'm taken aback at how many people believe that opposing the war in Afghanistan amounts to supporting terrorism, of voting for the Taliban.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Now that the initial aim of the war - capturing Osama bin Laden (dead or alive) - seems to have run into bad weather, the goalposts have been moved. It's being made out that the whole point of the war was to topple the Taliban regime and liberate Afghan women from their burqas, we are being asked to believe that the U.S. marines are actually on a feminist mission? If so, will their next stop be America's military ally Saudi Arabia? Think of it this way: in India there are some pretty reprehensible social practices against "untouchables", against Christians and Muslims, against women. Pakistan and Bangladesh have even worse ways of dealing with minority communities and women. Should they be bombed? Should Delhi, Islamabad and Dhaka be destroyed? Is it possible to bomb bigotry out of India? Can we bomb our way to a feminist paradise? Is that how women won the vote in the U.S? Or how slavery was abolished? Can we win redress for the genocide of the millions of Native Americans upon whose corpses the United States was founded by bombing Santa Fe?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;None of us need anniversaries to remind us of what we cannot forget. So it's no more than co-incidence that I happen to be here, on American soil, in September - this month of dreadful anniversaries. Uppermost on everybody's mind of course, particularly here in America, is the horror of what has come to be known as 9/11. Nearly three thousand civilians lost their lives in that lethal terrorist strike. The grief is still deep. The rage still sharp. The tears have not dried. And a strange, deadly war is raging around the world. Yet, each person who has lost a loved one surely knows secretly, deeply, that no war, no act of revenge, no daisy-cutters dropped on someone else's loved ones or someone else's children, will blunt the edges of their pain or bring their own loved ones back. War cannot avenge those who have died. War is only a brutal desecration of their memory. To fuel yet another war - this time against Iraq - by cynically manipulating people's grief, by packaging it for TV specials sponsored by corporations selling detergent and running shoes, is to cheapen and devalue grief, to drain it of meaning. What we are seeing now is a vulgar display of the business of grief, the commerce of grief, the pillaging of even the most private human feelings for political purpose. It is a terrible, violent thing for a State to do to its people.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;It's not a clever-enough subject to speak of from a public platform, but what I would really love to talk to you about is Loss. Loss and losing. Grief, failure, brokenness, numbness, uncertainty, fear, the death of feeling, the death of dreaming. The absolute relentless, endless, habitual, unfairness of the world. What does loss mean to individuals? What does it mean to whole cultures, whole people who have learned to live with it as a constant companion? Since it is September 11th we're talking about, perhaps it's in the fitness of things that we remember what that date means, not only to those who lost their loved ones in America last year, but to those in other parts of the world to whom that date has long held significance. This historical dredging is not offered as an accusation or a provocation. But just to share the grief of history. To thin the mists a little. To say to the citizens of America, in the gentlest, most human way: "Welcome to the World."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Twenty-nine years ago, in Chile, on the 11th of September 1973, General Pinochet overthrew the democratically elected government of Salvador Allende in a CIA-backed coup. "Chile should not be allowed to go Marxist just because its people are irresponsible," said Henry Kissinger, Nobel Peace Laureate, then the U.S. Secretary of State. After the coup President Allende was found dead inside the presidential palace. Whether he was killed or whether he killed himself, we'll never know. In the regime of terror that ensured, thousands of people were killed. Many more simply "disappeared". Firing squads conducted public executions. Concentration camps and torture chambers were opened across the country. The dead were buried in mine shafts and unmarked graves. For seventeen years the people of Chile lived in dread of the midnight knock, of routine "disappearances", of sudden arrest and torture. Chileans tell the story of how the musician Victor Jara had his hands cut off in front of a crowd in the Santiago stadium. Before they shot him, Pinochet's soldiers threw his guitar at him and mockingly asked him to play. In 1999, following the arrest of General Pinochet in Britain, thousands of secret documents were declassified by the U.S. government. They contain unequivocal evidence of the CIA's involvement in the coup as well as the fact that the U.S. government had detailed information about the situation in Chile during General Pinochet's reign. Yet, Kissinger assured the general of his support: "In the United States as you know, we are sympathetic to what you're trying to do," he said. "We wish your government well."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Those of us who have only ever known life in a democracy, however flawed, would find it hard to imagine what living in a dictatorship and enduring the absolute loss of freedom means. It isn't just those who Pinochet murdered, but the lives he stole from the living that must be accounted for too. Sadly, Chile was not the only country in South America to be singled out for the U.S. government's attentions. Guatemala, Costa Rica, Ecuador, Brazil, Peru, the Dominican Republic, Bolivia, Nicaragua, Honduras, Panama, El Salvador, Peru, Mexico and Colombia - they've all been the playground for covert - and overt - operations by the CIA. Hundreds of thousands of Latin Americans have been killed, tortured or have simply disappeared under the despotic regimes that were propped up in their countries. If this were not humiliation enough, the people of South America have had to bear the cross of being branded as people who are incapable of democracy - as if coups and massacres are somehow encrypted in their genes. This list does not, of course, include countries in Africa or Asia that suffered U.S. military interventions - Vietnam, Korea, Indonesia, Laos, and Cambodia. For how many Septembers for decades together have millions of Asian people been bombed, and burned, and slaughtered? How many Septembers have gone by since August 1945, when hundreds of thousands of ordinary Japanese people were obliterated by the nuclear strikes in Hiroshima and Nagasaki? For how many Septembers have the thousands who had the misfortune of surviving those strikes endured that living hell that was visited on them, their unborn children, their children's children, on the earth, the sky, the water, the wind, and all the creatures that swim and walk and crawl and fly? Not far from here, in Albuquerque, is&lt;br /&gt;the National Atomic Museum where Fat Man and Little Boy (the affectionate nicknames for the bombs that were dropped on Hiroshima and Nagasaki) were available as souvenir earrings. Funky young people wore them. A massacre dangling in each ear.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;But I'm straying from my theme. It's September that we're talking about, not August. September 11th has a tragic resonance in the Middle East, too. On the 11th of September 1922, ignoring Arab outrage, the British government proclaimed a mandate in Palestine, a follow-up to the 1917 Balfour Declaration which imperial Britain issued, with its army massed outside the gates of Gaza. The Balfour Declaration promised European Zionists a national home for Jewish people. At the time, the Empire on which the Sun Never Set was free to snatch and bequeath national homes like a school bully distributes marbles. How carelessly imperial power vivisected ancient civilizations. Palestine and Kashmir are imperial Britain's festering, blood-drenched gifts to the modem world. Both are fault lines in the raging international conflicts of today. In 1937, Winston Churchill said of the Palestinians, I quote, "I do not agree that the dog in a manger has the final right to the manger even though he may have lain there for a very long time. I do not admit that right. I do not admit for instance, that a great wrong has been done to the Red Indians of America or the black people of Australia. I do not admit that a wrong has been done to these people by the fact that a stronger race, a higher-grade race, a more worldly wise race to put it that way, has come in and taken their place." That set the trend for the Israeli State's attitude towards the Palestinians. In 1969, Israeli Prime Minister Golda Meir said, "Palestinians do not exist." Her successor, Prime Minister Levi Eschol said, "What are Palestinians? When I came here (to Palestine), there were 250,000 non-Jews, mainly Arabs and Bedouins. It was a desert, more than underdeveloped. Nothing." Prime Minister Menachem Begin called Palestinians "two-legged beasts." Prime Minister Yitzhak Shamir called them "grasshoppers" who could be crushed. This is the language of Heads of State, not the words of ordinary people.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In 1947, the U.N. formally partitioned Palestine and allotted 55 per cent of Palestine's land to the Zionists. Within a year, they had captured 76 per cent. On the 14th of May 1948 the State of Israel was declared. Minutes after the declaration, the United States recognized Israel. The West Bank was annexed by Jordan. The Gaza strip came under Egyptian military control, and formally Palestine ceased to exist except in the minds and hearts of the hundreds of thousands of Palestinian people who became refugees. In 1967, Israel occupied the West Bank and the Gaza strip. Over the decades there have been uprisings, wars, intifadas. Tens of thousands have lost their lives. Accords and treaties have been signed. Cease-fires declared and violated. But the bloodshed doesn't end. Palestine still remains illegally occupied. Its people live in inhuman conditions, in virtual Bantustans, where they are subjected to collective punishments, twenty-four hour curfews, where they are humiliated and brutalized on a daily basis. They never know when their homes will be demolished, when their children will be shot, when their precious trees will be cut, when their roads will be closed, when they will be allowed to walk down to the market to buy food and medicine. And when they will not. They live with no semblance of dignity. With not much hope in sight. They have no control over their lands, their security, their movement, their communication, their water supply. So when accords are signed, and words like "autonomy" and even "statehood" bandied about, it's always worth asking: What sort of autonomy? What sort of State? What sort of rights will its citizens have?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Young Palestinians who cannot control their anger turn themselves into human bombs and haunt Israel's streets and public places, blowing themselves up, killing ordinary people, injecting terror into daily life, and eventually hardening both societies' suspicion and mutual hatred of each other. Each bombing invites merciless reprisal and even more hardship on Palestinian people. But then suicide bombing is an act of individual despair, not a revolutionary tactic. Although Palestinian attacks strike terror into Israeli citizens, they provide the perfect cover for the Israeli government's daily incursions into Palestinian territory, the perfect excuse for old-fashioned, nineteenth-century colonialism, dressed up as a new fashioned, twenty-first century "war". Israel's staunchest political and military ally is and always has been the U.S. The U.S. government has blocked, along with Israel, almost every U.N. resolution that sought a peaceful, equitable solution to the conflict. It has supported almost every war that Israel has fought. When Israel attacks Palestine, it is American missiles that smash through Palestinian homes. And every year Israel receives several billion dollars from the United States - taxpayers money.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;What lessons should we draw from this tragic conflict? Is it really impossible for Jewish people who suffered so cruelly themselves - more cruelly perhaps than any other people in history - to understand the vulnerability and the yearning of those whom they have displaced? Does extreme suffering always kindle cruelty? What hope does this leave the human race with? What will happen to the Palestinian people in the event of a victory? When a nation without a state eventually proclaims a state, what kind of state will it be?  What horrors will be perpetrated under its flag? Is it a separate state that we should be fighting for or, the rights to a life of liberty and dignity for everyone regardless of their ethnicity or religion? Palestine was once a secular bulwark in the Middle East. But now the weak, undemocratic, by all accounts corrupt but avowedly nonsectarian P.L.O., is losing ground to Hamas, which espouses an overtly sectarian ideology and fights in the name of Islam. To quote from their manifesto: "we will be its soldiers and the firewood of its fire, which will burn the enemies."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The world is called upon to condemn suicide bombers. But can we ignore the long road they have journeyed on before they have arrived at this destination? September 11, 1922 to September 11, 2002 - eighty years is a long time to have been waging war. Is there some advice the world can give the people of Palestine? Should they just take Golda Meir's suggestion and make a real effort not to exist? In another part of the Middle East, September 11th strikes a more recent cord. It was on the 11th of September 1990 that George W. Bush, Sr., then President of the U.S., made a speech to a joint session of Congress announcing his government's decision to go to war against Iraq. The U.S. government says that Saddam Hussein is a war criminal, a cruel military despot who has committed genocide against his own people. That's a fairly accurate description of the man. In 1988, Saddam Hussein razed hundreds of villages in northern Iraq, used chemical weapons and machine guns to kill thousands of Kurdish people. Today we know that that same year the U.S. government provided him with $500 million in subsidies to buy American farm products. The next year, after he had successfully completed his genocidal campaign, the U.S. government doubled its subsidy to $1 billion. It also provided him with high quality germ seed for anthrax, and helicopters and dual-use material that could be used to manufacture chemical and biological weapons. So it turns out that while Saddam Hussein was carrying out his worst atrocities, the U.S. and the U.K. governments were his close allies.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So what changed? In 1990, Saddam Hussein invaded Kuwait. His sin was not so much that he had committed an act of war, but that he had acted independently, without orders from his master. This display of independence was enough to upset the power equation in the Gulf. So it was decided that Saddam Hussein be exterminated, like a pet that has outlived its owner's affection. The first Allied attack on Iraq took place on January '91. The world watched the prime-time war as it was played out on T.V. (In India in those days you had to go to a five-star hotel lobby to watch CNN.) Tens of thousands of people were killed in a month of devastating bombing. What many do not know is that the war never ended then. The initial fury simmered down into the longest sustained air attack on a country since the Vietman War. Over the last decade American and British forces have fired thousands of missiles and bombs on Iraq. In the decade of economic sanctions that followed the war, Iraqi civilians have been denied food, medicine, hospital equipment, ambulances, clean water - the basic essentials. About half a million Iraqi children have died as a result of the sanctions. Of them, Madeleine Albright, then U.S. ambassador to the United Nations, famously said, "It's a very hard choice, but we think the price is worth it." "Moral equivalence" was the term that was used to denounce those of us who criticized the war on Afghanistan. Madeleine Albright cannot be accused of moral equivalence. What she said was just straightforward algebra.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A decade of bombing has not managed to dislodge Saddam Hussein, "the Beast of Baghdad". Now, almost 12 years on, President George Bush, Jr. has ratcheted up the rhetoric once again. He's proposing an all-out war whose goal is nothing short of a regime change. The New York Times says that the Bush administration is following, quote, "a meticulously planned strategy to persuade the public, the Congress, and the Allies of the need to confront the threat of Saddam Hussein." Andrew. H. Card, Jr., the White House Chief of Staff, described how the administration was stepping up its war plans for the fall, and I quote, "From a marketing point of view", he said, "you don't introduce new products in August." This time the catch-phrase for Washington's "new product" is not the plight of Kuwaiti people but the assertion that Iraq has weapons of mass destruction. "Forget the feckless moralizing of peace lobbies", wrote Richard Perle, a former advisor to President Bush, "We need to get him before he gets us." Weapons inspectors have conflicting reports of the status of Iraq's weapons of mass destruction, and many have said clearly that its arsenal has been dismantled and that it does not have the capacity to build one.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;However, there is no confusion over the extent and range of America's arsenal of nuclear and chemical weapons. Would the U.S. government welcome weapons inspectors? Would the U.K.? Or Israel? What if Iraq does have a nuclear weapon, does that justify a pre-emptive U.S. strike? The U.S. has the largest arsenal of nuclear weapons in the world and it's the only country in the world to have actually used them on civilian populations. If the U.S. is justified in launching a pre-emptive strike on Iraq, why, then any nuclear power is justified in carrying out a pre- emptive strike on any other. India could attack Pakistan, or the other way around. If the U.S. government develops a distaste for, say, the Indian Prime Minister, can it just "take him out" with a pre-emptive strike? Recently the US played an important part in forcing India and Pakistan back from the brink of war. Is it so hard for it to take its own advice? Who is guilty of feckless moralizing? Of preaching peace while it wages war? The U.S., which George Bush has called "the most peaceful nation on earth", has been at war with one country or another every year for the last fifty. Wars are never fought for altruistic reasons. They're usually fought for hegemony, for business. And then of course there's the business of war. Protecting its control of the world's oil is fundamental to U.S. foreign policy. The U.S. government's recent military interventions in the Balkans and Central Asia have to do with oil. Hamid Karzai, the puppet President of Afghanistan installed by the U.S., is said to be a former employee of Unocal, the American-based oil company. The U.S. government's paranoid patrolling of the Middle East is because it has two-thirds of the world's oil reserves. Oil keeps America's engines purring sweetly. Oil keeps the Free Market rolling. Whoever controls the world's oil, controls the world's market. And how do you control the oil?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nobody puts it more elegantly than The New York Times columnist, Thomas Friedman. In an article called, "Craziness Pays", he said, "The U.S. has to make it clear to Iraq and U.S. allies that ... American will use force without negotiation, hesitation or U.N. approval." His advice was well taken. In the wars against Iraq and Afghanistan as well as in the almost daily humiliation the U.S. government heaps on the U.N. In his book on globalization, The Lexus and the Olive Tree, Friedman says, and I quote, "The hidden hand of the market will never work without the hidden fist. McDonalds cannot flourish without McDonnell Douglas...and the hidden fist that keeps the world safe for Silicon Valley's technologies to flourish is called the U.S. Army, Air Force, Navy, and Marine Corps." Perhaps this was written in a moment of vulnerability, but it's certainly the most succinct, accurate description of the project of corporate globalization that I have read.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;After the 11th of September 2001 and the War Against Terror, the hidden hand and fist have had their cover blown - and we have a clear view now of America's other weapon - the Free Market - bearing down on the Developing World, with a clenched, unsmiling smile. The Task That Never Ends is America's perfect war, the perfect vehicle for the endless expansion of American imperialism. In Urdu, the word for Profit, as in "p-r-o-f-i-t", is fayda. Al Qaida means The Word, The Word of God, The Law. So, in India, some of us call the War Against Terror, Al Qaida versus Al Fayda - The Word versus The Profit (no pun intended.) For the moment it looks as though Al Fayda will carry the day. But then you never know ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In the last ten years of unbridled Corporate Globalization, the world's total income has increased by an average of 2.5 percent a year. And yet the numbers of poor in the world has increased by 100 million. Of the top hundred biggest economies, 51 are corporations, not countries. The top 1 percent of the world has the same combined income as the bottom 57 percent and that disparity is growing. And now, under the spreading canopy of the War Against Terror, this process is being hustled along. The men in suits are in an unseemly hurry. While bombs rain down on us, and cruise missiles skid across the skies, while nuclear weapons are stockpiled to make the world a safer place, contracts are being signed, patents are being registered, oil pipe lines are being laid, natural resources are being plundered, water is being privatized, and democracies are being undermined. In a country like India, the "structural adjustment" end of the Corporate Globalization project is ripping through people's lives.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Development" projects, massive privatization, and labor "reforms" are pushing people off their lands and out of their jobs, resulting in a kind of barbaric dispossession that has few parallels in history. Across the world, as the "Free Market" brazenly protects Western markets and forces developing countries to lift their trade barriers, the poor are getting poorer and the rich richer. Civil unrest has begun to erupt in the global village. In countries like Argentina, Brazil, Mexico, Bolivia and India, the resistance movements against Corporate Globalization are growing. To contain them, governments are tightening their control. Protesters are being labeled "terrorists" and then being dealt with as such. But civil unrest does not only mean marches and demonstrations and protests against globalization. Unfortunately, it also means a desperate downward spiral into crime and chaos and all kinds of despair and disillusionment which as we know from history (and from what we see unspooling before our eyes), gradually becomes a fertile breeding ground for terrible things - cultural nationalism, religious bigotry, fascism and of course, terrorism. All these march arm-in-arm with corporate globalization. There is a notion gaining credence that the Free Market breaks down national barriers, and that Corporate Globalization's ultimate destination is a hippie paradise where the heart is the only passport and we all live happily together inside a John Lennon song. ("Imagine there's no country...") But this is a canard.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;What the Free Market undermines is not national sovereignty, but democracy. As the disparity between the rich and poor grows, the hidden fist has its work cut out for it. Multinational corporations on the prowl for "sweetheart deals" that yield enormous profits cannot push through those deals and administer those projects in developing countries without the active connivance of State machinery - the police, the courts, sometimes even the army. Today Corporate Globalization needs an international confederation of loyal, corrupt, preferably authoritarian governments in poorer countries to push through unpopular reforms and quell the mutinies. It needs a press that pretends to be free. It needs courts that pretend to dispense justice. It needs nuclear bombs, standing armies, sterner immigration laws, and watchful coastal patrols to make sure that it's only money, goods, patents, and services that are being globalized - not the free movement of people, not a respect for human rights, not international treaties on racial discrimination or chemical and nuclear weapons, or greenhouse gas emissions, climate change, or god forbid, justice. It's as though even a gesture towards international accountability would wreck the whole enterprise.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Close to one year after the War against Terror was officially flagged off in the ruins of Afghanistan, in country after country freedoms are being curtailed in the name of protecting freedom, civil liberties are being suspended in the name of protecting democracy. All kinds of dissent are being defined as "terrorism". All kinds of laws are being passed to deal with it. Osama bin Laden seems to have vanished into thin air. Mullah Omar is supposed to have made his escape on a motorbike. (They could have sent TinTin after him.) The Taliban may have disappeared but their spirit, and their system of summary justice is surfacing in the unlikeliest of places. In India, in Pakistan, in Nigeria, in America, in all the Central Asian republics run by all manner of despots, and of course in Afghanistan under the U.S.-backed, Northern Alliance.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meanwhile down at the mall there's a mid-season sale. Everything's discounted - oceans, rivers, oil, gene pools, fig wasps, flowers, childhoods, aluminum factories, phone companies, wisdom, wilderness, civil rights, eco-systems, air - all 4,600 million years of evolution. It's packed, sealed, tagged, valued and available off the rack. (No returns). As for justice - I'm told it's on offer too. You can get the best that money can buy. Donald Rumsfeld said that his mission in the War Against Terror was to persuade the world that Americans must be allowed to continue their way of life. When the maddened king stamps his foot, slaves tremble in their quarters. So, standing here today, it's hard for me to say this, but "The American Way of Life" is simply not sustainable. Because it doesn't acknowledge that there is a world beyond America.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;But fortunately, power has a shelf life. When the time comes, maybe this mighty empire will, like others before it, overreach itself and implode from within. It looks as though structural cracks have already appeared. As the War Against Terror casts its net wider and wider, America's corporate heart is hemorrhaging. For all the endless, empty chatter about democracy, today the world is run by three of the most secretive institutions in the world: The International Monetary Fund, the World Bank, and the World Trade Organization, all three of which, in turn, are dominated by the U.S. Their decisions are made in secret. The people who head them are appointed behind closed doors. Nobody really knows anything about them, their politics, their beliefs, their intentions. Nobody elected them. Nobody said they could make decisions on our behalf. A world run by a handful of greedy bankers and C.E.O.'s whom nobody elected can't possibly last.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soviet-style communism failed, not because it was intrinsically evil but because it was flawed. It allowed too few people to usurp too much power. Twenty-first century market-capitalism, American style, will fail for the same reasons. Both are edifices constructed by the human intelligence, undone by human nature. The time has come, the Walrus said. Perhaps things will become worse and then better. Perhaps there's a small god up in heaven readying herself for us. Another world is not only possible, she's on her way. Maybe many of us won't be here to greet her, but on a quiet day, if I listen very carefully, I can hear her breathing.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thank you.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I just want to say that, you know, I was so terrified of coming to America, because, when you read the papers and when you watch whatever you get to see on TV, which is Fox News, you know, in India [laughter], you know... this corporate media just makes out as if everybody in America is, you know, a clone of George Bush. [laughter] I'm just so glad that I came because it just reaffirms my faith in humanity to see you here and to not have tomatoes thrown at me.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thank you.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ By Arundhati Roy.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;URLs: http://ccrma.stanford.edu/~peer/arundhatiRoy.html&lt;br /&gt;and http://www.lannan.org/&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-4857148116179464918?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/4857148116179464918/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=4857148116179464918' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/4857148116179464918'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/4857148116179464918'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/linhabitable.html' title='L&apos;inhabitable'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvOGbs_M1I/AAAAAAAAAto/3Yd83cIb0rQ/s72-c/obaba.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-5916691021422498384</id><published>2007-07-15T22:09:00.000+03:00</published><updated>2008-09-27T20:51:08.532+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Le Corps'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><title type='text'>L'espace</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvOjbs_M2I/AAAAAAAAAtw/O7_cwadwEQs/s1600-h/Solaris_2002.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5119412509563892578" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: pointer; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvOjbs_M2I/AAAAAAAAAtw/O7_cwadwEQs/s400/Solaris_2002.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;we stand on a precipice, then before a chasm, and as we wait it becomes higher, wider, deeper, but am i crazy enough to think it doesn't matter which way we leap when we will have learned to fly? winning could be called the mark of abel ... is that blasphemy or faith?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;in my room / i'm alone in my room / and i'll be in for a while / and can't you see i'm holier when i'm ... i'm feeling good enough to try? / all the drugs that you bring / if they're antiquated beyond belief, might good enough to get me high / am i / am i / my only only only friend that i am, i? / am i / am i / my only only only friend that / i am, i? / in my gloom i'm only in my doom, and i'll be in for a while / i used to think, while i sit and wait for the phone to ring that i'd be happier if i just am / only, only, only, only, only, only, omly, only, only, only, only friend that / i am, i ... ?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Musicalment, l'Afrique du Nord, tout en possédent son propre fond, avait beaucoup emprunté au patrimoine gréco-romain (notamment le mode lydique, dont on retrouve des traces dans la chanson kabyle) qui rayonnait alors sur tous les pays riverains de la Méditerranée. Les musiciens utilisaient principalement des percussions et des flûtes, et sans doute aussi, dans quelques cercles raffinés, la harpe pharaonique. Ce qui est sûr, c'est que le répertoire maghrébin, tel qu'on le connaît actuellement, s'est constitué et affiné en trois temps et plusieurs mouvements forts : au Moyen-Age sous les auspices des foyer culturels andalous, sous la colonisation francaise (un peu avant, l'occupation turque avait légué quelques données) et après les indépendances des trois pays du Maghreb central : Tunesie, Maroc (1956) et Algerique (1962). Ainsi, qu'elles soient marquées du sceau du renouvellement des tradition ou encore fidèles à leurs référents culturels, les musiques maghrébines, avec leur diversité et leurs propres caractéristiques, renvoient toutes à un sentiment d'appartenance collective, ce qu'on peut appeler une communauté de destins musicaux. La collection Maghreb soul se veut avant tout une invitation à des voyages sonores au coeur même de l'Afrique du Nord. Si elle peut se percevoir comme la mémoire vivante d'un patrimoine, fait de rai, de chaâbi marocain ou algérois, de kabyle, de judéo-arabe ou andalou, pour ne citer que ceux-là, elle entend surtout offrir la plus riche palette qui soit de son fabuleux répertoire entre musique savante ou populaire, classique ou moderne, citadine ou rurale.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ De Rabah Mezouane &amp;amp; Bouziane Daoudi&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-5916691021422498384?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/5916691021422498384/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=5916691021422498384' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/5916691021422498384'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/5916691021422498384'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/lespace.html' title='L&apos;espace'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvOjbs_M2I/AAAAAAAAAtw/O7_cwadwEQs/s72-c/Solaris_2002.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-3146729646675733274</id><published>2007-07-14T22:09:00.000+03:00</published><updated>2008-06-29T00:18:40.925+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Metric'/><title type='text'>Le Monde</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rt6CBRsFWMI/AAAAAAAAAnk/Y11KDZdsnd8/s1600-h/le_monde.gif"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5106661985924503746" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rt6CBRsFWMI/AAAAAAAAAnk/Y11KDZdsnd8/s400/le_monde.gif" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;May in Ayemenem is a hot, brooding month. The days are long and humid. The river shrinks and black crows gorge on bright mangoes in still dustgreen trees. Red bananas ripen. Jackfruits burst. Dissolute bluebottles hum vacuously in the fruity air. Then they stun themselves against clear windowpanes and die, fatly baffled in the sun. The nights are clear but suffused with sloth and sullen expectation. But by early June the south-west monsoon breaks and there are three months of wind and water with short spells of sharp, glittering sunshine that thrilled children snatch to play with. The countryside turns an immodest green. Boundaries blur as tapioca fences take take root and bloom. Brick walls turn mossgreen. Pepper vines snake up electric poles. Wild creepers burst through laterite banks and spill across the flooded roads. Boats ply in the bazaars. And small fish appear in the puddles that fill the PWD potholes on the highways.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;It was raining when Rahel came back to Ayemenem. Slanting silver ropes slamed into loose earth, ploughing it up like gunfire. The old house on the hill wore its steep, gabled roof pulled over its steep, gabled roof pulled over its ears like a low hat. The walls, streaked with moss, had grown soft, and bulged a little with dampness that seeped up from the ground. The wild, overgrown garden was full of the whisper and scurry of small lives. In the underground a rat snake rubbed itself against a glistening stone. Hopeful yellow bullfrogs cruised the scummy pond for mates A drenched mongoose flashed across the leaf-strewn driveaway. The house itself looked empty. The doors and windows were locked. The front verandah bare. Unfurnished. But the skyblue Plymouth with chrome tailfins was still parked outside, and inside, Baby Kochamma was still alive. She was Rahel's baby grand aunt, her grandfather's younger sister. Her name was really Navomi, Navomi Ipe, but everybody called her Baby. She became Baby Kochamma when she was old enough to be an aunt. Rahel hadn't come to see her, though. Neither niece nor baby grand aunt laboured under any illusions on that account. Rahel had come to see her brother, Estha. They were two-egg twins. 'Dizygotic' doctors called them. Born from separate but simultaneously fertilized eggs. Estha - Esthappen - was the older by eighteen minutes. They never did look much like each other, Estha and Rahel, and when they were thin-armed children, flat-chested, worm-ridden and Elvis Presley-puffed, there was none of the usual "who is who?" and "which is which?" from oversmiling relatives or the Syrian Orthodox Bishops who frequently visited the Ayemenem house for donations.  The donation lay in a deeper, more secret place.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In those early amorphous years when life was full of Beginnings and no Ends, and Everything was For Ever, Esthappen and Rahel thought of themselves together as Me, and separately, individually, as We or Us. As though they were a rare breed of Siamese twins, physically separate, but with joint identies. Now, this years later, Rahel has a memory of waking up one night giggling at Estha's funny dream. She has other memories too that she has no right to have. She remembers, for instance (though she hadn't been there), what the Orangedrink Lemondrink Man did to Estha in Abhilash Talkies. She remembers the taste of the tomato sandwiches - Eshta's sandwiches, that Eshta ate - on the Madras Mail to Madras.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;And these are only the small things.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anyway, now she thinks of Estha and Rahel as &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Them&lt;/span&gt;, because separately, the two of them are no longer what &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;They&lt;/span&gt; were or ever thought &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;They'd&lt;/span&gt; be. Ever. Their lives have a size and a shape now. Estha has his and Rahel hers. Edges, Borders, Bounderies, Brinks and Limits have appeared like a team of trolls on their separate horizons. Short creatures with long shadows, patroling the Blurry End. Gentle half-moons have gathered under their eyes and they are as old as Ammu was when she died. Thirty-one. Not old. Not young. But a viable die-able age.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Estha had always been a quiet child, so no one could pinpoint with any degree of accuracy exactly when (the year, if not the month or the day) he had stopped talking. Stopped talking altogether, that is. The fact is that there wasn't an 'exactly when'. It had been a gradual winding down and closing shop. A barely noticeable quietening. As though he had nothing left to say. Yet Estha's silence was never awkward. Never intrusive. Never noisy. It wasn't an accusing, protesting silence as much as a sort of aestivation, a dormancy, the psychological equivalent of what lungfish do to get themselves through the dry season, except that in Estha's case the dry season looked as though it would last for ever.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Over time he had acquired the ability to blend into the background of wherever he was - into bookshelves, gardens, curtains, doorways, streets - to appear inanimate, almost invisible to the untrained eye. It usually took strangers a while to notice him even when they were in the same room with him. It took even longer to notice that he never spoke. Some never noticed at all. Estha occupied very little space in the world.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ By Arundhati Roy.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-3146729646675733274?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/3146729646675733274/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=3146729646675733274' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/3146729646675733274'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/3146729646675733274'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/le-monde.html' title='Le Monde'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rt6CBRsFWMI/AAAAAAAAAnk/Y11KDZdsnd8/s72-c/le_monde.gif' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-2451045717317493840</id><published>2007-07-13T22:09:00.000+03:00</published><updated>2008-06-29T00:17:59.984+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><title type='text'>La Pays</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsYMgZDuCI/AAAAAAAAAvo/NdpiaD7PWqg/s1600-h/Ten_canoes.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsYMgZDuCI/AAAAAAAAAvo/NdpiaD7PWqg/s400/Ten_canoes.jpg" border="0" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5204780397489272866" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;em&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Stumme Gewalt&lt;/span&gt;&lt;/em&gt; / Ich denke immer noch an den Taxifahrer. Es war bereits Mittag, als die Maschine aus London in Frankfurt landete. Ich stieg in das erstbeste Taxi auf dem Standstreifen im unteren Stockwerk des Flughafens und nannte dem Fahrer erklärungslos die Adresse in Bad Homburg. Er verzog keine Miene. Dabei musste er wissen, wessen Haus das war. Den ganzen Tag über war die Nachricht im Radio gemeldet worden. Den ganzen Tag über hatte er aufgeregt diskutierende Gäste durch die veränderte Stadt chauffiert. Wortlos nahm er mir meine alte, zerknautschte Ledertasche ab und verstaute sie im Kofferraum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damals schien mir das nicht erstaunlich. Ich kann mich nicht erinnern, ob er auf der Fahrt mein Gesicht im Rückspiegel beobachtet, nach Spuren der Verzagtheit gesucht hat. Ich erinnere mich nur, dass ich regungslos dasaß und aus dem Fenster starrte. Unfähig, mich auf die vorbeihuschenden Landschaften, innen oder außen, zu konzentrieren. Erst in Richtung Kassel. Dann runter von der Autobahn und die vertraute Pappelallee entlang, von dort nach rechts auf den Kreisel zu. Wie naiv muss ich gewesen sein, zu glauben, wir könnten die Strecke an diesem Tag fahren. Als sei nichts geschehen. Wie wohlwollend muss der Taxifahrer gewesen sein, dass er mir trotzdem diesen Gefallen tun wollte. Wir bogen zum Seedammweg ein – und alles stockte hinter den Absperrungen. Wir saßen fest.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von hier an ist die Erinnerung bruchstückhaft. Eine Metapher – und doch wahr. Es sind nur Fetzen geblieben. Ich stieg aus. Habe ich dem Fahrer irgendeine Erklärung gegeben? Habe ich ihm gesagt: Ich will nur einmal sehen, was da los ist? Ich kann mich nicht erinnern. Überall waren Kontrollen, Polizisten, Schaulustige, BKA-Beamte. Geschäftigkeit und Hilflosigkeit prägten das Getümmel vor und in der Kreuzung. Ein langer Stau hatte sich gebildet, aber niemand hupte, niemand beschwerte sich. Ich bin ungehindert in den Seedammweg spaziert. Hat mich jemand nach meinem Ausweis gefragt? Hat jemand wissen wollen, was ich an diesem Ort zu suchen hatte? Vermutlich. Aber auch dafür habe ich keine Belege mehr in meinem inneren Bildarchiv.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf einmal hatte ich freien Blick auf die ganze Szene, die Straße hinunter und wieder hinauf, den Hügel hoch, an dem die Schule liegt. Warum habe ich mir das angetan? Warum musste ich es sehen? Was ich erwartet hatte, kann ich nicht sagen. Ich stand am Anfang der Straße und schaute auf den Wagen. Den Wagen. Den gesprengten, verkohlten Mercedes, in dem wenige Stunden zuvor mein Patenonkel auf dem Rücksitz gestorben war. An einer Schlagader getroffen, der Arteria femoralis, und verblutet, durch eine als Hohlladungsmine konstruierte Bombe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wagen stand quer auf der Straße. Unnatürlich wie ein verrenktes Gelenk, das vom Leib absteht. Ich erinnere mich noch, wie mir kurz einfiel: „Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen.“ Dann huschten auch diese Worte davon, und alles wich aus mir. Als ob unwillkürlich Platz geschaffen werden musste, damit die Wirklichkeit dieses Ereignisses einziehen konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie lange braucht es, um zu begreifen, dass ein Freund ermordet worden ist? Wie lange braucht es, um zu verstehen, dass es keinen Abschied gab? Dass du versäumt hast, zu sagen, was er hätte wissen sollen? Dass sie, die Mörder, dir, der Angehörigen des Opfers, Schuld aufgeladen haben?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich wieder zu mir kam, saß ich in einem Feuerwehrfahrzeug. Ich hielt, glaube ich, eine Tasse in der Hand. Oder einen Becher. Jemand sprach auf mich ein. Beruhigend. Ich glaube nicht, dass ich die Worte verstand. Wie ich von der Straße in den Wagen gekommen bin, weiß ich nicht. Was vorher geschah, kann ich nicht sagen. War ich gestürzt? Gefallen? Hatte mich jemand aufgehoben? Getragen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gab einen Riss. Exakt in dem Augenblick, an jenem 30. November 1989, dort auf dem Seedammweg, zwischen dem hässlichen Parkhaus und der absurden Taunus-Therme, in dem das Bewusstsein begriff, dass wahr war, was wahr war: Unbekannte Attentäter hatten Alfred Herrhausen ermordet. Dieser Moment des Verstehens ist verschollen. Wie sollte das auch jemand verstehen und intakt bleiben. So blendete das Bewusstsein sich aus. Koppelte die Erfahrung vor dem Begreifen des Unbegreiflichen ab von der Erfahrung danach. In der Mitte nur eine Bruchstelle der Bewusstlosigkeit. Seitdem gibt es nur noch ein Vorher und ein Nachher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachher versuchte ich, irgendetwas zu sagen. Über den Becher in meiner Hand hinweg zu den freundlichen Pflegern oder Feuerwehrmännern. Irgendetwas. Viel konnte es nicht sein. Ich wolle in den Ellerhöhweg. Dort warte man auf mich. Ob mich jemand dorthin bringen könne. Vorbei an den Sperren und Behinderungen. Ich glaube, ich habe ihnen meinen Pass gegeben, damit sie per Funk in irgendeinem Computer nachforschen konnten, wer ich war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An meinen Taxifahrer habe ich gar nicht mehr gedacht. Er muss die ganze Zeit dort vor der Kreuzung gestanden haben, auf dem Bürgersteig. Wie lange mochte das her sein? Wie lange hatte ich auf diesen Wagen gestarrt? Wie lange war ich abgetaucht? Aber als mich der Polizist schließlich mit einem Einsatzfahrzeug den Berg hochfuhr, war die alte Ledertasche im Kofferraum. Er musste sie den Beamten gegeben haben. Wortlos vermutlich. Als ob selbstverständlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe ihn nie bezahlt. Dabei war es eine lange Strecke gewesen. Vom Flughafen Frankfurt bis zum Tatort in Bad Homburg. Was mag er gedacht haben, als ich so einfach ausstieg? Und verschwand. Wie lange mag er gewartet haben? Immer wenn ich an diesen Tag denke, fällt er mir wieder ein und dass ich ihn ausfindig machen muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einmal habe ich es versucht. Jahre später. Ich habe die Taxizentrale angerufen, um festzustellen, dass es das gar nicht mehr gibt: Taxizentralen. Es ist alles dezentral und vereinzelt, und jemanden suchen kann man immer nur innerhalb einer Firma, aber nicht darüber hinaus. In dieser Taxigemeinschaft jedenfalls war kein Fahrer zu finden, der an jenem Tag um die Fahrkosten geprellt worden war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtzehn Jahre ist das nun her. Erzählt habe ich es nie. Auch nicht geschrieben. Dabei bin ich Journalistin geworden. Immer wieder gab es Gelegenheiten und Anfragen, diese Geschichte zu erzählen. Manchmal freundlich neugierige. Meistens manipulative. Ein idealer Fall eigentlich. Eine Betroffene selbst. Mit Zugang zu allen Beteiligten. Nur sonderbarerweise war da kein Zugang. Nicht zu der Geschichte als Erfahrung in meinem eigenen Leben. Nicht so, dass ich sie anderen hätte mitteilen wollen. Das habe ich mit den Terroristen gemein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe zu rauchen begonnen an jenem Tag. Von einem Moment auf den anderen. Camel. Ohne Filter. Eine Schachtel am Tag. Die ersten Wochen auch mehrere. Wir haben viel getrunken in jenen Tagen. Aspirin geschluckt. Ich habe Taschentücher vollgeblutet. Eines nach dem anderen. Ich neige nicht zu Nasenbluten. Aber damals lief es einfach heraus. Nicht Tränen, sondern Blut. Mit Alkohol und Zigaretten setzen wir der Körperlichkeit zu, als könnten wir uns so verwunden. Gegessen haben wir gut. Sehr gut. Und gelacht haben wir auch. Herzlich. Hemmungslos. Verzweifelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Abend des ersten Tages saßen die Personenschützer in der Küche. Wenn mich nicht alles täuscht, dieselben vom Morgen. Sie waren nicht abgezogen worden. Sie schoben Dienst. Als ob es noch jemanden zu bewachen gäbe. Da saßen sie nun an dem kleinen Holztisch. Sprachlos. Beschämt. Hilflos in ihrer ganzen muskelbepackten Größe. Professionelle psychische Betreuung bekamen sie an diesem Tag nicht. Vielleicht hatte einfach niemand an sie gedacht. An die Selbstvorwürfe, die sie nun aushöhlen würden. An die Schockwellen der Bilder des Anschlags, denen sie ausgeliefert waren. Warum hatten sie überlebt? Und nicht der, den sie hatten beschützen sollen? So kümmerte sich Traudl Herrhausen um sie. Hörte ihnen zu. Schenkte Schnaps und Kaffee aus. Tröstete die, die anstelle ihres Mannes am Leben waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am späten Nachmittag hatte die RAF angerufen. Das ist nicht richtig. Da war keine Gruppe, die anrief. Da war noch nicht einmal ein Mensch. Es war eine gesichtslose, akzentfreie männliche Stimme, die mit niemandem sprechen wollte, sondern nur verkünden. Wir waren zu mehreren in der Küche. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wer zuerst am Apparat war und mich dann zu sich rief, damit ich mithören konnte. Wir hielten den Hörer leicht schräg. Es dauerte eine Minute, schätze ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Kommando Wolfgang Beer“, „Herrhausen, der mächtigste Mann Europas“, es waren die üblichen ideologischen Schablonen. In der Passage, die ich mithörte, wurde die gerade durch die Deutsche Bank vermittelte Fusion von Daimler-Benz und MBB von der Stimme nicht erwähnt. Ich weiß noch, wie mich das irritierte. Innerhalb ihrer eigenen Logik musste die Vereinigung des Autokonzerns mit dem Rüstungsunternehmen das Symbol schlechthin sein für das, was die RAF den „militärisch-industriellen Komplex“ nannte. Ich dachte deswegen daran, weil Alfred Herrhausen und ich darüber furchtbar gestritten hatten, als die Fusion zustandegekommen war. Warum bezogen sie sich nicht darauf? Stattdessen sprachen sie nun ausdrücklich von Alfred Herrhausen als demjenigen, der Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise der Dritten Welt gemacht hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann nicht sagen, dass es mich beruhigt hätte, wenn mein Freund von politisch rationalen Mördern hingerichtet worden wäre, aber diese paradoxe „Begründung“ verstörte mich. Sollten die linksradikalen Täter ausgerechnet einen Banker ermorden, der bereit gewesen war, auf Kapital und Profit zu verzichten, um die Entwicklungsländer aus dem Zirkel der Abhängigkeit zu entlassen? Oder war Alfred Herrhausen lediglich zum Feind geworden, weil er das vertraute Feindbild unterwanderte? War der Vorschlag für eine Lösung der Schuldenkrise der Dritten Welt eine Bedrohung? Nicht der Dritten Welt, sondern der eigenen Ideologie? Hatte das die Deutsche Bank mit den Terroristen gemein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine sonderbare Vorstellung ist das: nicht nur jemanden zu ermorden, sondern auch noch am selben Tag bei der Familie des Opfers anzurufen. Es fehlte nur, dass sie uns „einen schönen Tag“ gewünscht hätten. Vermutlich glaubten die Täter in ihrer phantasmagorischen Welt, die Nachricht würde niemals von uns, den Betroffenen, angenommen werden. Vermutlich glaubten sie, ihr Bekenneranruf lande umgehend in den Kopfhörern der abhörenden BKA-Beamten. Vermutlich glaubten sie, Polizisten bedienten die Telefonanlage im Ellerhöhweg. Ehrlich gesagt, auch ohne die verschwörungstheoretischen Hirngespinste der Täter hatte ich dieselben Vorstellungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als die Botschaft abbrach, schauten wir uns alle an. Wir mussten die Polizei benachrichtigen. Ich fragte, wo denn die Beamten am Morgen den Zettel mit ihren Telefonnummern hinterlegt hätten. Ihre Visitenkarten. Irgendwas. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass daran niemand gedacht haben sollte. Aber da gab es nichts. Also rief ich die Polizei an. 110. Und ich sagte: „Guten Tag, mein Name ist Carolin Emcke. Ich rufe an aus dem Hause Herrhausen. Hier hat gerade die RAF angerufen… Können Sie mich mit irgendjemandem verbinden?“ Witzig. Wirklich witzig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurde noch besser. Als ich dann endlich mit jemandem verbunden wurde, erzählte ich, was geschehen war, fragte, ob es eine Fangschaltung gebe, mit der man den Anrufer ermitteln könne. Nichts. Dabei waren zwischen dem Anschlag am Morgen und dem Anruf am Nachmittag bestimmt acht Stunden vergangen. Tags darauf kam dann ein Beamter mit etwas, was für den Laien nach einem klassischen alten Kassettenrekorder aussah und was für den Profi ein klassischer alter Kassettenrekorder war. Er stellte es auf die Arbeitsplatte in der Küche, unterhalb des Wandtelefons, schloss es an und sagte: „Wenn jemand anruft, drücken Sie diese beiden Tasten hier zur Aufnahme: ‚play und ‚rec.“ Er sprach „rec“ mit hartem, störrischem r aus: „rrrrrrrrrrrrrrreck“. „Drücken Sie ‚play und ‚rrrrrrrrrrrrreck.“&lt;br /&gt;Großartig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir waren eine Gemeinschaft. Wie schliefen auf Matratzen auf dem Fußboden, verteilt auf verschiedene Betten, unterschiedlichste Generationen und Typen. An einer großen Tafel aßen, diskutierten und organisierten, tranken, weinten und lachten wir zusammen. Ein offenes Haus. Frei und verwundbar noch jetzt, da die Gewalt uns hätte verschließen können. Keiner scherte sich um das, was uns im Leben, im früheren, im anderen, irgendwo da draußen, unterschied. Niemand hat mir einen Vorwurf gemacht. Niemand machte mich, die linke, junge Intellektuelle, verantwortlich. Niemand überschritt diese Grenze, zu der der Zorn auch leicht hätte treiben können. Ungerechtigkeit keimt allzu oft als giftige Blüte des Kummers. Doch niemand ließ das zu in diesen Tagen und Wochen. Wir sahen mehr nach einer Studentenkommune aus als nach dem Umfeld des Sprechers des Vorstands der Deutschen Bank, wie wir da zusammenhielten im Schmerz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist das Gewalttätigste an der Gewalt des Terrors: die Sprachlosigkeit, in der die Angehörigen der Opfer zurückgelassen werden. Ich weiß nicht, ob sich die Täter jemals überlegt haben, was es heißt, „abzutauchen“. Nicht vor der Staatsgewalt, nicht vor der Strafe, nicht vor dem Gefängnis. Sondern vor dem Gespräch, vor der Pflicht, Rede und Antwort zu stehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaum jemand, der nicht Opfer dieser stummen Gewalt geworden ist, kann verstehen, was das heißt: allein zu sein mit dieser Stille, in der Fragen verhallen ohne Echo. Allein zu sein mit diesem Zorn, der keinen Adressaten kennt. Nicht Einspruch erheben zu können, selbst wenn es zu spät ist. Einklagen zu können, eine Rechtfertigung zumindest, die in der Logik des Gegenübers sinnhaftig wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn anders als manch unbeteiligte Kommentatoren, anders als manch betroffene Angehörige der Opfer terroristischer Gewalt halte ich die Attentäter nicht einfach für Kriminelle. Nicht weil der Akt als solcher nicht, juristisch betrachtet, kriminell wäre, nicht weil die Vorbereitung der Morde nicht eine kriminelle Energie verlangte, sondern weil es aus der Perspektive der Täter ein absichtsvoller, gerichteter Mord ist, der sich nicht gegen eine private Person, sondern gegen einen Repräsentanten wendet. Gewiss: Das ist politisch eine Schimäre, psychisch eine Projektion, das ist ästhetisch eine Simplifizierung, und moralisch … moralisch ist es schlicht und ergreifend falsch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber aus der Perspektive der Opfer kann die Perspektive der Täter eine Rolle spielen. Für mich hat sie von Anfang an eine Rolle gespielt. Da waren Unbekannte, die haben nachgedacht. Sie haben geglaubt, sie hätten das Recht dazu, dieses Leben auszulöschen. Sie glaubten an Gründe für ihr Verbrechen. Warum sonst hätten sie diesen Anruf im Haus der Angehörigen gemacht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis heute ist es das, was ich verlange: ein Gespräch, in dem mir die Gründe auseinandergesetzt werden und in dem sich die Täter Einwänden und Kritik stellen. Bis heute ist es das, was ich unverzeihlich finde: das Schweigen. Wer behauptet, aus politischen Motiven heraus zu töten, wer sein eigenes Handeln in eine komplexere politische Vision bettet, wer das Morden als Widerstand begreift, wer zur Gewalt lediglich ein instrumentelles Verhältnis herstellt, der muss den begangenen Mord auch öffentlich erklären, muss sich einem öffentlichen, kontroversen Diskurs stellen. Worin sonst sollte der politische Charakter des Tötens bestehen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für ein Geständnis einer solchen Tat droht Strafe. Gewiss. Aber auch das, die Bereitschaft, für die eigene Überzeugung, für den Akt des Widerstands die Strafe der Gemeinschaft, in der man lebt, anzunehmen, gehört zum Merkmal des Politischen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum ich davon so überzeugt bin? Ich habe meine Magisterarbeit über das Recht auf Widerstand geschrieben. Das war Jahre nach dem Mord. Ich hatte mein Studium in London abgebrochen und war nach Frankfurt gezogen. Am Philosophischen Institut in Frankfurt wusste kaum jemand davon, dass dies nicht nur eine theoretische Auseinandersetzung war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe nur Autoren diskutiert, die Widerstand und zivilen Ungehorsam legitimieren. Das hatte ich mir geschworen. In der ersten Woche. Da war Alfred Herrhausen noch nicht einmal beerdigt. Dass es den Mördern niemals gelingen sollte, mich zu einer anderen Person zu machen. Dass ich ihnen nicht den Triumph gönnen würde, mich politisch zu verbittern, dass ich intellektuell offen bleiben müsse – aus Hass gegenüber den schweigenden Tätern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es schafft einen ganz eigenen Raum um sich herum, dieses Schweigen, in den werden wir eingeschlossen: Täter und Opfer zugleich. Die Stille verfestigt sich wie eine Eisschicht. Darin eingefroren, vergeht die Zeit ohne uns. Wir bleiben zurück im Moment des Attentats. Wir können uns davon nicht lösen. Können es weder vergessen noch verarbeiten. Das Ereignis, das die Leben beider, des Täters und der Angehörigen des Opfers, bestimmt hat wie kein anderes, bindet uns zusammen: weil wir nicht begreifen können, was keine Geschichte hat, die erzählt werden könnte. Wir können die Geschichte nicht erzählen, weil wir sie nicht kennen. Die anderen wollen sie nicht erzählen, weil wir sie dann erkennen. So bleiben wir ohne Wissen und ohne Gegenüber. Ausgeliefert dem Schweigen der anderen. Und der eigenen Fantasie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie ist die Entscheidung gefällt worden, Alfred Herrhausen zu töten? Wie geht so was? Wird da abgestimmt? Sitzen sie alle in einer Runde und nicken dann zustimmend mit den Köpfen? Heben sie die Hand? Hat jemand widersprochen? Darf das jemand in diesem Kollektiv? Gab es alternative Kandidaten für einen Mord? Was sprach für Alfred Herrhausen? Wirklich nur seine Funktion? Die Geografie von Bad Homburg? Wie lange wurde ausspioniert? Wie immens muss die motivationale Kraft zu töten sein, dass sie sich durch alle logistischen und technischen Details der Vorbereitung hindurch erhalten kann?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Woran denkt jemand, der TNT für eine Bombe präpariert? An die behutsamen Bewegungen, die es braucht, um alles sauber und genau zu machen? An eine flüchtige Begegnung mit einer Bekannten vor einigen Monaten? An einen vertrauten Song, der gleichzeitig im Radio läuft? An die gläserne Fassade der Türme der Deutschen Bank? An das ersehnte Abendessen? Und als dann die Bombe in ein Paket gewickelt wurde und das Paket auf dem Gepäckträger des Fahrrads deponiert wurde, was ging da durch ihre Köpfe? Vorfreude auf das große Ereignis? Sorge vor technischen Pannen? Furcht vor der Ergreifung?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und hat es einen einzigen Moment gegeben, in dem fragende Nachdenklichkeit statthaben durfte? Sind jemandem Zweifel gekommen? An dem Objekt des Hasses? An dem Hass selbst? Hat es einen einzigen Moment gegeben, an dem jemand unsicher wurde? Nur ein Hauch von Zweifel, vorbeihuschend, aber doch deutlich genug, um Angst vor der eigenen Angst zu machen. In einem unbeobachteten Augenblick. Vielleicht beim Kauf des Fahrrads, das an der Laterne am Seedammweg abgestellt wurde. Es hätte ja auch ein Kind auf dem Schulweg treffen können. Oder einen schwimmbegeisterten Rentner, der in der Taunus-Therme morgens immer seine Bahnen dreht. Spielt das eigentlich eine Rolle, wen man da mit einer 20-Kilo-Ladung Sprengstoff umbringt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entscheidet man sich erst, zum Mörder zu werden? Und danach für das Opfer? Das muss wohl so sein. Denn es kann ja kein Opfer geben ohne vorherigen Entschluss zu töten. Wenn aber zuerst feststeht, dass man töten wird, und erst anschließend das Ziel ausgesucht wird – wie kann man dann noch den Mord durch die Auswahl des Opfers rechtfertigen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alfred hatte ein neues Hüftgelenk. Titan, wenn mich nicht alles täuscht. Jahrelang hatte er unter Schmerzen das Bein leicht nachgezogen. Der behandelnde Chirurg war erschrocken gewesen, als er die Röntgenbilder das erste Mal sah. Verständnislos, wie jemand sich hatte so lange quälen können. Als er schließlich operiert wurde, sollte auch die Rekonvaleszenz so unauffällig wie möglich verlaufen. Ich hatte ihn besucht, irgendwo südlich von Hamburg, ich weiß den Namen der Klinik nicht mehr, als er ungeduldig wie ein kleines Kind die Operation vergessen machen wollte. Wir sind essen gegangen. Vertraut wie immer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir kannten uns seit über einem Jahrzehnt. Ich hatte keinen „echten“ Patenonkel. Meine Taufe hatte lediglich einen Tag vor der Konfirmation stattgefunden. Da war keine lange Begleitung durch Paten möglich. Alfred Herrhausen war immer schon der Freund meiner Eltern gewesen, der mir am nächsten war, der mir auch nah sein wollte. Über alle Jahre und Differenzen hinweg. Das nannten wir beide einen Patenonkel. Damals hat mir Alfred beigebracht, wie man Schnaps trinkt. Wir waren beide im Ruhrgebiet geboren. Er in Essen. Ich in Mülheim. Er hielt das Glas hoch, „man sieht ihn nicht“, er schnupperte erfolglos an dem Fusel, „man riecht ihn nicht“, er schlug das Glas mit dem unsichtbaren Brennstoff auf die kahle Tischplatte, lauschte dem knallenden Klopfen, „…aber man hört ihn“. Das war gerade zehn Monate her. Kein langes Leben für ein Hüftgelenk.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haben sie das bemerkt bei ihrem Ausspionieren? Dass ihr Opfer diesen leicht synkopischen Gang noch hatte? Dass der Körper etwas aus der Achse rutschte? Dass er versuchte, es zu überwinden? Beim Ausforschen der Gewohnheiten, der Abläufe, der Uhrzeiten im tagtäglichen Tag muss ihnen das doch aufgefallen sein. Wer den Tod eines anderen plant, muss sich mit seinem Leben befassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wie sie da so auf der Lauer lagen, tagein, tagaus, vermutlich unregelmäßig, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, da müssen sie einen Menschen beobachtet haben, jemanden, dessen Hund sich nicht um die Anzüge scherte und aufgeregt an ihm hochsprang, jemanden, der leidenschaftlich Fahrrad fuhr, dessen Tochter morgens zur Schule ging, einer Schule, die so nah an der späteren Anschlagsstelle lag, dass man die Detonation in den Klassenräumen würde hören können, jemanden mit einer Familie, die sich wirklich liebte, einen leicht humpelnden Menschen. Ist ihnen nicht aufgefallen, dass man nur in der Theorie einen Repräsentanten tötet, in der Praxis aber ein Individuum? Haben sie darüber nachgedacht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es schafft einen ganz eigenen Raum um sich herum, dieses Schweigen, in den werden wir eingeschlossen: Täter und Opfer zugleich. Die Stille verfestigt sich wie eine Eisschicht. Darin eingefroren, vergeht die Zeit ohne uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie schaffen sie das? Diejenigen unter ihnen, die noch unentdeckt in Freiheit leben? Diejenigen unter ihnen, die im Gefängnis sitzen, verurteilt womöglich für eine andere Tat, nicht den Mord an meinem Freund? Wie halten sie es aus, dieses Schweigen? Wie können sie weiterleben? Als wer? Wie können sie sein, wer sie sind, wenn sie über ihre eigene Geschichte nicht sprechen können? Wie können sie jemand anders werden, wenn sie über ihre eigene Geschichte nicht sprechen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sind sprachliche Wesen. Wir verstehen uns nur im Gespräch mit anderen. Erzählend entwickeln wir unsere Vorstellung von uns selbst. Von unserer Herkunft erfahren wir durch die Geschichten, die erinnerten, die erfundenen, unserer Vorfahren, von uns selbst erfahren wir durch die Reaktionen der anderen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als solche sprachliche Wesen, die sich dialogisch, mit und durch andere begreifen, sind wir abhängig davon, dass wir unsere Erfahrungen in eine Geschichte betten können. Wie mäandernd sich unsere Leben auch ihren Weg bahnen, suchen wir doch danach, den Verlauf in ein Narrativ bringen zu können. Erzählend vollziehen wir die beabsichtigten wie unbeabsichtigten Bewegungen nach. Zeichnen das Vorgefundene erst aus. Geben den Zufällen einen Sinn, den Unfällen eine Bedeutung und uns selbst eine bestimmte Kontur. Es ist im Gespräch mit anderen, in dem die Kontinuität unserer narrativen Identität sich beweisen muss. In der sie bestätigt und hinterfragt wird. Durch die Anerkennung oder Abweisung der Gegenüber zeichnen sich unsere Eigenheiten und Andersartigkeiten, Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten, unsere Individualität also, erst ab und aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie soll ihnen das gelingen? Sie können ihr Leben nicht vermitteln, anderen nicht und damit auch sich selbst nicht. Denn ihr Leben hat einen schweigenden Bruch, den sie nicht einflechten können in ihre Erzählung. Sie müssten erklären können, wie sie dorthin gekommen sind – jenseits der Schablonen vom „System“ und vom ??Staat“. Sondern indem sie „ich“ sagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keiner will ihnen das zugestehen: die Mittäter nicht, denn sie müssten dazu aus dem Kollektiv ausbrechen und wieder ein Subjekt, ein Individuum werden. Die Gegenseite nicht, denn die will ihnen jede Subjektivität, jede Menschlichkeit absprechen. Die vermeintlichen Sympathisanten verstehen nicht, dass sie sie nur weiter im Eis der unbegriffenen, weil unerzählten Erfahrung einschließen. Die vermeintlichen Repräsentanten verstehen nicht, dass die Täter nicht einfach bereuen können, was sie nicht vorher als Eigenes begriffen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich möchte keine Reue. Ich möchte, dass sie mir ihre Geschichte erzählen. Mit allem, was darin für mich schmerzlich sein mag. Das müsste ich aushalten. Aber erst dann wird der Mord an meinem Freund vorstellbar. Erst dann kann die Fantasie aufhören, mich zu quälen. Ich brauche ihre Geschichte. Denn es ist auch meine.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie wiederum, dessen bin ich sicher, brauchen auch meine. Inklusive der Einwände. Ansonsten können sie weder diesen Mord in ihrer eigenen Geschichte begreifen noch ihr Leben danach. Im Gefängnis. Oder in der unsicheren Freiheit desjenigen, der nicht gefasst wurde und der den Rest seines Lebens mit der Angst ringen muss und dem Wissen, über dieses Leben nicht sprechen zu können. Das, scheint mir, ist die größte Strafe, die ihnen zuteil werden konnte. Das muss schlimmer sein als das Leiden hinter verschlossenen Toren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Liebe zur Musik scheinen einige von uns seltsamerweise zu teilen. „Uns“…? Die Liebe zur Musik. Einmal haben wir zusammen Musik gehört, Alfred Herrhausen, Traudl und ich. Still. Wir saßen auf dem Fußboden, wenn mich nicht alles täuscht. Ich zumindest. Es war ein Abend im Winter. Ihre Tochter schlief schon. Erschöpft von einer mächtigen Schneeballschlacht, die wir uns vor dem Haus geliefert hatten. Ich wusste damals noch nicht so recht, was ich mit Kindern anfangen sollte. Eine Schnellballschlacht schien mir ein gutes Programm zu sein, auch wenn dieses Kind unerfreulich gut darin war. Den ganzen Tag über waren Alfred und ich durch den Schnee gestapft, während die anderen Ski fuhren. Da konnte er schon nicht mehr Ski laufen mit der Hüfte. Den Abend lang dann hatten wir uns wach geredet. Merkwürdigerweise weiß ich auch noch, dass es Flädlesuppe zum Abendessen gab. Und jetzt wollten wir nur noch still sein und Musik hören. Schubert. Kammermusik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Abschied anderntags habe ich die Platte geschenkt bekommen. So eine richtig schwere Vinylschallplatte war das. Jahrelang habe ich sie aufgehoben. Als ich schon längst keinen Plattenspieler mehr hatte. Und nur noch die CD-Sammlung umzog von Wohnung zu Wohnung. Die Platte wanderte immer noch mit. Irgendwann konnte ich sie nicht mehr sehen. Da habe ich sie weggeworfen. Einfach so. Die Erinnerung war nicht mehr abhängig von der Schallplatte. Ich habe es nicht bereut. Es war Schuberts Der Tod und das Mädchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie müssen sprechen. Für sich allein. Nicht für die anderen. Als Individuum. So wie ich hier auch nicht im Namen der anderen schreibe. Nicht schreiben kann. Jeder von uns hat eine eigene Art des Trauerns. Eigenen Zorn. Eigene Albträume. Wir leben mit diesem Bruch alle unterschiedlich. Und was ich empfinde und schreibe, mag andere verstören und irritieren. Nicht nur die Angehörigen der Opfer, sondern auch meinen Freundes- und Bekanntenkreis, in dem viele von diesem Teil meiner Biografie nichts wissen. Aber dies ist meine Geschichte mit dem Verbrechen und der Stille. Achtzehn Jahre lang habe ich dazu geschwiegen, und so musste ich sie mir erst selbst aneignen, um sie beschreiben zu können. Musste sie erst beschreiben, um sie mir aneignen zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie sollen nach Hause gehen können. Wo immer das für sie sein mag. Aber sie sollen diese Geschichte erzählen. Sie sollen gehen dürfen. Frei sein. Aus dem Gefängnis entlassen. Aber reden sollen sie vorher. Bitte.Gewiss: Es ist dem Rechtsstaat ein Bedürfnis, dass sie verurteilt werden. Und dass die Strafe abgesessen wird. Aber mir? Ob sie zehn oder fünfzehn Jahre in einer Zelle eingesperrt sind? Oder zwanzig? Zwanzig scheinen so unangemessen wie zehn. Die Strafe steht ohnehin in keinem Verhältnis zum Verlust.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte deswegen nie das Bedürfnis, die Mörder meines Freundes verurteilt zu sehen, sie im Gefängnis zu wissen, nie die Sehnsucht nach Rache. Rache ist nur umgeleiteter Schmerz. Eine Verschiebung der Trauer. Nicht nach innen auf einen Mangel gerichtet, sondern nach außen auf einen Stellvertreter für den Mangel. Es ist nichts verächtlich an der Rache, wie Jan Philipp Reemtsma zu Recht schreibt. Aber Rache spendet keinen Trost. Sie ist ein emotionaler Wettlauf auf verlorenem Posten. Am Ende steht immer schon, immer noch der unverminderte Schmerz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oft habe ich mich gefragt, wie ihr Tag da so aussieht: in einer Zelle. Wie es dort riecht. Was sie für Geräusche hören. Nachts. Was sie wohl lesen können. Ob sie das Gleiche lesen wie ich. Ob es im Sommer heiß ist hinter den Gefängniswänden. Oder kühl. Ob die Betonwände rau sind. Oder glatt. Ob sie sich die eigenen Taten wertvoll reden müssen, weil es sonst ganz unerträglich wäre, dieses weggesperrte Leben? Oder ob sie sich dort im Stillen, jetzt, da es zu spät ist, Zweifel gestatten? Zu spät ist es eigentlich nie für Zweifel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht ist es das, was mir am unverständlichsten bleibt. Wie sie so sicher sein konnten. So sicher sein konnten, das Richtige zu tun. So sicher, dass sie sich eine Tat zutrauten, die irreversibel ist. Die sich nicht korrigieren lässt. Wie konnten sie da so sicher sein? Ich zweifle dauernd. Und fürchte, anderen zu schaden durch meine Irrtümer: in der Liebe, in der Zugewandtheit zu anderen, in allen Bezügen, der Arbeit, im Schreiben, bei der Suche nach dem richtigen Wort, der richtigen Geste, der richtigen Berührung. Es ist das, was ich immer schon das Schwerste beim Schreiben fand: das Gefühl zu haben, mir ein Urteil erlauben zu können. Vermutlich bin ich deswegen so langsam. Nicht nur im Schreiben. Sondern schon im Beobachten. Fühle ich mich deswegen sicherer in meinen Urteilen? Eigentlich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist richtig, dass der Rechtsstaat sich ausschließlich am Gesetz orientiert. Und nicht an den Bedürfnissen der Angehörigen der Opfer. Für die rechtsstaatlichen Antworten auf die Verbrechen können und dürfen unsere Empfindungen keine Rolle spielen. Da kann der Bundespräsident in guter Absicht die Angehörigen aufsuchen oder die Bild-Zeitung in schlechter Absicht ihre ekelhaften Hetzkampagnen fahren. Das eine bleibt so falsch wie das andere. Für die Taten, die geklärt sind, für die Täter, die verurteilt wurden, sollen die vorgesehenen richterlichen und psychologischen Instanzen entscheiden. Wer demnach entlassen werden kann, soll unbehelligt gehen können. In ein neues Leben. Und wir sollten ihnen zugestehen, dass es das gibt: ein neues Leben. Und wenn das neue Leben Lehren aus dem alten zieht, wie bei Susanne Albrecht oder bei Silke Maier-Witt, dann wäre ich froh, wenn meine Kinder von diesen Menschen lernen dürften, wäre froh, wenn meine Gemeinschaft von diesen Erfahrungen profitieren könnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber es bleiben die ungeklärten Verbrechen. Eine Gesellschaft, die diese historische Epoche begreifen möchte, ohne über Jahrzehnte von ihr aufgewühlt zu werden, sollte sich überlegen, ob es vielleicht noch andere Instrumente geben könnte, jenseits der Strafe und der mehr oder minder willkürlich erteilten Gnade, mit den ungeklärten Verbrechen so umzugehen, dass wir sie wirklich überleben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von der Bundesanwaltschaft jedenfalls wird keine Aufklärung zu erwarten sein. Wer nur an Rache und Sühne interessiert ist, wird die Wahrheit nicht erfahren. Vielleicht sollten die Sicherheitsbehörden auch einfach zugeben, dass sie an bestimmten Fällen längst nicht mehr arbeiten. Die Verbrechen mögen nicht verjähren können. Und deswegen können sie es vielleicht nicht offiziell erklären. Aber glauben sie wirklich, dass wir ihnen glauben, dass sie sich noch um Aufklärung bemühen? Dass da noch eine Einheit sitzt über verstaubten Akten, ein Beamter jeden Morgen an seinen Schreibtisch geht und nach neuen Spuren sucht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum also sollten wir dieses Bild der aktiven Gegnerschaft, der fortdauernden Ermittlungen in Sachen „ungeklärte Fälle der RAF noch aufrechterhalten? Für wen? Meinen sie, wir fühlten uns sicherer, wenn sie sich noch als ermittelnde, unvermindert harte Justiz geben?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Gewalt ist Herrschaft, aber Einsamkeit“, schreibt Emmanuel Lévinas. Die Sicherheitsbehörden mögen in dieser Versteifung verharren. Sie mögen an dieser fixierten Haltung aus Gewalt und Gegengewalt festhalten, weil sie damit überhaupt eine Haltung verbinden. Weil sie sich damit überlegen glauben einem Gegner gegenüber, der Angst einflößt, obgleich er längst aufgegeben hat. Aber wem ist damit gedient? Gewalt ist Herrschaft, aber Einsamkeit. Wir sollten aus dieser einsamen Position heraustreten und miteinander reden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sollten anerkennen, dass es eine andere Lösung nicht geben kann. Das Warten auf neue Ermittlungen ist illusorisch. Das Warten auf plötzliche Geständnisse auch. Das permanente Hetzen der Boulevardpresse gegen die, die zu keinerlei Verteidigung mehr fähig sind, ist ebenso unwürdig wie ihre verklärende Huldigung durch die Boulevardsympathisanten. Populistisch und banal alle beide.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Täter sollen freikommen. Aber sprechen müssen sie. Wenn es dazu eines „Forums der Aufklärung“ bedürfte, dann sollten wir es einrichten. Amnestie für ein Ende des Schweigens. Freiheit für Aufklärung. Die Täter werden aufgefordert, aus ihren Verstecken, aus ihrer Stille hervorzutreten und sich zu stellen. Keiner Anklage. Sondern ihrer eigenen Geschichte. Wer aufklärt, wird nicht bestraft. Nur so können wir entlassen werden aus der Ungewissheit, und nur so können sie selbst entlassen werden aus der Lüge. Und nur so befreien wir uns gegenseitig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Forum „Freiheit für Aufklärung“ dient unserer Selbstverständigung. Denn in einer solchen öffentlichen Debatte werden auch gesellschaftliche Werte und Sehnsüchte verhandelt. Das ist mehr als das, was überliefert wurde. Mehr als das, was geschrieben steht. Unsere Werte und Sehnsüchte bestimmen und erklären, wer wir sind. Und dieses Wir ist veränderlich. Offen. Beweglich. Weil es erschüttert wird. Berührt wird. Sich dehnt oder zusammenzieht. Weil wir mehr werden. Anders. Und wir uns immer wieder neu verständigen müssen. Neu herausfiltern müssen, wer wir geworden sind. Und warum. Wer wir sind, entscheidet sich daran, wer wir sein wollen. Wie wir sein wollen, wie wir leben wollen, aus welchen Quellen wir unsere Überzeugungen ziehen, auf welchen Horizont hin wir uns ausrichten wollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer wir sein wollen, zeigt sich nicht zuletzt darin, wie wir diejenigen behandeln, die nicht dazugehören wollen oder können. Wer wir sein wollen, zeigt sich auch darin, wie wir umgehen mit denen, die uns infrage stellen. Erst durch jene, die uns anzweifeln, können wir herausfinden, wie sicher wir uns unserer selbst sind. Nicht indem wir uns versteifen und verhärten. Sondern indem wir uns hinterfragen lassen, indem wir uns der Kritik unterziehen, indem wir uns verständigen über unsere Werte und Sehnsüchte, indem wir ihre Entstehung nachzeichnen, indem wir fragen, ob wir ihnen eigentlich gerecht werden. Es ist an der Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtzehn Jahre ist der Mord an Alfred Herrhausen her. Jeder von uns vermisst vermutlich etwas anderes: Mir fehlt seine Fähigkeit, sich zu freuen. Und dieses wunderbare „wohl“ am Ende eines Satzes. Ich hatte nie verstanden, was das eigentlich heißen sollte: „wohl“. Es schloss einen Gedanken ab und schien doch gleichzeitig etwas zu eröffnen. Es war ein „Es ist gut“, und dann lud es aber noch ein zu einer Antwort, zum Weitersprechen. Vielleicht hätte er das zu der Forderung nach einem Ende des Schweigens gesagt. Ich weiß es nicht. „Wohl.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtzehn Jahre ist der Mord an Alfred Herrhausen her. Jemand wird erwachsen genannt, der diese Zeitspanne überlebt hat. Ich war zu jung damals, um das Unverfügbare zu kennen. Zu alt, um es abstreiten zu können. Die Täter sind zu alt heute, um noch an die Logik des Verrats zu glauben. Zu jung, um ihr Leben in der Lüge weiterzuleben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bundesrepublik ist alt genug, um selbstkritisch sein zu können. Zu jung, um die Verkrustungen der Vergangenheit nicht aufbrechen zu können. Niemand braucht zu fürchten, der Staat zeige Schwäche oder löse sich auf, wenn er auf sein Recht auf Strafe verzichtete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dreißig Jahre ist der Deutsche Herbst her. Die gesellschaftliche Selbstsicherheit, die damals noch nicht bestand, ließe sich heute auch gegenüber denjenigen demonstrieren, die sie infrage stellen: durch Großzügigkeit. Durch ein Angebot. Zum Gespräch. Zur Aufklärung. Damit wären die Verbrechen nicht entschuldigt. Damit wären die Taten nicht verharmlost. Aber das Eis könnte zu schmelzen beginnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und vielleicht, ganz vielleicht würde dann auch mein Taxifahrer erfahren von dieser Geschichte. Vielleicht würde er mit mir reden wollen über jenen Tag vor mehr als achtzehn Jahren. Als ich ihn stehen gelassen habe dort oben am Seedammweg, wo der Wagen quer auf der Straße stand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Carolin Emcke, 40, schreibt derzeit an einem Buch über die RAF. Es wird im Frühjahr im S. Fischer Verlag erscheinen. // Erschienen in: ZEITmagazin LEBEN, 06.09.2007 Nr. 37&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-2451045717317493840?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/2451045717317493840/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=2451045717317493840' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/2451045717317493840'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/2451045717317493840'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/la-pays.html' title='La Pays'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsYMgZDuCI/AAAAAAAAAvo/NdpiaD7PWqg/s72-c/Ten_canoes.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-7193433672670947491</id><published>2007-07-12T22:08:00.000+03:00</published><updated>2008-07-10T09:49:27.803+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Le Corps'/><title type='text'>La Campagne</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvPVrs_M3I/AAAAAAAAAt4/jRTAjb0IBRo/s1600-h/Heavens_Gate.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvPVrs_M3I/AAAAAAAAAt4/jRTAjb0IBRo/s400/Heavens_Gate.jpg" border="0" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5119413372852319090" /&gt;&lt;/a&gt;Droits de reproduction, de traduction, d'adaptation réservés pour tous pays. La loi du 11 mars 1957 n'autorisant, aux termes des alinéas 2 et 3 de l'article 41, d'une part, que les "copies ou reproductions strictement réservées à l'usage du copiste et non destinées à une utilisation collective "et, d'autre part, que" les analyses et les courtes citations dans un but d'exemple et d'illustration", toute représentation ou reproduction intégrale ou partielle, faite sans le consentement de l'auteur ou de ses ayant droit ou ayants cause est illecite (alinéa 1er de l'article 40). Cette représentation ou reproduction, par quelque procédé que ce soit, constituerait done une contrefacon sanctionnée par les articles 425 et suivants du code pénal. Copyright: Éditions Présence Africaine, 1955.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1955 / Une civilisation qui s'avère incapable de résoudre les problèmes que suscite son fonctionnement est une civilisation qui choisit de fermer les yeux à sesproblèmes les plus cruciaux est une civilisation atteinte. Une civilisation qui ruse avec ses principes est une civilisation moribonde. Le fait est que la civilisation dite &lt;span style="font-style: italic;"&gt;européenne&lt;/span&gt;, la civilisation &lt;span style="font-style: italic;"&gt;occidentale&lt;/span&gt;, telle que l'ont façonnée deux siècles de régime bourgeois, est incapable de résoudre les deux problème majeurs auxquels son existence a donné naissance : le problème du prolétariat et le problème colonial; que, déférée à la barre de la &lt;span style="font-style: italic;"&gt;raison&lt;/span&gt; comme à la barre de la &lt;span style="font-style: italic;"&gt;conscience&lt;/span&gt;, cette Europe-là est impuissante à se justifier; et que, de plus en plus, elle se réfugie dans une hypocrisie d'autant plus odieuse qu'elle a de moins en moins chance de tromper. &lt;span style="font-style: italic;"&gt;L'Europe est indéfendable.&lt;/span&gt; Il parâit que c'est la constatation que se confient tout bas les stratèges américans. En soi cela n'est pas grave. Le grave est que "l'Europe" est moralement, spirituellement indéfendable.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Et aujourd'hui il se trouve que ce ne sont pas seulement les masses européennes qui incriminent, mais que l'acte d'accusation est proféré sur le plan mondial par des dizaines et des dizaines de millions d'hommes qui, du fond de l'esclavage, s'érigent en juges. On peut tuer en Indochine, torturer à Madagascar, emprisonner en Afrique Noire, sévir aux Antilles. Les colonisés savent désormais qu'ils ont sur les colonialistes un avantage. Ils savent que leurs "maîtres" provisoires mentent. Done que leurs maîtres sont faibles. Et puisque aujourd'hui il m'est demandé de parler de la colonialisation et de la civilisation, allons droit au mensonge principal à partir duquel prolifèrent tous les autres. Colonialisation et civilisation? La malédiction la plus commune en cette matière est d'être la dupe de bonne foi d'une hypocrisie collective, habile à mal poser les problèmes pour mieux légitimer les odieuses solutions qu'on leur apporte. Cela revient à dire que l'essentiel est ici de voir clair, de penser clair, entendre dangereusement, de répondre clair à l'innocente question initiale : qu'est-ce en son principe que la colonisation? De convenir de ce qu'elle n'est point; ni évangélisation, ni entreprise philanthropique, ni volonté de reculer les frontières de l'ignorance, de la maladie, de la tyrannie, ni élargissement de &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Dieu&lt;/span&gt;, ni extension du &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Droit&lt;/span&gt;; d'admettre une fois pour toutes, sans volonté de broncher aux conséquences, que le geste décisif est ici de l'aventurier et du pirate, de l'épicier en grand et de l'armateur, du chercheur d'or et du marchand, de l'appétit et de la force, avec, derrière, l'ombre portée, maléfique, d'une forme de civilisation qui, à un moment de son histoire, se constate obligée, de façon interne, d'étendre à l'échelle mondiale la concurrence de ses économies antagonistes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Poursuivant mon analyse, je trouve que l'hypocrisie est de date récente; que ni Cortez découvrant Mexico du haut du grand téocalli, ni Pizarre devant Cuzco (encore moins Marco Polo devant Cambaluc), ne protestent d'être les fourriers d'un ordre supérieur; qu'ils tuent; qu'ils pillent; qu'ils ont de casques, des lances, des cupidités; que le baveurs sont venus plus tard; que le grand reponsable dans ce domaine est le pédantisme chrétien, pour avoir posé les équations malhonnêtes : &lt;span style="font-style: italic;"&gt;christianisme = civilisation; paganisme = sauvegerie&lt;/span&gt;, d'où ne pouvaient que s'ensuivre d'abominables conséquences colonialistes et racistes, dont les victimes devaient être les Indiens, les Jaunes, le Nègres. Cela réglé, j'admets que mettre les civilisations différentes en contact les unes avec les autres est bien; que marier des mondes différents est excellent; qu'une civilisation, quel que soit son génie intime, à se replier sur elle-même, s'étiole; que l'echange est ici l'oxygène, et que la grande chance de l'Europe est d'avoir été un carrefour, et que, d'avoir été le lieu géométrique de toutes les idées, le réceptacle de toutes les philosophies, le lieu d'accueil de tous les sentiments en a fait le meilleur redistributeur d'énergie. Mais alors, je pose la question suivante : la colonialisation a-t-elle vraiment &lt;span style="font-style: italic;"&gt;mis en contact?&lt;/span&gt; Ou, si l'on préfère, de toutes les manières d'ètablir le contact, était-elle la meilleure? Je résponds non. Et je dis que de la colonisation à la civilisation, la distance est infinie; que, de toutes les expéditions coloniales accumulées, de tous les status coloniaux élaborés, de toutes les circulaires ministérielles expédiées, on ne saurait réussir une seule valeur humaine.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Il faudrait d'abord étulier comment la colonisation travaille á &lt;span style="font-style: italic;"&gt;déciviliser&lt;/span&gt; le colonisateur, à l'&lt;span style="font-style: italic;"&gt;abrutir&lt;/span&gt; au sens propre du mot, à la convoitise, à la violence, à la haine raciale, au relativisme moral, et montrer que, chaque fois qu'il y a au Viêt-nam une tête coupée et un oeil crevé et qu'en France on accepte, une fillette violée et qu'en France, une Malgache supplicié et qu'en France on accepte, il y a un acquis de la civilisation qui pése de son poids mort, une régression universelle qui s'opère, une gangrène qui s'installe, un foyer d'infection qui s'étend et qu'au bout de tous ces traités violés, de tous ces mensonges propagés, de toutes ces expéditions punitives tolérées, de tous ces prisonniers ficelés et "interrogés", de tous ces patriotes torturés, au bout de cet org ueil racial encouragé, de cette jactance étalée, il y a le poison instillé dans les veines de l'Europe, et le progrès lent, mais sûr, de &lt;span style="font-style: italic;"&gt;l'ensauvagement&lt;/span&gt; du continent. Et alors, un beau jour, la bourgeoisie est réveillée par un formidable choc en retour : les gestapos s'affairent, les prisons s'emplissent, les tortionnaires inventent, raffinent, discutent autour des chevalets.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;On s'étonne, on s'indigne. On dit : "Comme c'est curieux! Mais, bah! C'est le nazisme, ça passera!" Et on attend, et on espère; et on se tait à soi-même la vérité, que c'est une barberie, mais la barberie suprême, celle qui couronne, celle qui résume la quotidienneté des barberies; que c'est du nazisme, oui, mais qu'avant d'en être la victime, on en a été le complice; que ce nazisme-là, on l'a supporté avant de le subir, on l'a absous, on a fermé l'oeil là-dessus, on l'a légitimé, parce que, jusque-là, il ne s'était appliqué qu'à des peuples non européens; que ce nazisme-là, on l'a cultivé, on en est responsable, et qu'il sourd, qu'il perce, qu'il goutte, avant de l'engloutir dans ses eaux rougies de toutes les fissures de la civilisation occidentale et chrétienne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ De Aimé Césaire.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-7193433672670947491?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/7193433672670947491/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=7193433672670947491' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/7193433672670947491'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/7193433672670947491'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/la-campagne.html' title='La Campagne'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvPVrs_M3I/AAAAAAAAAt4/jRTAjb0IBRo/s72-c/Heavens_Gate.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-2874339238805519392</id><published>2007-07-11T22:08:00.001+03:00</published><updated>2008-09-27T21:14:49.917+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><title type='text'>La Ville</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvQWrs_M4I/AAAAAAAAAuA/00Wwx7bYqvY/s1600-h/Focus.jpg"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvQWrs_M4I/AAAAAAAAAuA/00Wwx7bYqvY/s400/Focus.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5119414489543816066" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold;"&gt;Die Wiederkehr des Flaneurs&lt;/span&gt; / Wenn man alle Städteschilderungen, die es gibt, nach dem Geburtsorte der Verfasser in zwei Gruppen teilen wollte, dann würde sich bestimmt herausstellen, daß die von Einheimischen verfaßten sehr in der Minderzahl sind. Der oberflächliche Anlaß, das Exotische, Pittoreske wirkt nur auf Fremde. Als Einheimischer zum Bild einer Stadt zu kommen, erfordert andere, tiefere Motive. Motive dessen, der ins Vergangene statt ins Ferne reist. Immer wird das Stadtbuch des Einheimischen Verwandtschaft mit Memoiren haben, der Schreiber hat nicht umsonst seine Kindheit am Ort verlebt. So in Berlin Franz Hessel die seine. Und wenn er sich nun aufmacht und durch die Stadt geht, so kennt er nicht den aufgeregten Impressionismus, mit dem so oft der Beschreibende seinen Gegenstand antritt. Denn Hessel beschreibt nicht, er erzählt. Mehr, er erzählt wieder, was die Stadt dem Kinde von früh auf erzählte. Ein ganz und gar episches Buch, ein Memorieren im Schlendern, ein Buch für das Erinnerung nicht die Quelle, sondern die Muse war. Die geht die Straßen voran, und jede ist ihr abschüssig. Sie führt hinab, wenn nicht zu den Müttern, so doch in eine Vergangenheit, die umso bannender sein kann, als sie nicht nur des Autors eigene, private ist. Im Asphalt, über den er hingeht, wecken seine Schritte eine erstaunliche Resonanz. Das Gaslicht, das auf das Pflaster hinunterscheint, wirft ein zweideutiges Licht über diesen doppelten Boden. Die Stadt als mnemotechnischer Behelf des einsam Spazierenden, sie ruft mehr herauf als dessen Kindheit und Jugend, mehr als ihre eigene Geschichte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was sie eröffnet, ist das unabsehbare Schauspiel der Flanerie, das wir endgültig abgesetzt glaubten. Und nun sollte es hier, in Berlin, wo es niemals in hoher Blüte stand, sich erneuern? Dazu muß man wissen, daß die Berliner andre geworden sind. Langsam beginnt ihr problematischer Gründerstolz auf die Hauptstadt der Neigung zu Berlin als Heimat Platz zu machen. Und zugleich hat in Europa der Wirklichkeitssinn, der Sinn für Chronik, Dokument, Detail sich geschärft. In diese Situation tritt nun einer, der gerade jung genug ist, um diesen Wandel mitzuerfahren, und gerade alt genug, um den letzten Klassikern der Flanerie, einem Apollinaire, einem Léautaud persönlich nahegestanden zu haben. Den Typus des Flaneurs schuf ja Paris. Daß nicht Rom es war, ist das Wunderbare. Aber zieht nicht in Rom selbst das Träumen schon allzu gebahnte Straßen? Und ist die Stadt nicht zu voll von Tempeln, umfriedeten Plätzen, nationalen Heiligtümern, um ungeteilt mit jedem Pflasterstein, jedem Ladenschild, jeder Stufe und jeder Torfahrt in den Traum des Passanten eingehen zu können? Die großen Reminiszenzen, die historischen Schauer - sie sind dem wahren Flaneur ja ein Bettel, den er gerne dem Reisenden überläßt. Und all sein Wissen von Künstlerklausen, Geburtstätten oder fürstlichen Domizilen gibt er für die Witterung einer einzigen Schwelle oder das Tastgefühl einer einzigen Fliese dahin, wie der erstbeste Haushund sie mit davonträgt. Auch mag manches am Charakter der Römer liegen. Denn Paris haben nicht die Fremden, sondern sie selbst, die Pariser, zum gelobten Land des Flaneurs, zu der "Landschaft aus lauter Leben gebaut", wie Hofmannsthal sie einmal nannte, gemacht. Landschaft - das wird sie in der Tat dem Flanierenden. Oder genauer: ihm tritt die Stadt in ihre dialektischen Pole auseinander. Sie eröffnet sich ihm als Landschaft, sie umschließt ihn als Stube.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gebt der Stadt ein bißchen ab von eurer Liebe zur Landschaft", sagt Franz Hessel zu den Berlinern. Wollten sie nur die Landschaft in ihrer Stadt sehen. Hätten sie nicht auch den Tiergarten, diesen heiligen Hain der Flanerie mit seinen Blicken auf die sakralen Fassaden der Tiergartenvillen, die Zelte, in denen man während des Jazz das Laub schwermütiger als sonst zu Boden sinken sehen kann, den Neuen See, von dem hier die Buchten und Bauminseln in Gedanken gezeichnet sind, "wo wir im Winter kunstvoll holländernd große Achter in Eis schrieben und im Herbst von der Holzbrücke am Bootshaus in den Kahn steigen mit der Herzensdame, die unser Ruder steuerte" - wäre dies alles nicht, die Stadt wäre immer noch voll Landschaft. Spürten sie nur den Himmel über Hochbahnbögen so blau wie über Engadiner Ketten sich spannen, aus dem Getöse die Stille wie aus einer Brandung sich heben und kleine Straßen im Stadtinnern die Tageszeiten so deutlich wie eine Bergmulde widerspiegeln. Freilich das wahre, die Stadt randvoll erfüllende Dasein des Städters in ihr, ohne das es dieses Wissen nicht gibt, ist nichts Billiges. "Wir Berliner", sagt Hessel, "müssen unsere Stadt noch viel mehr - bewohnen." Bestimmt will er das wörtlich verstanden wissen, weniger von den Häusern als von den Straßen. Denn sie sind ja die Wohnung des ewig unruhigen, ewig bewegten Wesens, das zwischen Hausmauern soviel erlebt, erfährt, erkennt und ersinnt, wie das Individuum im Schutze seiner vier Wände. Der Masse - und mit ihr lebt der Flaneur - sind die glänzenden, emaillierten Firmenschilder so gut und besser ein Wandschmuck wie im Salon dem Bürger ein Ölgemälde, Brandtmauern ihr Schreibpult, Zeitungskioske ihre Bibliotheken, Briefkästen ihre Bronzen, Bänke ihr Boudoir und die Caféterrasse der Erker, von wo sie auf ihr Hauswesen herabsieht. Wo am Gitter Asphaltarbeiter den Rock hängen haben, ist ihr Vestibül und die Torfahrt, die aus der Flucht der Höfe ins Freie leitet, der Zugang in die Kammern der Stadt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon in der meisterhaften "Vorschule des Journalismus" war die Erforschung dessen, was Wohnen ist, als unterirdisches Motiv erkennbar. Wie jede stichhaltige und erprobte Erfahrung ihr Gegenteil mit umfaßt, so hier die vollendete Kunst des Flaneurs das Wissen vom Wohnen. Urbild des Wohnens aber ist die Matrix oder das Gehäuse. Das also, von dem man genau die Figur dessen abliest, der es bewohnt. Will man sich nun erinnern, daß nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Geister, und vor allem die Bilder wohnen, so liegt greifbar vor Augen, was den Flaneur beschäftigt und was er sucht. Nämlich die Bilder wo immer sie hausen. Der Flaneur ist der Priester des genius loci. Dieser unscheinbare Passant mit der Priesterwürde und dem Spürsinn eines Detektivs - es ist um seine leise Allwissenheit etwas wie um Chesterons Pater Brown, diesen Meister der Kriminalistik. Man muß dem Autor in den "Alten Westen" folgen, um ihn von dieser Seite kennen zu lernen: wie er die Laren unter der Schwelle aufspürt, wie er die letzten Denkmale einer alten Wohnkultur feiert. Die letzten: denn in der Signatur dieser Zeitenwende steht, daß dem Wohnen im alten Sinne, dem die Geborgenheit an erster Stelle stand, die Stunde geschlagen hat. Giedion, Mendelsohn, Corbusier machen den Aufenthaltsort von Menschen vor allem zum Durchgangsraum aller erdenklichen Kräfte und Wellen von Licht und Luft. Was kommt, steht im Zeichen der Transparenz: nicht nur der Räume, sondern, wenn wir den Russen glauben, die jetzt die Abschaffung des Sonntags zugunsten von beweglichen Feierschichten vorhaben, sogar der Wochen. Man meine aber nicht, ein pietätvoll, am Musealen haftender Blick sei genug, um die ganze Antike des "Alten Westens", in den Hessel seine Leser führt, zu entdecken. Nur ein Mann, in dem das Neue sich, wenn auch still, so sehr deutlich ankündigt, kann einen so originalen, so frühen Blick auf dies eben erst Alte tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter der plebs deorum der Kariatyden und Atlanten, der Pomonen und Putten, mit deren Entdeckung er den Leser hier aufnimmt, sind ihm die liebsten doch jene einst herrschenden, nun zu Penaten, unscheinbaren Schwellengöttern gewordenen Figuren, die angestaubt auf Treppenabsätzen, namenlos in Flurnischen einquartiert, die Hüterinnen der rites de passage sind, die ehemals jeden Schritt über eine hölzerne oder metaphorische Schwelle begleiteten. Von ihnen kommt er nicht los und ihr Walten weht ihn noch an, wo ihre Abbilder längst nicht mehr oder unkenntlich stehen. Berlin hat wenig Tore, aber dieser große Schwellenkundige kennt die geringeren Übergänge, die Stadt von Flachland, Stadtteil von Stadtteil abheben: Baustellen, Brücken, Stadtbahnbögen und Squares, und sie alle sind hier geehrt und beachtet, ganz zu schweigen von den schwelligen Stunden, den heiligen zwölf Minuten oder Sekunden des kleinen Lebens, die den makrokosmischen twelf-nights entsprechen und auf den ersten Blick so unheilig aussehen können. "Die Tanztees der Friedrichstadt", weiß der Autor, "haben auch ihre lehrreichste Stunde, bevor der Betrieb losgeht, wenn im Dämmer nah bei den noch eingehüllten Instrumenten die Balletdame einen Imbiß einnimmt und sich dabei mit der Gardrobefrau oder dem Kellner unterhält."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baudelaire hat das grausame Wort von der Stadt, die schneller als ein Menschenherz sich wandle, gesprochen. Hessels Buch ist voll tröstlicher Abschiedsformeln für ihre Bewohner. Ein wahrer Briefsteller des Scheidens ist es, und wer bekäme nicht Lust, Abschied zu nehmen, könnte er mit seinen Worten Berlin so ins Herz dringen wie Hessel seinen Musen aus der Magdeburger Straße. "Sie sind inzwischen verschwunden. Bruchsteinern standen sie da und hielten artig, soweit sie noch Hände hatten, ihre Kugel oder ihren Stift. Sie verfolgten mit ihren weißen Steinaugen unsern Weg, und es ist ein Teil von uns geworden, daß diese Heidenmädchen uns angesehen haben." "Nur was uns anschaut, sehen wir. Wir können nur -, wofür wir nichts können." Man hat die Philosophie des Flaneurs niemals tiefer erfaßt als es Hessel mit diesen Worten getan hat. Er geht einmal durch Paris und da sind die Conciergefrauen, die nachmittags in kühlen Hauseingängen sitzen und nähen, von denen fühlt er sich angesehen wie von seiner Amme. Und nichts ist für das Verhältnis der beiden Städte - Paris, seiner späten und reifen Heimat, und Berlins, seiner frühen und strengen - bezeichnender, als daß den Berlinern dieser große Spaziergänger baldigst auffallend und suspect wird. "Der Verdächtige" heißt darum der erste Abschnitt in diesem Buche. In ihm ermessen wir die atmosphärischen Widerstände, die sich in dieser Stadt der Flanerie in den Weg stellen und wie bitter der nachschauende Blick aus Dingen und Menschen in ihr auf den Träumer zu fallen droht. Hier und nicht in Paris versteht man, wie der Flaneur vom philosophischen Spaziergänger sich entfernen und die Züge des unstet in der sozialen Wildnis schweifenden Werwolfs bekommen konnte, den Poe in seinem "Mann der Menge" für immer fixiert hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So viel vom "Verdächtigen". Der zweite Abschnitt aber ist überschrieben "Ich lerne". Das ist nun wieder ein Lieblingswort des Verfassers. Schriftsteller nennen es meist "studieren", wie sie sich einer Stadt nähern. Zwischen diesen Worten liegt eine Welt. Studieren kann jeder, lernen nur, wer aufs Dauernde aus ist. Eine souveräne Neigung zum Dauernden, ein aristokratischer Widerwille gegen Nuancen hat bei Hessel das Wort. Erlebnis will das Einmalige und die Sensation, Erfahrung das Immergleiche. "Paris", so hieß es vor Jahren, "das ist der schmale Gitterbalkon vor tausend Fenstern, die rote Blechzigarre vor tausend Tabakverschleißen, die Zinkplatte der kleinen Bar, die Katze der Concierge." So memoriert der Flaneur wie ein Kind, so besteht er hart wie das Alter auf seiner Weisheit. Nun ist auch für Berlin ein solches Register, solch ägyptisches Traumbuch des Wachenden zusammengetragen. Und wenn erst der Berliner in seiner Stadt nach andren Verheißungen forscht als denen der Lichtreklamen, dann wird es ihm sehr ans Herz wachsen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Walter Benjamin.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-2874339238805519392?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/2874339238805519392/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=2874339238805519392' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/2874339238805519392'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/2874339238805519392'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/la-ville.html' title='La Ville'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwvQWrs_M4I/AAAAAAAAAuA/00Wwx7bYqvY/s72-c/Focus.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-1728078010249071186</id><published>2007-07-10T22:08:00.000+03:00</published><updated>2008-06-29T00:09:35.626+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><title type='text'>Le Quartier</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsY0AZDuDI/AAAAAAAAAvw/oFiQcdRFRTY/s1600-h/BlackHawkDown.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsY0AZDuDI/AAAAAAAAAvw/oFiQcdRFRTY/s400/BlackHawkDown.jpg" border="0" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5204781076094105650" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Que personne ne bouge&lt;/span&gt;&lt;/span&gt; / Pas un élu, pas un seul candidat à la candidature socialiste, pas non plus la candidate désignée, n'ont eu un mot pour dénoncer, déployer ou seulement regretter, ce que les intégristes obtus de l'écologie ont fait de notre capitale. "La destruction de Paris", magnifique article de Michel Deguy publié dans Libération du 24 janvier, que nous donnons plus loin dans sa version longue, n'a éveillé nul écho chez nos politiques, non seulement les socialistes, mais, à notre connaissance, tous les autres.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Je tiens pour ma part à souligner un aspect des choses dont Michel Deguy n'a pas parlé, qui est pourtant lié intimement à son propos. Paris - et la gauche y a contribué autant que la droite - est à la lettre une cité policière, la plus gendarmée de toutes les capitales d'Europe. Impossible de parcourir plus de cinq cents mètres sans tomber sur une voiture de police, sirène hurlante ou pas, sur un fourgon plus volumineux, sur des argousins en rollers, particulièrement hargneux, des cyclistes bleus en VTT qui fondent sur leur proie à l'instar des cavaliers de la vieille police montée, des groupes pèdestres de quatre ou cinq, cinq ou six, embusqués en des lieux où la "foute" ne peut pas ne pas être commise, encerclant le coupable comme s'il était un grand criminel. La police a la charge de réprimer ceux qui ne se plient pas ou ne comprennent rien (ne s'y plient pas parce qu'elles sont incompréhensibles) aux lubies circulatoires du tueur de voitures préféré de l'Hôtel de Ville, l'intouchable Denis Baupin. Les nouveautés des burotechnocrates, prêts à tous les coups au nom de l'écologie érigée en foi aveugle, sont dangereuses, voire mortelles, et coûtent très cher aux citoyens que nous sommes, qui ne fûmes jamais à ce point méprisés. Il se chuchote que, pour payer les travaux herculéens qu'elle entrepenait, la municipalité dût emprunter à l'Etat et qu'elle est à l'origine du déluge de contraventions qui s'abattit alors sur les automobilistes, leur arrachant points et argent, une facon commode de se soulager de sa dette. Le but est clair et maintenant avéré : priver les automobilistes des points de leur permis pour leur interdire de conduire (le permis à points est une géniale invention du chevènementiste George Sarre), les dégoûter en jouant sur leurs nerfs et en leur faisant perdre un temps "transports en commun". Quels transports ? Monsieur Baupin expérimente-t-il l'impossibilité de trouver un taxi aux heures de pointe ? A-t-il tenté quelque chose contre le malthusianisme scandaleux de cette corporation ? A-t-il raté des trains parce que le RER s'arrête brutalement dans un tunnel pendant de longues minutes ? Sait-il que pour des gens âges aux bronches fragiles, prendre le métro est la source d'un redoublement des maux dont ils souffrent et de nouvelles affections ? Pour certains, marcher sous la pluie, dans le froid, jusqu' à un arrêt d'autobus, attendre celui-ci bien plus longtemps qu'on ne le prétend, ou ne pas même réussir à se protéger sous ce maigre abri car des SDF aux trognes moyenâgeuses s'y sont avec raison installés, tous cartons déployés, signifie à coup sûr la maladie, l'obligation de garder la chambre ou de se faire hospitaliser. Les obsédés de l'ordre et de la norme qui gouvernent la ville annoncent leurs plans extrême : interdire par exemple les voies sur berge aux voitures ou fermer le centre de Paris. Devant le tollé, ils reculent, ils disent qu'ils retirent. Mais ils font semblant, ils sont retors, obstinés, et parviennent à leurs fins. Les declarations du poupin Baupin sont édifiantes : ce chevalier blanc défie chacun de nous en combat singulier. Il a tout pouvoir, il rigole, il est tranquille. Le rêve est en marche : si je sors de chez moi le dimanche, je ne peux pas tourner à gauche car c'est un sens interdit et sur la droite, à cinquante mètres, la rue est barrée car seuls les cycliste et je roule dans Paris quand il ne pleut pas et ne fait pas trop froid. Les autobus me frôlent la jambe à toute berzingue dans notre couloir commun et la croissance exponentielle des motos, scooters, mobylettes, résultat le plus certain de la nouvelle politique, forme comme un nid de bruyantes et dangereuses guêpes autour de malheureux vélocipédiste. Contre la concession à lui faite des panneaux Decaux universel livrera, paraît-il, à la ville vingt mille vélos que chacun, selon un systéme encore non dévoilé, pourra chevaucher à sa guise et laisser où bon lui semblera. J'imagine que seront créés des garages spéciaux pour la construction desquels il faudra encore défoncer quelques rues ! Mais Paris n'est pas ennemi que des cyclistes, il l'est des commercants du boulevard Magenta et de dix autres artères, condamnés à vivoter ou à faire faillite parce qu'un beau matin les défonceurs s'installent pour des mois afin de réduire plus encore les voies de circulation, élargir les trottoirs, marquer de longues surélévations de sinistre béton gris nos boulevards, nos avenues, et même d'étroites rues, qui indiquent la frontière entre l'espace commun - celui des bus - et l'espace privé, celui des malheureuses bagnoles qui s'étouffent dans la thrombose dont parle Deguy. Si vous ne mourez pas de thrombose, vous risquez la mort violente ou la blessure grave. Roulez boulevard Saint-Germain en direction de Saint-Michel et tendez de tourner à droite dans les rues de Seine ou de l'Odéon par exemple, vous vous exposez au pire : protégés par la ligne grise qui délimite le couloir de la liberté, les taxis foncent au vert et vous empêchent de passer. Si vous tendez pourtant de le faire parce que vous n'avez pas d'autre choix, vous avez toutes les chances d'être heurté à grande vitesse par le travers droit de votre véhicule. Les imbéciles ne sont pas rares et ne craignent ni de mourir ni de donner la mort pourvu que ce soit dans leur droit. "J'ai priorité", disent-ils aprés l'accident tandis qu'on évacue les blessés. Tout est à revoir de cette notion de priorité. Mais les piétons ne sont eux-mêmes pas à l'abri du danger. Je me suis moi-même égaré à pied dans les damiers peints sur l'asphalte, ces marelles mortelles qui sont la marotte dernière du poupin écolo, ne sachant ni où ni quand passer, de qui, de quoi et d'ou me garder. Je ne suis pas le seul. Le sfeux de trafic sont de plus en plus lents. Paris était fluide, on fait maintenant du sur place dans des haltes piétinantes. Sur un point, je diverge de Michel Deguy : le piéton n'est pas roi. Le roi, l'ideal de nos technocrates, de tous les inventeurs de festivités pour le bon peuple, modernes &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;panem et circenses&lt;/span&gt; (Paris-Plages, cohortes rolleriennes encadrées de sirènes policièrs, etc.), ce n'est pas le piéton, c'est le piéton domestiqué, espèce en voie de création, car on commence à sévir contre le piéton sauvage, celui qui s'est seulement assuré qu'il pouvait passer sans encombre et sans gêner personne, en regardant à droite et à gauche comme il l'a appris de ses parents. La répression gagne : des policiers interpellent grossièrement le pédestre contrevenant, le menacant d'amende, et je gage qu'il y aura bientôt un permis à points pour cyclistes et un autre, d'une couleur différente, pour piétons. Ceux qui, ayant perdu les points du permis voiture (et c'est très facile, tant la gent policière est devenue teigneuse, sourcilleuse et soustrait les points pour des vétilles), roulent en bécane et ne s'arrêtent pas en pleine côte, car ils ont vu la voie totalement libre et savent la pente rude, seront verbalisés de la même facon que leurs frères à quatre roues - on parle de 135 € d'amende et Madame le Maire de Strasbourg trouve que c'est "un peu cher" : il est clair en tout cas que la maladie de Paris gagne les autres villes de France! -, perdront un jour leurs points de vélo et peut-être leurs points de piéton. Ils seront alors condamnés à l'immobilité des grues ou des hérons, idéal encore masqué mais bien réel de poupines cervelles à qui le droit exorbitant de faire le bonheur des gens contre eux-mêmes a été conféré : Paris reluit, Paris se meurt, que plus personne ne bouge!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;// De Claude Lanzmann.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-1728078010249071186?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/1728078010249071186/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=1728078010249071186' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/1728078010249071186'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/1728078010249071186'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/le-quartier.html' title='Le Quartier'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsY0AZDuDI/AAAAAAAAAvw/oFiQcdRFRTY/s72-c/BlackHawkDown.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-5108182605367595867</id><published>2007-07-09T22:07:00.001+03:00</published><updated>2008-07-10T10:33:26.877+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Mouvement'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Metric'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kunst ist Kunst - alles andere ist alles andere'/><title type='text'>La Rue</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RumabwiX4sI/AAAAAAAAAos/1iuvi_U9Yhg/s1600-h/Serendipity.jpg"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RumabwiX4sI/AAAAAAAAAos/1iuvi_U9Yhg/s400/Serendipity.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5109785053904757442" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;em style="font-weight: bold;"&gt;Als ich eines schönen Morgens im April das 100%e Mädchen sah ...&lt;/em&gt; /&lt;br /&gt;Eines schönen Morgens im April komme ich auf einer kleinen Seitenstraße in Harajuku an dem 100%igen Mädchen vorbei. Ehrlich gesagt, ist sie nicht besonders hübsch. Sie ist weder besonders auffällig, noch ist sie schick gekleidet. Ihre Haare sind hinten vom Schlaf verlegen. Sie ist nicht mehr jung. So an die dreißig wird sie sein, nicht eigentlich ein Mädchen. Aber trotzdem weiß ich schon aus fünfzig Metern Entfernung: Sie ist für mich das 100%ige Mädchen. Bei ihrem Anblick dröhnt es in meiner Brust, und mein Mund ist trocken wie eine Wüste. Vielleicht gibt es einen bestimmten Typ Mädchen, der dir gefällt, mit schmalen Fesseln zum Beispiel oder großen Augen, vielleicht stehst du auf schöne Finger oder fühlst dich, warum auch immer, von Mädchen angezogen, die sich beim Essen viel Zeit lassen. Dieses Gefühl meine ich. Auch ich habe natürlich meine Vorlieben. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich im Restaurant gebannt auf die Nase des Mädchens am Nachbartisch starre. Aber den Typ des 100%igen Mädchens kann keiner definieren. An die Form ihrer Nase kann ich mich gar nicht erinnern. Ich weiß noch nicht einmal mehr, ob sie überhaupt eine hatte. Ich weiß nur, dass sie keine nennenswerte Schönheit war. Irgendwie seltsam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gestern kam ich an dem 100%igen Mädchen vorbei", erzählte ich jemandem. "Hm", antwortet er, "war sie hübsch?" "Nein, das nicht." "Also dein Typ." "Ich weiß es nicht mehr. Ich erinnere mich an nichts. Weder an die Form ihrer Augen, noch daran, ob sie große oder kleine Brüste hatte." "Das ist sonderbar." "Ja, es ist sonderbar." "Na und", sagte er scheinbar gelangweilt, "hast du was gemacht? Hast du sie angesprochen, oder bist du ihr nachgelaufen?" "Nein, nichts. Ich bin einfach an ihr vorbeigegangen." Sie ging von Osten nach Westen, ich von Westen nach Osten. An einem besonders schönen Morgen im April. Ich möchte mit ihr sprechen, und wenn nur für eine halbe Stunde. Ich möchte von ihrem Leben erfahren und ihr von meinem erzählen. Mehr als alles andere aber möchte ich die Umstände des Schicksals klären, das uns an einem schönen Morgen im April 1981 in einer kleinen Seitenstraße in Harajuku aneinander vorbeigeführt hat. Bestimmt birgt es wohlige Geheimnisse, so wie eine alte Maschine aus friedlichen Zeiten. Nachdem wir uns unterhalten hätten, würden wir irgendwo zu Mittag essen, einen Woody-Allen-Film sehen oder an einer Hotelbar einen Cocktail trinken. Wenn alles gut ginge, würde ich später vielleicht mit ihr schlafen. Die Chance pocht an die Tür meines Herzens. Nur noch 15 Meter liegen zwischen ihr und mir. Also, wie soll ich sie ansprechen? "Guten Tag. Würdest du dich kurz mit mir unterhalten? Nur eine halbe Stunde." Das klingt ziemlich albern. wie ein Versicherungsvertreter. "Entschuldigung, gibt es hier in der Nähe eine 24-Stunden-Reinigung?" Das ist genauso albern. Ich habe noch nicht einmal einen Wäschesack. Wer würde mir so etwas abnehmen? Vielleicht sollte ich sie ganz offen ansprechen. "Hallo. Du bist für mich das 100%ige Mädchen." Nein, Quatsch. Das wird sie bestimmt nicht glauben. Und wenn, wird sie sich kaum mit mir unterhalten wollen. Ich mag für dich das 100%ige Mädchen sein, wird sie vielleicht antworten, aber du bist für mich leider nicht der 100%ige Mann. Das ist ziemlich wahrscheinlich. Und in einer solchen Situation käme ich bestimmt furchtbar durcheinander. Von einem solchen Schock würde ich mich vielleicht nie wieder erholen. Ich bin schon zweiunddreißig. So also fühlt es sich an, alt zu werden. Vor dem Blumenladen gehe ich an ihr vorbei. Ein warmer Luftzug streift meine Haut. Der Asphalt ist mit Wasser besprengt, und ringsum verbreitet sich Rosenduft. Ich kann sie nicht ansprechen. Sie trägt einen weißen Pullover und hält einen weißen Umschlag in der rechten Hand, noch ohne Briefmarken. Sie hat jemandem einen Brief geschrieben. Ihre Augen wirken sehr müde, vielleicht hat sie die ganze Nacht geschrieben. Und Vielleicht enthält dieser Umschlag alle ihre Geheimnisse. Als ich mich nach einigen Schritten umdrehe, ist ihre Gestalt bereits in der Menschenmenge verschwunden. Jetzt weiß ich natürlich genau, wie ich sie damals hätte ansprechen müssen. Es wäre bestimmt lang geworden, und ich hätte nicht die richtigen Worte gefunden. Mir fällt nie etwas Brauchbares ein. Jedenfalls beginnt es mit "vor langer Zeit" - und endet mit "eine traurige Geschichte, findest du nicht?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor langer Zeit waren einmal ein Junge und ein Mädchen. Der Junge war achtzehn, das Mädchen sechzehn Jahre alt. Der Junge sieht nicht besonders gut aus, und auch das Mädchen ist nicht besonders hübsch. Ein einsamer und gewöhnlicher Junge und ein einsames und gewöhnliches Mädchen, wie man sie überall findet. Doch glauben sie fest daran, dass es irgendwo auf dieser Welt ein Mädchen oder einen Jungen gibt, der 100%ig zu ihnen passt. Ja, sie glauben an ein Wunder. Und dieses Wunder geschah. Eines Tages begegneten sich die beiden zufällig an einer Straßenecke. "Unglaublich" sagte der junge zu dem Mädchen. "Ich habe dich schon die ganze Zeit gesucht! Ob du es glaubst oder nicht, aber du bist für mich das 100%ige Mädchen. " Und das Mädchen erwidert: "Und du bist für mich der 100%ige Junge. Genau wie ich ihn mir vorgestellt habe. Es ist wie im Traum." Die beiden setzen sich auf eine Parkbank, halten sich an den Händen und reden in einem fort, ohne dass ihnen langweilig wird. Sie sind nicht&lt;br /&gt;mehr einsam. Sie haben ihren 100%igen Partner gefunden und sind von ihm gefunden worden. Seinen 100%igen Partner zu finden und von ihm gefunden zu werden, ist etwas ganz Außerordentliches. Ein Wunder des Kosmos. Aber ihre Herzen durchfährt ein kleiner, ganz kleiner Zweifel. Durfte ihr Traum so einfach in Erfüllung gehen? Als das Gespräch einmal abbricht, sagt der Junge: "Wir wollen uns nur einmal noch auf die Probe stellen. Wenn wir wirklich 100%ig füreinander geschaffen sind, werden wir uns bestimmt irgendwo irgendwann wieder begegnen. Beim nächsten Mal wissen wir, dass wir 100%ig füreinander bestimmt sind, und wollen sofort heiraten. Einverstanden?" "Einverstanden", antwortet das Mädchen. Und so trennten sie sich. Nach Westen und Osten. Doch es war in Wirklichkeit vollkommen unnötig, das Schicksal auf die Probe zu stellen. Sie hätten es nicht tun dürfen. Sie waren wirklich 100%ig füreinander bestimmt. Ihre Liebe war ein Wunder. Da sie aber noch zu jung waren, konnten sie es nicht wissen. Und so wurden sie von der immerwährenden, unbarmherzigen Welle des Schicksals fortgerissen. Eines Tages im Winter erkrankten beide an einer in jenem Jahr grassierenden schweren Grippe. Wochenlang schwebten sie zwischen Leben und Tod, und als sie wieder genesen waren, war ihr Gedächtnis an ihr früheres Leben ausgelöscht. Wie soll ich es sagen, als sie wieder aufwachten, waren ihre Köpfe so leergefegt wie die Spardose des jungen D.H. Lawrence. Aber da er ein intelligenter und ausdauernder Junge und sie ein intelligentes und ausdauerndes Mädchen war, scheuten sie keine Mühe, erwarben von neuem Bewusstsein und Gefühle und kehrten erfolgreich in die Gesellschaft zurück. Ja, bei Gott, sie waren richtig ordentliche Bürger. Sie wussten, wie man in der U-Bahn korrekt umsteigt und wie man bei der Post einen Eilbrief aufgibt. Sie liebten auch, mal 75 %, mal 85%. Der Junge war zweiunddreißig, das Mädchen war dreißig geworden. Die Zeit war im Fluge vergangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und eines schönen Morgens im April geht der Junge von Westen nach Osten durch eine kleine Seitenstraße in Harajuku, um einen Kaffee zu trinken, und das Mädchen geht, um Briefmarken für einen Eilbrief zu kaufen, die gleiche Straße von Osten nach Westen. In der Mitte der Straße kommen sie aneinander vorbei. Für einen Moment blitzt der schwache Schein verlorener Erinnerung in ihren Herzen auf. Es dröhnt in ihrer Brust. Und sie wissen. Sie ist für mich das 100%ige Mädchen. Er ist für mich der 100%ige Junge. Aber der Schein ihrer Erinnerung ist zu schwach, ihre Sprache besitzt nicht mehr die Klarheit wie vor 14 Jahren. Beide gehen, ohne ein Wort zu sagen, aneinander vorbei und verschwinden in der Menge. Auf immer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine traurige Geschichte, findest du nicht? Ich weiß, so hätte ich sie ansprechen müssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Murakami Haruki.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold;"&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe&lt;/span&gt; /&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe&lt;br /&gt;zu dem Menschen von dem du träumst&lt;br /&gt;dann gib acht, dass du denn Zug,&lt;br /&gt;in dem der Mensch sitzt nicht versäumst&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe,&lt;br /&gt;die die Nächte dir erfüllt,&lt;br /&gt;brauchst du Antwort auf die Frage,&lt;br /&gt;was bei Tag den Hunger stillt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe,&lt;br /&gt;bist du zwar immer noch ein König,&lt;br /&gt;doch ein König, der ein Schloss hat,&lt;br /&gt;und kein Land, der hat zu wenig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Frühling bin ich dir begegnet;&lt;br /&gt;im Sommer war die Landschaft grün;&lt;br /&gt;der Herbst war fruchtbar und gesegnet;&lt;br /&gt;nur der Winter - der war kühl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kenne deine Hände, deinen Atem,&lt;br /&gt;dein Gesicht, dein Parfum und deine Freunde,&lt;br /&gt;nur dein Wesen kenn' ich nicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe&lt;br /&gt;zu der Frau, von der du träumst&lt;br /&gt;dann gib acht, dass du denn Zug,&lt;br /&gt;in dem die Frau sitzt, nicht versäumst&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe,&lt;br /&gt;die die Nächte dir erfüllt,&lt;br /&gt;brauchst du Antwort auf die Frage,&lt;br /&gt;was bei Tag ihren Hunger stillt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe,&lt;br /&gt;und das Herz dir überläuft,&lt;br /&gt;lehre deinem Herzen schwimmen,&lt;br /&gt;dass es nicht im Glück ersäuft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Frühling pflanzten wir Narzissen&lt;br /&gt;aus den Blüten wuchsen Rosen&lt;br /&gt;und ehe wir die Wahrheit wissen&lt;br /&gt;werden sie zu Herbstzeitlosen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du weisst meinen Namen,&lt;br /&gt;kennst meine Haut bei jedem Licht,&lt;br /&gt;weisst von allen meinen Fehlern,&lt;br /&gt;nur wer ich bin - dass weisst du nicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe,&lt;br /&gt;zu dem Mann, von dem du träumst&lt;br /&gt;dann gib acht, dass du den Zug,&lt;br /&gt;in dem der Mann sitzt, nicht versäumst&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn du nichts hast als die Liebe,&lt;br /&gt;hast das Netz du voller Fische,&lt;br /&gt;und wenn du sie nicht an Land ziehst,&lt;br /&gt;sitzt du bald vor leerem Tische&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du brauchst mehr als nur die Liebe,&lt;br /&gt;dein Herz braucht den Verstand,&lt;br /&gt;denn sonst ist die grösste Liebe&lt;br /&gt;wie ein Zimmer ohne Wand&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wenn alles so gebaut ist,&lt;br /&gt;wie es dir im Traum gefiel,&lt;br /&gt;brauchst du nichts mehr - ausser Liebe&lt;br /&gt;denn dann bist du am Ziel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Peter Horton.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic; font-weight: bold;"&gt;Begegnung in der Kastanienallee&lt;/span&gt; /&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit&lt;br /&gt;kühl wie ein Seidenmantel umgegeben&lt;br /&gt;den er noch nahm und ordnete: als eben&lt;br /&gt;am anderen transparenten Ende, weit,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,&lt;br /&gt;weiß eine einzelne Gestalt&lt;br /&gt;aufleuchtete, um lange fern zu bleiben&lt;br /&gt;und schließlich, von dem Lichterniedertreiben&lt;br /&gt;bei jedem Schritte überwallt,&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;ein helles Wechseln auf sich herzutragen,&lt;br /&gt;das scheu im Blond nach hinten lief.&lt;br /&gt;Aber auf einmal war der Schatten tief,&lt;br /&gt;und nahe Augen lagen aufgeschlagen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;in einem neuen deutlichen Gesicht,&lt;br /&gt;das wie in einem Bildnis verweilte&lt;br /&gt;in dem Moment, da man sich wieder teilte:&lt;br /&gt;erst war es immer, und dann war es nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Rainer Maria Rilke.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-5108182605367595867?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/5108182605367595867/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=5108182605367595867' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/5108182605367595867'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/5108182605367595867'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/la-rue.html' title='La Rue'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RumabwiX4sI/AAAAAAAAAos/1iuvi_U9Yhg/s72-c/Serendipity.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-652689682849387210</id><published>2007-07-08T22:07:00.000+03:00</published><updated>2008-06-29T00:07:36.315+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><title type='text'>L'Immeuble</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwI-JOov9xI/AAAAAAAAAr8/qktvfKShMUQ/s1600-h/immeuble.gif"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp3.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwI-JOov9xI/AAAAAAAAAr8/qktvfKShMUQ/s400/immeuble.gif" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5116720454915061522" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Das Aleph&lt;/span&gt;&lt;/span&gt; / An jenem strahlenden Februarmorgen, als Beatriz Viterbo starb, nach einem herrscherlichen Todeskampf, der sich keinen Augenblick zu Sentimentalität oder Furcht herabließ, stellte ich fest, daß die Plakatwände an der Plaza Constitución die Reklame für irgendeine Sorte blonder Zigaretten erneuert hatten; das schmerzte mich, da ich begriff, daß das rastlose und weiträumige Universum bereits von ihr abrückte, und das dieser Wandel der erste einer endlosen Reihe war. Das universum mag sich wandeln, ich aber nicht, dachte ich mit melancholischer Eitelkeit; manchmal, ich weiß wohl, hatte meine eitle Ergebenheit sie gereitzt; nun da sie tot war, konnte ich mich ihrem Andenken weihen, ohne Hoffnung, aber auch ohne Demütigung. Ich bedachte, daß der 30. April ihr Geburtstag war; dem Haus in der Calle Garay an diesem Tag einen Besuch abzustatten, um ihren Vater und Carlos Argentino, ihren Vetter ersten Grades, zu begrüßen, war ein untadeliger, vielleicht unumgänglicher Akt der Höflichkeit. Wieder würde ich im Dämmer des vollgepfropften Empfangszimmerchens warten, wieder die Einzelheiten ihrer vielen Porträts studieren: Beatriz Viterbo im Profil, in Farbe; Beatriz mit Halblarve beim Karneval 1921; Beatriz bei ihrer Erstkommunion; Beatriz am Tage ihrer Vermählung mit Roberto Alessandri; Beatriz kurz nach der Scheidung, bei einem Frühstück im Reitclub; Beatriz in Quilmes, mit Delia San Marco Porcel und Carlos Argentino; Beatriz mit dem Pekinesen, den ihr Villegas Haedo schenkte; Beatriz von vorn und im Dreiviertelprofil, lächelnd, die Hand am Kinn ... Diesmal brauchte ich mein Erscheinen nicht wie bei anderen Gelegenheiten mit bescheidenen Büchergaben zu rechtfertigen, Büchern, deren Seiten ich mit der Zeit wohlweislich aufschnitt, um sie nicht Monate später unversehrt zu finden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beatriz Viterbo starb 1929; von da an ließ ich keinen 30. April vorübergehen, ohne mich in ihrem Haus einzufinden. Gewöhnlich kam ich um Viertel nach sieben und blieb rund fünfundzwanzig Minuten; jedes Jahr erschein ich bein bißchen später und blieb ein bißchen länger; 1933 begünstigte mich ein sintflutartiger Regen: Sie mußten mich zum Essen einladen. Natürlich ließ ich diesen Präzedenzfall nicht ungenutzt; 1934 erschien ich, als es bereits acht geschlagen hatte, mit einem Lebkuchen aus Santa Fe und blieb ganz selbstverständlich zum Essen. So empfing ich an melancholischen und eitel erotischen Jahrestagen Carlos Argentino Daneris vertrauliche Mitteilungen. Beatriz war groß, zerbrechlich und ein wenig gebeugt; in ihrem Gang lag (sofern das Oxymoron zulässig ist) etwas wie graziöse Plumpheit, ein Anflug von Ekstase; Carlos Argentino ist rosig, kompakt, ergraut, mit feinen Gesichtszügen. Er geht irgendeiner untergeordneten Tätigkeit in einer obskuren Bibliothek in der südlichen Vorstadt nach; er ist zwar autoritär, aber auch wirkungslos; bis vor kurzem nutzte er Abende und Feiertage, um daheimzubleiben. Nach zwei Generationen haben sich bei ihm das zischende italienische S und die üppige italienische Gebärdensprache noch erhalten. Seine Geistestätigkeit ist unausgesetzt, leidenschaftlich, sprunghaft und völlig unbedeutend. Er schwelgt in untauglichen Analogien und in müßigen Skrupeln. Er hat (wie Beatriz) große, schöne, fein geformte Hände. Ein paar Monate lang war er von Paul Fort besessen, nicht so sehr wegen der Balladen als wegen der Idee eines makellosen Ruhms. "Er ist der Fürst der französischen Dichter", wiederholte er selbstgefällig. "Du magst dich ruhig vergebens gegen ihn sperren; nein auch der giftigste deiner Pfeile wird ihn nie treffen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 30. April 1941 erlaubte ich mir, dem Lebkuchen eine Flasche einheimischen Kognaks hineinzufügen. Carlos Argentino kostete ihn, befand ihn für interessant und begann nach ein paar Gläsern it einer Rechtfertigung des modernen Menschen. "Ich sehe ihn vor mir", sagte er mit nicht ganz erklärlicher Lebhaftigkeit, "in seinem Studienzimmer, gleich einem Türmer im Ausflug einer Stadt versehen mit Telefonen, Telegrafen, Fonografen, Radiogeräten, Kinematografen, Laternae Magicae, Glossaren, Fahrplänen, Handbüchern, Bulletins ... " Er bemerkte, für einen derartig ausgestattenten Menschen sei das Reisen überflüssig: unser 20. Jahrhundert habe die Geschichte von Mohammed und dem Berg umgedreht; heute liefen die Berge zum modernen Mohammed.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So inhaltlos erschienen mir diese Gedanken, daß ich sie unmittelbar mit Literatur in Zusammenhang brachte; ich sagte ihm, er sollte sie doch niederschreiben. Wie vorauszusehen erwiderte er, das habe er bereits getan; diese Idee sowie andere nicht minder neuartige ständen in dem &lt;em&gt;Canto Augural&lt;/em&gt;, dem &lt;em&gt;Canto Prologal&lt;/em&gt; oder - schlicht gesagt- dem &lt;em&gt;Canto-Prólogo &lt;/em&gt;einer Dichtung, an der seit vielen Jahren arbeite, ohne réclame, ohne ohrenbetäubendes Trara, immer nur gestützt auf jene beiden Stäbe, die sich Arbeit und Einsamkeit nennen. Zuerst öffne er der Phantasie die Tore sperrangelweit; dann setzte er die Feile an. Die Dichtung sei betitelt Die Erde; es handle sich um eine Schilderung des Planeten, die es natürlich nicht an pittoresken Abschweifungen und kühne Apostrophen fehlen lasse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bat ihn, mir wenigstens eine kurze Stelle vorzulesen. Er zog eine Schublade am Schreibtisch auf, nahm ein dickes Bündel Heftblätter heraus, die aufgedruckt den Kopf der Bibliothek Juan Crisóstomo Lafinur trugen, und las voll hallender Selbstgefälligkeit:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;He visto, como el griego, las urbes de los hombres,&lt;br /&gt;Los trabajos, los días de varia luz, el hambre;&lt;br /&gt;No corrijo los hechos, no falseo los nombres,&lt;br /&gt;Pero el voyage que narro, es ...&lt;/em&gt; autour de ma chambre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sah, wie der Grieche, die Städte der Menschen,&lt;br /&gt;Die Werke der Tage verschiedenen Lichts, den Hunger;&lt;br /&gt;Ich korrigiere nicht Tatsachen, verfälsche nicht Namen,&lt;br /&gt;Doch führt &lt;em&gt;le voyage&lt;/em&gt; den ich erzähle ...&lt;br /&gt;&lt;em&gt;autour de ma chambre&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Eine Strophe", befand er. "Der erste Vers gewinnt den Beifall des Gelehrten, des Akademikers, den Hellenisten, wenn nicht gar der Möchtegern-Schöngeister, die einen ansehnlichen Teil des Publikums ausmachen; die zweite geht von Homer zu Hesiod über (womit ich hier an der Stirnseite des poetischen Prunkbaus eine implizite Huldigung an den Vater der Lehrdichtung anbringe), nicht ohne ein Kunstmimttel wiederzubeleben, das sich von der Heiligen Schrift herleitet, nämlich die Aufzählung, Häufung oder Ballung; der dritte Vers - Literaturbarock, Dekadentismus, geläuterter und fanatischer Formkult? - besteht aus Zwillings-Hemistischen; der vierte, unumwunden zweisprachig, sichert mir die uneingeschränkte Zustimmung jedes den unbefangenen Neckereien des Scherzgedichts aufgeschlossenen Geistes. Ganz zu schweigen von dem seltenen Reim sowie der Ausschmückung, die mir - ohne Pedanterie - gestattet, in den vier Versen drei gelehrte Anspielungen unterzubringen, die dreißig Jahrhunderte zusammengedrängter Literatur umspannen: die erste auf die &lt;em&gt;Odyssee&lt;/em&gt;, die zweite auf &lt;em&gt;Werk und Tage&lt;/em&gt;, die dritte auf die unsterbliche Bagatelle, die wir den Mußestunden der Feder des Savoyarden verdanken ... Ich lerne wieder einmal verstehen, daß die moderne Kunst nach dem Balsam des heiteren Gelächters, dem scherzo lechzt. Ganz gewiß hat das Wort Goldoni!"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch viele weitere Strophe las er mir vor, die gleichfalls seine Billigung fanden und von ihm verschwenderisch kommentiert wurden. Be,erkenswertes stand in keiner; doch hielt ich sie auch nicht für viel schlechter als die vorstehende. An seinem Stil hatten Beflissenheit, Entsagung und Zufall mitgewirkt; die Tugenden, die Daneri den Versen nachsagte, waren Qualitäten a posteriori. Ich begriff, daß die Arbeit des Dichters herrlich zu finden; natürlich veränderte diese Arbeit das Werk für ihn, aber nicht für andere. Daneris mündliche Wiedergabe war extravagant; seine Ungeschicklichkeit in der Metrik verbot ihm, von ganz wenigen Stellen abgesehen, diese Extravaganz auf die Dichtung zu übertragen. Ein einziges Mal in meinem Leben hatte ich Gelegenheit, die 15 000 Zwölfsilbler des Polyolbion durchzuackern, jenes topographischen Epos, in dem Michael Drayton Fauna, Flora, Gewässer- und Gebrigskunde, Militär- und Mönchsgeschichte Englands verzeichnet hat; ich bin sicher, daß dieses stattliche, aber begrenzte Produkt weniger langweilig ist als das ähnliche angelegte Riesenunternehmen von Carlos Argentino. Hatte er doch vor, die gesamtrundung des Planeten in Verse zu bringen; im Jahre 1941 hatte er bereits einige Hektar des Staates Queensland erledigt und über einen Kilometer vom Lauf des Ob, einen Gasometer im Norden von Veracruz, die wichtigsten Geschäftshäuser der Gemeinde Concepción, das Landhaus von Mariana Cambáceres de Alvear in der Calle Once de Setiembre in Belgrano und ein türlisches Bad unweit des berühmten Aquariums von Brighton. Er las mir ein paar besondere Stellen aus der australischen Zone seiner Dichtung vor; diese ausgewalzten formlosen Alexandriner ließen den verhältnismäßig bewegten Gang der Eingangsverse vermissen. Ich gebe eine Strophe:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sepan. A manderecha del poste rutinario&lt;br /&gt;(Viniendo, claro está, desde el Nornoroeste)&lt;br /&gt;Se aburre una osamenta, ¿Color? Blanquiceleste -&lt;br /&gt;Que da al cornal de ovejas catadura de osario. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man höre. Rechter Hand des routinierten Pfostens&lt;br /&gt;(Man kommt, natürlich, von Nordnordwesten)&lt;br /&gt;Langweilt sich ein Skelett - Farbe? Weißhimmlisch -&lt;br /&gt;Das den Schafpferch wie ein Beinhaus erscheinen läßt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Zwei Kühnheiten!" rief er jubelnd. "Ausgetüftelt, höre ich dich brummen, um Effekt zu machen. Zugegeben, zugegeben. Das eine: das Beiwort 'routiniert', das en passant unübertrefflich die mit Weide- und Landarbeit unweigerlich verbundene Langeweile zum Ausdruck bringt, die weder die Georgica noch unser bereits lorbeerbekränztes Don Segundo je so unverblümt denunziert haben. Die andere: der kraftvolle Prosaismus 'langweilig sich ein Skelett', den der Zärtling mit Abscheu wird verbannt wissen wollen, den aber der Kritiker von männlichem Geschmack höher wird schätzen als sein Leben. Überdies ist der ganze Vers wie auf der Goldwaage abgewogen. Der zweite Halbvers spinnt mit dem Leser den muntersten Schatz an, kommt seiner brennenden Neugier zuvor, legt ihm eine Frage in den Mund und beantwortet sie ... im Nu. Und was sagst du zu meinem poetischen Fund 'weißhimmlisch'? Dieser pittoreske Neologismus &lt;em&gt;suggeriert &lt;/em&gt;den Himmel, der für die australische Landschaft so ungemein bedeutsam ist. Ohne diese Beschwörung enthielte die Skizze ein Übermaß an düsteren Farbtönen, und der Leser sähe sich gezwungen, den Band zu schließen, in innerster Seele von unheilbarer und schwarzer Melancholie getroffen." Gegen Mitternacht verabschiedete ich mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am übernächsten Sonntag rief Daneri mich an; ich glaube, zum erstenmal in meinem Leben. Er schlug vor, wir sollten uns um vier treffen, "um zusammen ein Glas Milch zu trinken, und zwar in der Salon-Bar an der Ecke, deren Eröffnung wir der Fortschrittlichkeit von Zumino und Zungri - du weißt, die Eigentümer meines Hauses - zu verdanken haben, eine Confiserie, die du unbedingt wirst kennenlernen wollen". Ich sagte zu, eher resigniert denn begeistert. Wir hatten Mühe, einen Tisch zu finden; die "Salon-Bar", erbarmungslos modern, blieb hinter meinen gräßlichsten Befürchtungen nur wenig zurück; an den Nachbartischen nannte die erregte Gästeschar die summen, die von Zunino und Zungri ohne Feilschen investiert worden waren. Carlos Argentino tat so, als sei er platt über irgendwelche Errungenschaften der Beleuchtungseinrichtung (die er gewiß schon kannte) und sagte mir mit strengem Nachdruck: "Du wirst, wenn auch, widerstrebend, zugeben müssen, daß es das Lokal hier mit den höchstgestochenen in Flores aufnehmen kann." Dann las er mir noch einmal vier oder fünf Seiten der Dichtung vor. Er hatte sie dem entarteten Prinzip schieren Wortgepränges folgend überarbeitet. Wo er vorher "blau" geschrieben hatte, schwelgte er jetzt in "blauend", "blaulich", ja "azuren". Das Wort "milchig" war ihm noch nicht häßlich genug; in der schwungvollen Schilderung einer Wollwäscherei zog er "milchern", "molkicht", "molken", "molkös" vor ... Bitterlich schmähte er die Kritiker; dann verglich er sie, etwas gnädiger, mit Menschen, "die weder über Edelmetalle noch über Dampfpressen, Walzen und Schwefelsäure verfügen, um Goldschätze auszumünzen, die jedoch &lt;em&gt;den anderen Ort &lt;/em&gt;eines Schatzes &lt;em&gt;andeuten&lt;/em&gt; können". Im selben Atem rügte er die &lt;em&gt;Prologomanie&lt;/em&gt;, "über die sich in seinem köstlichen Vorwort zum &lt;em&gt;Don Quijote&lt;/em&gt; bereits der Fürst der Scharfsinnigen lustig gemacht hat". Er räumte jedoch ein, daß auf die Titelseite seines neuartigen Werks der prunkende Prolog gehöre, von namhafter Hand con brio appliziert. Er setzte hinzu, daß er sich mit dem Gedanken trage, die einleitenden Gesänge seiner Dichtung zu veröffentlichen. Erst da verstand ich die sonderbare telefonische Einladung; der Mann war drauf und dran, mich zu bitten, seinen pedantischen Plunder zu beantworten. Meine Furcht war jedoch unbegründet: Carlos Argentino stellte mit grollender Bewunderung fest, er glaube sich nicht im Epitheton zu irren, wenn er das Prestige gefestigt nenne, das Álvaro Melián Lafinur in sämtlichen literarischen Kreisen erworben habe, dieser homme de lettres, der, sofern ich mich dafür einsetzte, seine Dichtung von Herzen gern mit einem Geleitwort versehen werde. Um einem Mißgriff, der schlechthin unverzeihlich wäre, vorzubeugen, müßte ich mich zum Sprachrohr zweier unbestreitbarer Verdienste machen: der formalen Perfektion und der wissenschaftlichen Strenge, "insofern dieser weitläufige Garten poetischer Tropen, Figuren und Zierate nicht die geringfügigste Einzelheit duldet, die nicht vor der strikten Wahrheiten bestehen kann". Er fügte hinzu, Beatriz habe sich immer mmit Álvaro amüsiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sagte zu, sagte wortreich zu. Ich erklärte, um meine Bereitschaft in ein noch wahrscheinlicheres Licht zu rücken, daß ich nicht am Montag, sondern am Donnerstag mit Álvaro sprechen wolle: während des kleinen Abendessens, das jede Versammlung des Schriftstellerclubs zu krönen pflege. (Derartige Abendessen existieren nicht, doch finden die Versammlungen nachweislich am Donnerstag statt, wovon Carlos Argentino sich an Hand der Zeitungen überzeugen konnte, und was dem Satz eine gewisse Realität verlieh.) Ich sagte mit vorausblickender Schläue, daß ich, bevor ich auf das Vorwort zu sprechen käme, den eigenartigen Plan des Werkes schildern wolle. Wir verabschiedeten uns; als ich in die Calle Bernado de Irigoyen einbog, faßte ich ganz unparteiisch die zwei Zukünfte, die mir blieben ins Auge: a) mit Álvaro sprechen und ihm sagen, daß der Vetter der seinerzeit auch ihm bekannten Beatriz (dieser erläuternde Euphemismus gäbe mir ein Recht, ihren Namen auszusprechen) ein gedicht zusammengeschmiert habe, das die Grenzen der Kakophonie un der Konfusion in Unabsehbare zu erweitern verspreche; b) nicht mit Álvaro reden. Ich erkannte hellseherisch, daß sich meine Trägheit für b) entscheiden würde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Freitag früh an begann das Telefon mich nervös zu machen. Es empörte mich, daß dieses Instrument, das ehemals die unwiderbringliche Stimme von Beatriz hervorgebracht hatte, zum Behältnis der überflüssigen, vielleicht ergrimmten Anklagen dieses eingebildeten Carlos Argentino Daneri herabgesunken war. Glücklicherweise erfolgte nichts außer dem unvermeindlichen Groll, den mir dieser Mann einflößte, der mich einer delikaten Mission betraut hatte und jetzt einfach sitzenließ. Das Telefon verlor für mich seine Schrecken, aber Ende Oktober reif Carlos Argentino mich an. Er war in höchster Aufregung; zuerst erkannte ich seine Stimme überhaupt nicht. Mit Trauer und Zorn stieß er hervor, daß diese nicht mehr zu bändigenden Zunino und Zungri unter dem Vorwand der Erweiterung ihrer ungeheuren Confiserie sein Haus abreißen wollten. "Das Haus meiner Väter, mein Haus, das alteingesessene Haus in der Calle Garay", wiederholte er und vergaß bei dem Singsang vielleicht seinen Kummer. Es fiel mir nicht schwer, seine Betrübnis zu teilen. Wenn man die Vierzig hinter sich hat, wird jede Veränderung zum abscheulichen Symbol des Hingangs der Zeit; überdies handelte es sich um ein Haus, das mich tausendfältig an Beatriz erinnerte. Ich wollte diese hauchzarte Nuance zum Ausdruck bringen; mein Gesprächspartner hörte mich überhaupt nicht. Er sagte, wenn Zunino und Zungri auf diesem sinnwidrigem Vorhaben bestünden, würde Doktor Zunni, sein Rechtsanwalt, ipso facto eine Schadensersatzklage einbringen und sie zwingen, 100 000 Pesos herauszurücken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Name Zunni beeindruckte mich; seine Kanzlei Ecke Caseros und Tacuari ist von sprichwörtlicher Seriösität. Ich fragte, ob er den Fall bereits übernommen habe. Daneri sagte, er wolle noch an diesem Nachmittag mit ihm sprechen. Er wurde unsicher und äußerte mit jener glatten, unpersönlichen Stimme, die wir anzunehmen pflegen, wenn es sich um etwas sehr Persönliches handelt, daß ihm, um die Dichtung zu Ende zu führen, das Haus unentbehrlich sei, denn in einem Winkel des Kellergeschosses befinde sich ein Aleph. Er erklärte, ein Aleph sei einer jener Punkte im Raum, die alle Punkte in sich enthalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Es ist im Keller unter dem Eßzimmer", erklärte er; die Angst ließ seine Redeweise fast erträglich werden. "Es gehört mir: Ich habe es entdeckt, als ich noch ein Kind war, bevor ich in die Schule kam. Die Kellertreppe ist steil, Onkel und Tante hatten mir streng verboten, hinunterzugehen, aber jemand hatte behauptet, im Keller gäbe es eine Welt. Später habe ich begriffen, daß er einen Reisekoffer meinte; ich habe aber angenommen, da wäre wirklich eine Welt. Ich bin heimlich hinuntergegangen, auf der verbotenen Treppe ausgerutscht und hingefallen. Als ich die Augen öffnete, habe ich das Aleph gesehen." "Das Aleph?" wiederholte ich. "Ja, den Ort, an dem, ohne sich zu vermischen, alle Orte der Welt sind, aus allen Winkeln gesehen. Ich habe niemandem meine Entdeckung verraten, aber ich bin wieder hingegangen. Der Knabe konnte ja nicht wissen, daß ihm dieses Vorrecht zuteil wurde, damit dereinst der Mann das Gedicht meißele! Zunino und Zungri werden mich nicht ausplündern, nein und tausendmal nein. Mit dem Gesetzbuch in deer Hand wird Doktor Zunni den Beweis antreten, daß mein Aleph &lt;span style="font-style: italic;"&gt;unvergeßlich&lt;/span&gt; ist." Ich versuchte es mit vernüftigem Zureden. "Aber ist der Keller nicht sehr dunkel?" "Die Wahrheit dringt nicht in ein widerspenstiges Hirn. Wenn alle Orte der Welt im Aleph sind, dann müssen auch alle Leuchtkörper, alle Lampen, alle Quellen des Lichts hier versammelt." "Ich will es mir auf der Stelle ansehen." Ehe er eine Widerrede äußern konnte, legte ich auf. Die Kenntnis einer Tatsache reicht aus, uns sofort eine Reihe bestätigender Züge wahrnehmen zu lassen, die man bis dahin nicht vermutet hatte; ich wunderte mich, daß ich bis zu diesem Augenblick nicht darauf gekommen war, daß Carlos Argentino wahnsinnig war. Überhaupt all diese Viterbos ... Beatriz (das sage ich doch selbst immer wieder) war eine Frau, ein kindliches Geschöpf von geradezu erbarmungslosem Scharfblick; und doch gab es auch bei ihr Nachlässigkeiten, Zerstreutheiten, Versäumnisse, ja wahre Grausamkeiten, die vielleicht einer pathologischen Erklärung bedurften. Carlos Argentinos Wahnsinn erfüllte mich mit boshafter Wonne; im Grunde hatten wir einander nie ausstehen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Calle Garay bat mich die Dienerin, ich möchte so gut sein und einen Augenblick warten. Der Junge halte sich wie immer Keller auf und entwickele Fotografien. Neben der großen Vase ohne Blume lächelte auf dem überflüssigen Piano (eher zeitlos als anachronistisch) das große Porträt von Beatriz in plumpen Farben. Niemand konnte uns sehen; mit liebevoller Verzweiflung näherte ich mich dem Bild und sagte ihm: "Beatriz, Beatriz Elena, Beatriz Elena Viterbo, geliebte Beatriz, für immer verlorene Beatriz, ich bin es, Borges." Bald darauf trat carlos ein. Er sprach ganz trocken; ich begriff, daß er an nichts anderes denken konnte, als an den Verlust des Aleph. "Ein Gläschen von dem Pseudo-Kognak", befahl er, "dann sollst du in den Keller tauchen. Wie gesagt: Rückenlage ist unerläßlich. Desgleichen Dunkelheit, Reglosigkeit, eine gewisse Gewöhnung des Auges. Du legst Dich rücklings auf den Fliesenboden und heftest den Blick auf die neunzehnte Stiege der zugehörigen Steige. Ich gehe, schließe die Luke, und du bleibst allein zurück. Solltest du vor irgendeinem Nagetier Angst haben - macht nichts. Binnen weniger Minuten erblickst du das Aleph, den Mikrokosmos der Alchimisten und Kabbalisten, den konkreten Gottseibeiuns, das &lt;em&gt;multum in parvo&lt;/em&gt;!" Schon im Speisezimmer fügte er hinzu: "Es versteht sich von selbst, daß, falls Du es nicht siehst, deine Unfähigkeit mein Zeugnis nicht entkräftet ... Geh hinunter, binne kürzester Frist wirst du mit allen Bildern von Beatriz Zwiesprache halten können ... "&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich stieg rasch hinunter, seines dämlichen Geredes. Der Keller, kaum breiter als die Treppe, hatte viel von einem Brunnenschacht. Vergeblich suchte ich mit Blicken den Koffer, von dem Carlos Argentino gesprochen hatte. Ein paar Kisten mit Flaschen und ein paar Segeltuchtaschen verstopften eine Ecke. Carlos ergriff eine Tasche, faltete sie zusammen und legte sie an eine bestimmte Stelle. "Das Kissen ist kärglich", erklärte er; "höbe ich es jedoch nur um einen Zentimeter an, sähest du keinen Pfifferling und müßtest verärgert und beschämt den Rückzug antreten. Bequeme deine leibliche Fracht hier auf den Boden und zähle neunzehn Stufen ab." Ich gehorchte seinen lächerlichen Anweisungen; endlich ging er. Behutsam schloß er die Falltür. Die Finsternis, abgesehen von einer Ritze, die ich erst später entdeckte, schien mir vollkommen. Auf einmal begriff ich die Gefahr, in der ich schwebte; von einem Wahnsinnigen hatte ich mich lebendig begraben lassen, nachdem er mir Gift verabreicht hatte. Aus Carlos' prahlerischen Reden sprach die Angst, ich könnte die Wundererscheinung vielleicht nicht sehen; Carlos, um seinen Wahn in Schutz zu nehmen, um nicht zu wissen, daß er wahnsinnig war, mußte mich umbringen. Ich empfand ein dumpfes Unbehagen, das ich auf meine Steifheit, nicht auf die Wirkung eines Narkotikums zurückzuführen versuchte. Ich schloß die Augen, öffnete sie wieder. Da sah ich das Aleph.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun komme ich zum Unsagbaren Mittelpunkt meines Berichts; hier beginnt meine Verzweiflung als Schriftsteller. Alle Sprache ist ein Alphabet aus Symbolen, deren Anwendung eine den Gesprächspartnern gemeinsame Vergangenheit voraussetzt; wie soll ich anderen das unendliche Aleph mitteilen, das mein furchtsames Gedächtnis kaum erfaßt? Die Mystiker helfen sich in einer ähnlichen Klemme mit einer Fülle von Emblemen: um die Gottheit zu bezeichnen, spricht ein Perser von einem Vogel, der irgendwie alle Vögel ist; Alanus ab Insulis von einem Kreis, dessen Mittelpunkt überall, denn Umfang aber nirgendwo ist; Ezechiel von einem Engel mit vier Gesichtern, der sich gleichzeitig nach Osten und Westen, nach Norden und Süden wendet. (Nicht umsonst erinnere ich an diese unbegreiflichen Analogien; sie stehen mit dem Aleph in einer gewissen Beziehung.) Vielleicht würden auch mir die Götter den Fund eines entsprechenden Bildes nicht versagen, aber dann wäre dieser Bericht kontaminiert von Literatur, von Falschheit. Überdies ist das Kernproblem unlösbar: die Aufzählung, wenn auch nur die teilweise, eines unendlichen Ganzen. In diesem gigantischen Augenblick habe ich Millionen köstlicher oder gräßlicher Vorgänge gesehen; keiner erstaunte mich so sehr wie die Tatsache, daß sie alle in demselben Punkt stattfanden, ohne Überlagerung und ohne Transparenz. Was meine Augen sahen, war simultan: was ich beschreiben werde, ist sukzessiv, weil die Sprache es ist. Etwas davon will ich gleichwohl festhalten. Im unteren Teil der Stufe, rechter Hand sah ich einen kleinen regenbogenfarbenen Kreis von fast unerträglicher Leuchtkraft. Anfangs glaubte ich, er drehe sich um sich selber; später begriff ich, daß diese Bewegung eine illusion war, hervorgerufen durch die schwindelerregenden Schauspiele, die er barg. Im Durchmesser mochte das Aleph zwei oder drei Zentimeter groß sein, aber der kosmische Raum war darin, ohne Minderung seines Umfangs. Jedes Ding (etwa die Scheibe eines Spiegels) war eine Unendlichkeit von Dingen, weil ich sie aus allen Ecken des Universums deutlich sah. Ich sah das belebte Meer, ich sah Morgen- und Abendröte, ich sah die Menschenmassen Amerikas, ich sah ein silbriges Spinnennetz im Zentrum einer schwarzen Pyramide, sah ein aufgebrochenes Labyrinth (das war London), sah unzählige ganz nahe Augen, die sich in mir wie in einem Spiegel ergründeten, sah alle Spiegel des Planeten, doch reflektierte mich keiner, sah in einem Durchgang der Calle Soller die gleichen Fliesen, die ich vor dreißig Jahren im Flur eines Hauses in Fray Bentos gesehen hatte, ich sah Weintrauben, Schnee, Tabak, Metalladern, Wasserdampf, ich sah aufgewölbte Wüsten am Äquator und jedes einzelne Sandkorn darin, sah in Inverness eine unvergeßliche Frau, sah das unbändige Haar, den hochgemuten Körper, sah eine Krebsgeschwulst in der Brust, sah einen Kreis trockene Erde auf einem Pfad, wo vordem ein Baum gestanden hatte, sah in einem Landhaus in Adrogué ein Exemplar der ersten englischen Pliniusübersetzung, der von Philemon Holland, sah gleichzeitig jeden Buchstaben auf jeder Seite (als Kind wunderte ich mich immer, daß die Lettern in einem geschlossenen Buch nicht bei Nacht durcheinandergeraten und sich verirren), ich sah die Nacht und den Tag gleichzeitig, sah einen Sonnenuntergang in Querétaro, der die Farbe einer Rose in Bengalenwiderzuerstrahlen schien, sah mein Schlafzimmer und niemanden darin, sah in einem Kabinett von Alkmaar einen Globus zwischen zwei Spiegeln, die ihn endlos vervielfältigen, sah Pferde mit zerstrudelter Mähne auf einem Strand am Kaspischen Meer in der Morgenfrühe, sah das feine Knochengerüst einer Hand, sah die Überlebenden einer Schlacht, wie sie Postkarten schrieben, sah in einem Schaufenster in Mirzapur ein spanisches Kartenspiel, sah die schrägen Schatten von Farnen am Boden eines Treibhauses, sah Tiger, Dampfkolben, Bisons, Sturzfluten und Heereszüge, sah alle Ameisen, die es auf der Erde gibt, sah ein persisches Astrolabium, sah in einer Schublade des Schreibtischs (und beim Anblick der Handschrift erbebte ich) obszöne, unglaubliche, eindeutige Briefe, die Beatriz an Carlos Argentino geschrieben hatte, sah ein angebetetes Denkmal auf dem Chacarita-Friedhof, sah die gräßliche Reliquie dessen, was so köstlich Beatriz Viterbo gewesen war, sah das Kreisen meines dunklen Blutes, sah das Räderwerk der Liebe und die Veränderung des Todes, sah das Aleph aus allen Richtungen zugleich, sah im Aleph die Erde und in der Erde abermals das Aleph und im Aleph die Erde, sah mein Gesicht und meine Eingeweide, sah dein Gesicht und fühlte Schwindel und weinte, weil meine Augen diesen geheimen und gemutmaßten Gegenstand erschaut hatten, dessen Namen die Menschen in Beschlag nehmen, den aber kein Mensch je erblickt hat: das unfaßliche Universum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich fühlte unendliche Verehrung, unendliches Bedauern. "Der Schädel muß dir brummen von allem, was du unberufen ausspioniert hast", sagte eine widerwärtige joviale Stimme. "Wenn du dir auch das Gehirn ausschwitzt - nicht in einem Jahrhundert wirst du mir diese Offenbarung heimzahlen können. Ein sagenhaftes Observatorium, was, Borges?" Die Schuhe von Carlos Argentino nahmen die oberste Stufe ein. Im jähen Zwielicht gelang es mir, mich aufzuraffen und zu stammeln: "Sagenhaft. Ja, sagenhaft." Der gleichgültige Klang meiner Stimme befremdete mich. Ängstlich gespannt fragte Carlos Argentino: "Hast du auch alles richtig gesehen, in Farben?" In diesem Moment sah ich meine Rache. Wohlwollend, betont mitleidig, nervös, ausweichend dankte ich Carlos Argentino für die Gastlichkeit seines Kellers und legte ihm dringend nahe, den Abbruch des Hauses zu benutzen, um sich von der verderblichen Metropole zu entfernen, die keinen - "glaub mir, keinen!" - ungeschoren läßt. Ich versagte mich mit sanftem Nachdruck der Erörterung des Aleph; ich umarmte ihn und sagte ihm noch einmal, daß Landluft und Ausspannung zwei vortreffliche Ärzte sind. Auf der Straße, auf den Treppen von Constitutión, in der Untergrundbahn kamen mir alle Gesichter bekannt vor. Ich fürchtete, daß kein Ding mehr imstande sei, mich zu überraschen, ich fürchtete, nie mehr den Eindruck von Wiederkehr loszuwerden. Glücklicherweise überfiel mich nach ein paar Nächten der Schlaflosigkeit wiederum das Vergessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachtrag vom 1. März 1943. - Sechs Monate nach dem Abriß des Gebäudes in der Calle Garay warf der Verlag Procrustes, ohne sich von der Länge der stattlichen Dichtung abschrecken zu lassen, eine Auswahl "Argentinischer Stücke" auf den Markt. Es ist müßig, alles aufzuzählen, was dann geschah; Carlos Argentino Daneri erhielt den Zweiten Nationalpreis für Literatur. "Ich habe Deine grämliche Gratulation erhalten", schrieb er mir. "Aufwallungen, mein beklagenswerter Freund, von schierem Neid, aber auch wenn Du daran erstickst, wirst Du zugeben müssen, daß ich diesmal mein Barett mit der flammenden Feder krönen konnte, meinen Turban mit dem Kalifen aller Rubine." Der Erste wurde Doktor Aita zugesprochen, der Dritte Doktor Mario Bonfanti; unglaublicherweise entfiel auf mein Werk Die Karten des Zinkers keine einzige Stimme. Wieder einmal trugen Unverständnis und Neid den Sieg davon. Schon seid langem sehe ich Daneri nicht mehr; die Zeitungen stellen das Erscheinen eines weiteren Bandes in Kürze in Aussicht. Seine glückliche Feder (der jetzt kein Aleph mehr im Wege steht) hat sich einer verzweiflung der Stoffsammlungen von Doktor Acevedo Diaz zugewandt. Zwei Bemerkungen will ic noch anfügen: eine über das Wesen des Aleph, eine andere über seinen Namen. Aleph ist bekanntlich der erste Buchstabe des Alphabets der heiligen Sprache. Seine Anwendung auf die Scheibe in meiner Geschichte scheint kein Zufall zu sein. Für die Kabbala bezeichnet dieser Buchstabe das En Soph, die unbegrenzte und lautere Göttlichkeit; auch wurde gesagt, daß das Aleph die Gestalt eines Menschen habe, der auf den Himmel und die Erde zeigt um anzudeuten, daß die untere Welt Spiegel und Kartenbild der oberen sei; in der Mengenlehre ist es das Zeichen für die transfiniten Zahlen, bei denen das Ganze nicht größer ist als eines seiner Teile. Ich möchte wissen: Hat Carlos Argentino diesen Namen erwählt, oder hat er ihn gelesen, in bezug auf einen anderen Punkt, in dem alle Punkte zusammentreffen, in einem der zahllosen Texte, die das Aleph seines Hauses ihm enthüllte? So unglaublich die Sache erscheinen mag; ich glaube, daß es ein anderes Aleph gibt (oder gab), ich glaube, daß das Aleph in der Calle Garay ein falschen Aleph war. Und zwar aus den folgenden Gründen. Um das jahr 1867 hatte Hauptmann Burton in Brasilien das Amt eines britischen Konsuls inne; im Juli 1942 entdeckte Pedro Henríquez Urena in einer Bibliothek von Santos ein Manuskript von ihm, das von dem Spiegel handelt, den der Orient Iskandar Zul-Karnayn oder Alexander Bicornis von Makedonien zuschreibt. In seinem Kristall spiegelte sich das gesamte Universum. Burton erwähnt andere ähnlich geartete Geräte: den siebenfachen Kelch von Kai Khosru, den Spiegel, den Tarik Ibn Ziyad in einem Turm fand (&lt;span style="font-style: italic;"&gt;1001 Nacht&lt;/span&gt;, 272), den Spiegel, den Lukain von Samosata auf dem Mond untersuchen konnte (&lt;span style="font-style: italic;"&gt;Wahre Geschichte&lt;/span&gt;, I, 26), die Spiegellanze, die das erste Buch des &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Satyricon&lt;/span&gt; von Capella dem Jupiter zuschreibt, Merlins Weltenspiegel, "rund und hohl und gleich einer Welt aus Glas" (&lt;span style="font-style: italic;"&gt;The Faerie Queene&lt;/span&gt;, III, 2, 19) - und er fügt die folgenden merkwürdigen Worte hinzu: "Die vorstehend erwähnten jedoch (ganz abgesehen von dem Mangel, daß es sie nicht gibt) sind lediglich optische Instrumente. Die Gläubigen, die sich zu Kairo in der Amr-Moschee versammeln, wissen ganz genau, daß das Universum im Innern einer der Steinsäulen ist, die den Mittelhof umgeben ... Natürlich kann niemand sie sehen; aber wer das Ohr an ihre Oberfläche legt, erklärt, daß er alsbald ihr geschäftiges Brausen hört ... Die Moschee stammt aus dem siebten Jahrhundert; die Säulen kommen aus anderen Tempeln vorislamischer Religionen, denn, wie bei Ibn Khaldun zu lesen steht: 'In von Nomaden gegründeten Gemeinwesen ist bei allem, was mit Maurerhandwerk zu tun hat, die Mitwirkung von Fremden unentbehrlich.'" Existiert das Aleph im Innern eines Steins? Habe ich es gesehen, als ich alle Dinge sah, und habe ich es vergessen? Unser Geist ist dem Vergessen gegenüber porös; ich selbst verfälsche und verliere doch infolge der tragischen Erosion der Jahre die Gesichtszüge von Beatriz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Für Estela Canto von Jorge Luis Borges.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-652689682849387210?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/652689682849387210/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=652689682849387210' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/652689682849387210'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/652689682849387210'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/limmeuble.html' title='L&apos;Immeuble'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwI-JOov9xI/AAAAAAAAAr8/qktvfKShMUQ/s72-c/immeuble.gif' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-8475362221663926922</id><published>2007-07-07T22:07:00.001+03:00</published><updated>2008-09-27T21:34:38.004+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><title type='text'>Murs</title><content type='html'>&lt;a style="" href="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rs15nRsFV-I/AAAAAAAAAl0/U0lFJeI6E5o/s1600-h/jetee_moderns_mepris.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5101867668550801378" style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer;" alt="" src="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rs15nRsFV-I/AAAAAAAAAl0/U0lFJeI6E5o/s400/jetee_moderns_mepris.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;Dig: I'm Jewish. Count Basie's Jewish. Ray Charles is Jewish. Eddie Cantor's goyish. B'nai B'rith is goyish; Hadassah, Jewish.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;If you live in New York or any other big city, you are Jewish. It doesn't even matter if you're Catholic; if you live in New York, you're Jewish. If you live in Butte, Montana, you're going to be goyish even if you're Jewish.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kool-Aid is goyish. Evaporated milk is goyish even if the Jews invented it. Chocolate is jewish and fudge is goyish. Fruit salad is jewish. Lime Jell-O is goyish. Lime soda is &lt;em&gt;very&lt;/em&gt; goyish.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;All Drake's Cakes are goyish. Pumpernickel is Jewish and, as you know, white bread is very goyish. Instant potatoes, goyish. Black-cherry soda's very Jewish, macaroons are &lt;em&gt;very&lt;/em&gt; Jewish.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Negroes are all Jews, Italians are all Jews. Irishmen who have rejected their religion are Jews. Mouths are very Jewish. And bosoms. Baton-twirling is goyish.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Underwear is definitely goyish. Balls are goyish. Titties are Jewish.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Celebrate is a goyish word. Observe is a Jewish word. Mr and Mrs Walsh are &lt;em&gt;celebrating&lt;/em&gt; Christmas with Major Thomas Moreland, USAF (ret.), while Mr and Mrs Bromberg &lt;em&gt;observed&lt;/em&gt; Hannukah with Goldie and Arthur Schindler from Kiamesha, New York.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ By Lenny Bruce.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-8475362221663926922?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/8475362221663926922/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=8475362221663926922' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/8475362221663926922'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/8475362221663926922'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/murs.html' title='Murs'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rs15nRsFV-I/AAAAAAAAAl0/U0lFJeI6E5o/s72-c/jetee_moderns_mepris.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-898658910382695237</id><published>2007-07-06T22:06:00.000+03:00</published><updated>2008-06-29T00:14:25.712+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Metric'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><title type='text'>Escaliers</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsHCQZDt-I/AAAAAAAAAvI/uxw8DNal4ws/s1600-h/divingbellbutterflypic2.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsHCQZDt-I/AAAAAAAAAvI/uxw8DNal4ws/s400/divingbellbutterflypic2.jpg" border="0" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5204761529697941474" /&gt;&lt;/a&gt;Zadie Smith swears she is not her own worst critic. "Oh no, there are much worse. Google a little! There are people who hate me way more than I hate me," she says lightly, speaking by cell phone from a cozy hammock in her North London backyard. Despite this protest, Smith has been unusually outspoken about her defects. Shortly after the publication of her debut novel, &lt;i&gt;White Teeth&lt;/i&gt;, in 2000, she denounced it as "the literary equivalent of a hyperactive, ginger-haired tap-dancing 10-year-old" and compared her style to "a script editor for &lt;i&gt;The Simpsons&lt;/i&gt; who'd briefly joined a religious cult and then discovered Foucault." Smith's penchant for self-flagellation suggests a combination of cunning and wisdom. Preemptively dismissing her books disarmed reviewers, who, in backlash to the hype around &lt;i&gt;White Teeth&lt;/i&gt;, damned her as a fashionable multicultural wunderkind. Her auto-critiques also served as a defensive shield, preventing all that praise from clogging up her brain while she pushed her own boundaries. &lt;p&gt;That's what she's done with &lt;i&gt;On Beauty&lt;/i&gt;, her third novel, which veers away from the flashy wit and diverse London backdrops of the first two books and instead offers an ambitiously sprawling, gentle homage to E.M. Forster's &lt;i&gt;Howards End&lt;/i&gt; disguised as an American campus novel. Like Forster's book, it depicts the collision of two very different families: the boisterously liberal Belseys and the deeply traditionalist Kipps. Howard Belsey is a white art history professor in the throes of midlife crisis. His marriage to vibrant African American wife Kiki is collapsing, due to his unfaithfulness. And he's devoting too much psychic energy to an ideological pissing war with Monty Kipps, an Anglo-Caribbean provocateur who arrives at Belsey's elite Massachusetts university disparaging affirmative action and generally aggravating the liberal Belseys with his ultraconservative rhetoric. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Far from setting out to write an academic novel, Smith says she's not even a fan of the genre, aside from Nabokov's &lt;i&gt;Pnin&lt;/i&gt;. "If I had more experience in work environments, I would have chosen a different profession, but my longest experience has been in universities," she admits sheepishly, having recently spent a year as a fellow at Harvard. Although there are plenty of sharply etched campus scenes, her goal was to follow these characters into their living rooms and explore "the way very intelligent people occasionally mess up their personal lives." &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Smith likes messiness in literature, and it's a good thing too. &lt;i&gt;On Beauty&lt;/i&gt; is even more entertaining and bumpy than her previous novels, crammed with characters who speak in wildly different registers and get tangled up in sex, class, and racial snares. She's currently working on a collection of essays (tentatively titled &lt;i&gt;Fail Better&lt;/i&gt;)&lt;i&gt; &lt;/i&gt;in which she positively celebrates the unevenness&lt;b&gt; &lt;/b&gt;of favorite writers. She admires, for instance, the emotional richness evoked by Forster's muddled structures and erratic creations. "When I read novels, their failures are part of what I love about them," she says. "Part of the joy of them is that there's always a blind spot, and I'm interested in the way writers fail to give you what you want, even the greatest writers." &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Amid the juicy prose and the bustle of activity in &lt;i&gt;On Beauty&lt;/i&gt;, plotlines and characters occasionally feel unfinished. Howard's wife, Kiki, comes off as vaguely delineated, a buxom black representative of body and desire, yet remains a magnetic figure adrift in his academic universe. "Everywhere we go, I'm alone in this . . . this &lt;i&gt;sea &lt;/i&gt;of white," she hollers at her husband during a fight. "I don't even see any black folk unless they be cleaning under my feet in the fucking café of your &lt;i&gt;fucking&lt;/i&gt; college." Smith says that she sensed this loneliness in her own mother, a working-class kid who became a psychoanalyst. "When you're black and middle-class, you're alone — everybody else is white. You have to talk like them and act like them. But then when I'd see Mum get together with a few of her black colleagues, they'd act like different people, because they could let loose. You're doing really well but you've had to transform yourself in order to do it." &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Smith herself has undergone a huge transformation over the last five years, from geeky Cambridge student to Booker-short-listed superstar. "You have a sense of yourself as a kid from the underground. Then you write a book and a million people buy it—you're obviously a little more populist than you thought, so that's a bump to the ego!" she says with a husky laugh. On top of that, she offers, "I'm obviously extremely middle-class now. I'm sitting in a hammock, which is extremely suspect." She lives across the street from the housing project where she grew up and sometimes feels nostalgic for her humble roots — especially when stuck at a starchy dinner party so boring she wants to rip out her eyeballs. "That didn't use to happen when I was working-class. And there are vital parts of the culture I'll forever be removed from." Still, Smith's success has provided an amazing freedom that allows her to write at her own pace — or not write at all. She insists we shouldn't expect her essay collection anytime soon, considering how well this lazing-around-in-the-backyard thing is going. "It's hard to write in a hammock. You shouldn't try."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;With a certain knack for evading a question she doesn't intend to answer, Zadie Smith is able to bulldoze through a Q&amp;amp;A session with the dexterity of a young (but experienced) movie star. At the age of thirty, she already has three well-received novels under her belt, and her celebrity — some might say notoriety — has taken up copious real estate in London's gossip columns. She gave me an hour. I caught her on her cell phone outside a Starbucks in what she called a "really awful part of town," and we talked amidst the din and whoosh of passing traffic while she roamed the streets in search of a cigarette lighter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clearly, if it weren't for her publicists and for pesky interviewers like me, she wouldn't do any interviews at all. (She's already stopped doing them entirely in the U.K.) She'd much prefer to leave behind the media circus and allow her new novel, &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;On Beauty&lt;/span&gt;, to speak for itself.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;It could.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"One may as well begin with Jerome's e-mails to his father." The novel's first line, which almost exactly echoes the first line of &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Howard's End&lt;/span&gt;, is the first tip that we're in store for some wonderful plot twists à la E. M. Forster. Smith admits as much in her acknowledgments. &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;On Beauty&lt;/span&gt;, she writes, is an "&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;hommage&lt;/span&gt;" to Forster, "to whom all my fiction is indebted." She wanted to return to the fiction she'd been brought up on to see if it could reflect contemporary concerns. The result is a sprawling Edwardian novel set in a fictional Massachusetts college town, which casts a struggling marriage against the backdrop of the racial and cultural questions of today.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Twenty-year-old Jerome Belsey is sending those e-mails from the home of his father's intellectual nemesis. Both men are Rembrandt scholars, but Montague Kipps has published successfully while Howard Belsey's manuscript languishes unfinished, his tenure prospects dangling by a string. They stand at opposite ends of the cultural and political spectrum. Howard is white, British, and represents liberal intellectualism. Monty Kipps, a Trinidadian academic, is a reactionary who opposes affirmative action and wants to take the word "liberal" out of "Liberal Arts." The mere mention of Monty Kipps is enough to send Howard into a tailspin of apoplectic fits. But when faced with the possibility that his son might marry into the Kipps family, Howard is compelled to try to set things straight—though, as he is wont to do, he only manages to make matters worse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The other, more important thing Howard is busy botching is his thirty-year marriage to Kiki, an American black woman. Kiki is an intuitive and wise figure, who has an enormous capacity for forgiveness. She and Howard have their differences, which have become more pronounced with time. "He was bookish, she was not; he was theoretical, she political," Smith writes. "She called a rose a rose. He called it an accumulation of cultural and biological constructions circulating around the mutually attracting binary poles of nature / artifice."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Not surprisingly, the Belsey children, like their parents, are strong individuals. Jerome becomes a Christian, inviting his agnostic father's scorn; Zora, who considers herself "the essential bridge between Wellington's popular culture and her parents' academic culture," muscles her way into the poetry class taught by Howard's mistress; and Levi, the youngest, adopts a "faux Brooklyn accent," tells friends he's from Roxbury, and when his boss calls him a nigger, quits and joins up with a group of Haitian immigrants fighting for political change. We meet this family at the moment of their unhinging.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;With a nod to Aristotle, Zadie Smith believes that fiction is a "hypothetical area" in which to experiment with possible courses of action. &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;On Beauty&lt;/span&gt; contemplates ways in which characters make or fail to make moral decisions. It is a meditation on the ideal of the university and the potential perversion of it; the fragility and strength of relationships; and the ways in which society influences perceptions of beauty.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith has had the charmed publishing career that most novelists only dream of. Her debut, &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;White Teeth&lt;/span&gt; (2000), catapulted her onto the literary scene. Shortlisted for the Man Booker, it won the Whitbread First Novel Award and the BBC snatched up the rights to make it into a television movie. But Smith refuses to be defined by her past successes. She's been quoted calling &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;White Teeth&lt;/span&gt; a "baggy monster" and "the literary equivalent of a hyperactive, ginger-haired tap-dancing 10-year-old." Her second novel, &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Autograph Man&lt;/span&gt; (2002), about a young man obsessed with obtaining the autograph of a famous woman, won the Jewish Quarterly Literary Prize for Fiction. &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;On Beauty&lt;/span&gt;, a departure from Smith's previous postmodern stylings, has just been named a finalist for this year's Man Booker Prize.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: What about E. M. Forster's work made you want to pay, as you say, hommage to him?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: I suppose he's my first love fiction-wise. He seems to me a very humane novelist—and one who's actually much more interesting than he appears to be on the surface. He's extremely English. If you're born here, he naturally means a lot to you. Beyond that, I don't really know. I just really like him.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sorry, that's not a very good answer. I'm a little bit chilly outside a Starbucks in a really awful part of town. Sorry. Go on. I'll warm up, I'm sure.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: The first line of On Beauty echoes the first line of Howard's End. And there are also certain plot similarities. But what really interested me was the way the point of view weasels its way into the minds of all of the characters, both large and small, which is also something you see in Forster.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Yes, that's very Forsterian.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: And then there's the expansive third-person narrative voice.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: In a lot of American fiction, particularly young American fiction, the idea of writing third person is anathema. But I didn't even know there were novels that weren't in third person until I was quite advanced in years. So that kind of narrative voice seems natural to me.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also, I think of On Beauty as a kind of tying up of my childhood interests.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Do you mean in terms of literature?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Yes, partly. English fiction was something I loved growing up and it changed my life—it changed the trajectory of my life. I went to university to study English literature, which wasn't really normal for my family or my background. So it's something I have a lot of affection for. I'm particularly fond of realism and social comedy and fiction that delves into ethics. That's considered a bit old hat these days, but I learned how to be who I am through reading books like that. And I wanted at least once in my life to write a book like that. I wanted to prove to myself that an old-fashioned type of novel could be written that would be able to do things that were modern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;But once is enough! It's incredibly hard work. I think next time I'll just write in the first person. It seems a lot easier and a lot more fun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Do you outline your novels?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: I don't take notes. I don't have any notebooks. I keep on trying to do that because it seems like a very writerly thing to do, but my mind doesn't work that way. I tend to get the idea for a novel in a big splash. Usually I work out the plot for the first half and then kind of feel my way through the other half. I wouldn't say I make excessive plans, though.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: I wonder about the process of re-envisioning a classic, of using the skeleton of another novel. How is that different from envisioning a novel from whole cloth?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: The process of writing On Beauty was not that different, actually. All my books are made up of other books. They're all deeply structured on other fiction, because I was a student in fiction and I didn't have much actual living to draw on. I suspect a lot of other people's novels are like that, too, though they might be slower to talk about it.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: In On Beauty we have two families, the Belseys and the Kippses, that are, as Jerome Belsey writes in one of his e-mails to his father, "negativized images" of one another. Take Howard Belsey and Monty Kipps. They're both Rembrandt scholars, but that's where their similarities end. Generally speaking, these two men seem to embody the religious and political divide in America.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Do you think? Well, yeah. People profess to have certain political positions, but their conservatism or liberalism is really the least interesting thing about them. That's sort of what I wanted to write about. I'm really not interested in whether somebody is a conservative or not. I'm interested in what kind of human being he is when he makes various life choices. Sometimes that can be completely subsumed by politics and ideology, but I was interested in looking at two men who believe that their ideology is king, when actually it doesn't have any impact on their day-to-day decision-making. That's more interesting than the liberal versus conservative opposition, I think.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Academics don't come out looking all that great in your novel. Both of these men make some decisions that end up hurting people.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: When I was growing up, I was so excited by the idea of an intellectual that I presumed that a perfect life went along with it—but of course that's not the way intellectuals work, or anybody works. So I guess the book is a bit about that, too. But it drives me crazy when people dismiss the idea of a university. To me university is the finest thing, the finest creation of humanity. It's just that usually it goes slightly pear-shaped.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: I'm interested in what you did at Harvard as a Radcliffe Institute Fellow.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Mainly you just keep to yourself. You sit in a room and do your work. You don't have any contact with the university. You have contact with forty other women fellows who are also doing their work. It's slightly autistic in that way, actually.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I produced two short stories in my year there. Not very effective use of time, but it was really, really enjoyable. It was terrific.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Did your time in Cambridge have anything to do with your decision to set the novel in Massachusetts?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Massachusetts absolutely inspired it. I think this was the first time I've actually written about natural things. I always notice that in my books there are no trees, no birds, no landscape at all—because I know nothing about that stuff. But being in Massachusetts was like a sensory overload. It was absolutely phenomenal. I spent a lot of time walking around, and I think that turns up in the book—the streets, the colors. I found it was such a beautiful part of America. I didn't realize how lovely it was. When my mother read the book, she said, "What's with all the snow? Every couple of pages there's six feet of snow."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Being at Harvard also reminded me of my own experience as a student. When it came to writing the academic part of the novel, I was thinking about how I felt when I was a student—how lost I felt a lot of the time, and confused about what I wanted and what I was getting. I always knew I would write a campus novel. I've read a lot of them and I've thought a lot about Nabokov's novel Pnin. When I started this book, I knew I wanted the characters to be intelligent, but I wasn't sure if I wanted them to be academics. When I was at Harvard, I started thinking about all that again.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: I thought you did a good job of capturing some of the local details. The Big Dig, the shoot-from-the-hip dean's assistant, some local phrases.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: The main thing I wanted to try to capture was American voices. For the most part, I find you write them exactly as you would English voices—add a few things here and there, subtract a few others, and don't worry about it too much.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Have you ever thought of going into academia yourself?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: I would love to be an academic. But I'd need to get a Ph.D., so that's what I'm half working on at the moment. I'm writing a book of essays that I'd like to submit to my old college. That's the plan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Could you tell me a bit about it?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: It's going to be called Fail Better: The Morality of the Novel. It's basically just a collection of essays on twentieth-century writers. It's about ethics and the novel. I don't know if it's particularly thrilling. But it's extremely enjoyable to be a critic again. I don't enjoy writing about books I don't like—I just haven't got the energy for it. So it's mainly about books I love.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;There was a journal printed in the early eighties, which talked about fiction as a way of doing moral philosophy. Moral philosophy is an arcane language for a lot of people, but fiction is a way of practicing much of the same ideas in a wider field. To put it simply, fiction is like a hypothetical area in which to act. That's what Aristotle thought—that fictional narrative was a place to imagine what you would do in this, that, or the other situation. I believe that, and it's what I love most about fiction. So that's kind of what the book is about.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: I would love to talk about Kiki and Howard and their marriage, since their domestic struggles are a big focus of the novel.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: The one thing I really wanted to do—and I don't know how well I achieved it—was to make Howard's job be incidental. I tried to set as few scenes as possible in the university, because I primarily wanted the book to be about their marriage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Kiki mentions a couple of times her relief at not being an intellectual, although she's actually the most thoughtful character in the book in many ways.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Kiki's point of view is partly the way I feel. I used to think of myself as an intellectual, but having now met real intellectuals I know what I am and it's not quite that. Sometimes it makes me sad and sometimes I feel relief.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: The fact that Howard is white and Kiki is black is an important aspect of their marriage. Howard says he "dislikes and fears conversations with his children that concern race." Kiki complains at one point that her life is becoming too white. Are you still there?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Yeah, yeah, I'm just having a cigarette. I'm still with you.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I know it seems improbable, but it really isn't the race thing that I'm interested in. I'm just interested in the difference thing. It wouldn't really matter if the difference were a completely other thing—if one of them was very rich and the other was very poor, for example. The race thing is the first thing I reach for, since I was brought up in a biracial family, but I was just as interested in Howard being really skinny and Kiki being really big as in them being of different colors. The race thing is not really their problem. Their problem is that she's a woman and he's a man and she's getting older and that does different things to women than it does to men. That's the main deal with them. I think the color thing is slightly further down in the problem pile.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: As for the Belsey children, I found myself continuing to think of them after I'd finished the novel and wondering what would become of them. I imagine Zora becoming a professor or politician. Jerome, a minister. And Levi, he was my favorite ...&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: He seems to be everybody's favorite. He really is the only autobiographical thing in the book. He's my little brother. I think all the critics should come meet my little brother. He's so popular. Maybe that's the trick. Maybe I should just base all my characters on real people.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: I can't imagine that would be a good idea.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Yeah, maybe that's not such a good plan. But my brother Luc is a very engaging boy and he was a joy to write. Maybe it was the happiness of writing him that makes him such a memorable character.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: You get the sense that Levi is still trying figure things out. Certainly his older siblings are a little bit further on than him.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: My little brother is just coming out of his teenage years. He's twenty-one now. He has a passion for every single subject, even ones he knows absolutely nothing about. He's very amusing that way. He'll never read the book, which is a shame, because I'd like him to read it. Maybe I'll put it on audio or something and force it into his headphones.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Maybe if he knows a character is based on him?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: No, he's disinterested. Deeply disinterested. I told him already. He read the first fifty pages, but because his character wasn't in it sufficiently that far in, he quit. But you never know. Maybe when he gets older.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Do you wonder about the lives of your characters outside the boundaries of the novel?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: With my previous two books, I didn't. We're talking right now about the characters in On Beauty as if they actually existed in some way. If someone tried to talk to me about the characters in White Teeth in that way, it was ridiculous to me. I couldn't. To me those characters were just a collection of sentences, and I couldn't engage at all with the idea that they were in any way real people. But with this book I feel differently. Maybe that's a good thing in terms of my development.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I also feel that this book was more of a surprise to me. I didn't really know what I was doing for a lot it, and that wasn't such a terrible thing, actually.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;But I still haven't answered the question. More than anything, I wonder what would happen to Howard and Kiki's marriage. On the evidence of people around you, it doesn't look good. Everybody seems to get divorced. When my mother read the book she said that it was incredibly romantic given the reality of most people's lives. It's tough out there.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Let's talk about the theme of beauty. How did you come up with this title?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: I don't fuck around with titles. I come up with them immediately and then don't ever think about changing them. And I've stockpiled them. This one came from Elaine Scarry's book, On Beauty and Being Just. I read her book and then my husband wrote a poem (which I include in my novel), which takes its title from Scarry's book, and then I took the title for my novel. So I was third in line for the On Beauty title! But even last year there was a book called On Beauty published by Umberto Eco, so it's in no way an original title.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;The title is also another way of tying up the loose ends of what I started when I was nineteen. My first two novels are like essays, because I had just come out of college and I wrote books like essays. I'd think up a theme and tie up all the ends and ta-da! There's your novel. I kind of wanted to call this book On Beauty to recognize that trait in me and also to try and kick free of it a little bit. So it is a book about beauty, but in a very loose sense, and it's about all these other things, as well.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I'm trying to find a lighter here. Go on.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: This novel looks at the social concept of female beauty, how society defines beauty.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Absolutely.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Kiki was thin in her youth, but as an adult she's a full-bodied woman. "Her body had directed her to a new personality; people expected new things of her, some of them good, some not." At the opposite end of the spectrum, there's Monty Kipps's beautiful daughter: "each leg was perfectly wrapped, separated and fetishized in its tube of denim."&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Personally, I had the opposite experience of Kiki. I was very big as a child and now I'm not big. It's eye-opening to have fantasized about being thin one day and then to actually realize what it means to be a not-enormous woman walking down the street, and how people consider you their property in some way. It's fascinating. It also confirmed for me a lot of the angry thoughts I had as a teenager, about how the world is unbelievably biased toward beautiful women. But it also devours them, sells them, determines their lives. Beautiful women are perhaps even less free than those who fall outside of the traditional definition of beauty. Black women are lucky in not having—so far—an enormous beauty industry to hound them every fucking day of their lives. So my novel is partly about that.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I always go on about not writing political dogma in books, but I don't mind feminist fiction. I don't mind banging on a bit when I'm feeling pissed off. It's not the worst thing in the world. People are too sensitive about that shit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: It's evenhanded, but you do deliver a sharp line here and there.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Every now and then. A bitch slap. It's one of the tricks of high art. You're constantly told in college and elsewhere that good taste and good fiction are about not pushing, about not expressing your opinion too forcefully. So we're always hearing things like, "Oh, it's a very good novel about a young black boy, but unfortunately the author presses too hard on the question of race."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;And the same with women's fiction. It's nonsense, and it's time to stop. I felt like a hand was at my throat when I first started writing. That if I was going to be a proper writer, I'd better be as polite as possible and as calm as possible and as un-angry as possible—and recently I've been thinking, you know, fuck that, basically.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Do you think fiction is potentially a place to put your political views?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: If it can be done well. You have to have a great deal of talent to do it, and the problem is that most of us don't, so when we get angry our writing does become undigested and hard to read. But there's a place for fiction that's radically furious. I might not be the person to write it, but somebody with balls should.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I think of a writer like David Foster Wallace. People seem to think of him as some kind of intellectual dandy, but I find his stories incredibly forceful.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;I'm listening to you, but I'm desperately looking for a lighter at the same time.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: How did you decide on Rembrandt? Presumably you could have made Howard an expert on anything.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: That's actually true. Partly, it's my own ignorance. I had to choose somebody I knew something about, and loved. He's obviously a genius, but he's also a total vulgarian. And I'm a vulgarian, or at least I'm from a tradition of vulgarians. When you look at his paintings, what he's trying to do is to give you a human being. He's really desperate to do that, and it shows in the sketches. There's a wonderful sketch of a mother, leaning down to comfort a child who has been fighting a dog or something similar, and it was clearly done at the moment. Rembrandt was in the middle of a street and saw this and he sat down and sketched it. He's so interested in people. Shakespeare was also a vulgarian. I love pure intellectualized art, too, but there's something about Rembrandt ... He's so meaty, his people have such big noses, everybody's so fleshy, and his work is so full of love. I find that very moving. And it was a lovely experience to be able to spend some time with the paintings and to try to look at them properly. I'm not the most visual writer in the world, but that was a joy.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;But I didn't want to do anything more than the lightest touch. Sure, Howard is a Rembrandt expert, but who needs to know about Howard's expertise? That's not the most significant part of his personality. I wanted it to be light. So I tried to hold myself back. I do have a tendency to get over involved.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: In the endnotes, we learn that you used your husband's poetry and your brother's rap lyrics in the book. I find this idea of collaboration fascinating because it's not something you see all that much.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: One thing that irritates me is that even with the most paltry and thin books, the book doesn't come by itself, it comes with this package of interviews, its own York Notes. I don't know what the American equivalent of that is. You know, the explanatory notes that come with fiction when you're taking the exams?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Cliffs Notes.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Yeah. All these writers are supposedly experts on their own books, and you become convinced that the book is better than it is from these interviews, which create an edifice that isn't there. And of course this perfect work is the sole creation of the writer because of his incredible genius, which is never in doubt, yadda-yadda-yadda. And I know it doesn't work like that, because I know these writers, and I know how they work. I wanted to be a bit more straight about the collaborativeness of writing a novel—how many other people look at it, touch it, think about it, help with it. The truth is, a book is sometimes smarter than you are and involves more people than just you. This book certainly did. Without all the other people who supplied stuff, it wouldn't be what it is. I think that's why I'm such a disappointment when I give a talk and it's always like, &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;You&lt;/span&gt; wrote this?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Why don't you give interviews in the U.K.?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Because I live here and I want to have a normal life. I want to be able to get on the tube and do normal things.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;If I were a Ph.D. student studying contemporary novelists I would only look at their foreign interviews, because they say so much more. When writers are in their home country they're cagey, terrified—but when they're in, you know, Belgium, they'll tell you everything. They'll tell you about their mother's underwear. It's much more interesting.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: I read in an interview that you have a distrust of writing workshops. Is that still true?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: You know, it's less true, because I had to teach a writing workshop at Harvard and the kids I taught were absolutely incredible. It was not at all like the cliché I had in my mind of some kind of group therapy session. Everybody worked really hard, and the students were really, really great.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Another way of looking at the collaborative effort ...&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Yeah, they transformed the way I was writing. They were quite open with their opinions, and I learned a lot. Also, I've been such a traditionalist as a reader, and they were reading Chuck Palahniuk and people I don't really read, and I was made to see the value of books like that.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: How do you cope with all the attention—some positive, some negative—that you've received?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: Very badly. It makes me feel extremely panicked. The way I've learned to deal with it is by realizing that's what I get paid for. It's not for the writing of the book, which is a joy, but for putting up with all the rest of it. The difficult thing is that people get very angry that you don't enjoy all the attention—maybe because they want it, in which case I would gladly give it to them if I could. But they'll find someone else, there's a new girl every year.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Murphy: Have you noticed any differences in the sort of reception your work gets in America versus other places?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Smith: No. I read all the reviews and the reviews are all vaguely the same. I guess the difference is that in America, there's not so much gossip and commentary about me. That all goes to Dave Eggers or somebody else. I get that stuff in England, and I hate it, but in America I feel completely free of it—or maybe I just don't know what part of the paper it's in. I feel like I'm just a writer in America, not some kind of freak.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;// Jessica Murphy, a former &lt;span style="FONT-STYLE: italic"&gt;Atlantic&lt;/span&gt; staff editor, is working on a novel. She received an M.F.A. in fiction at Emerson College.&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-898658910382695237?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/898658910382695237/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=898658910382695237' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/898658910382695237'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/898658910382695237'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/escaliers.html' title='Escaliers'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsHCQZDt-I/AAAAAAAAAvI/uxw8DNal4ws/s72-c/divingbellbutterflypic2.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-6701372228323721590</id><published>2007-07-05T22:06:00.001+03:00</published><updated>2008-06-29T00:13:52.314+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><title type='text'>Portes</title><content type='html'>&lt;div align="right"&gt;&lt;a href="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsXBgZDuBI/AAAAAAAAAvg/HY7bSUrCUvY/s1600-h/Johan_Grimonprez.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5204779108999084050" style="DISPLAY: block; MARGIN: 0px auto 10px; CURSOR: hand; TEXT-ALIGN: center" alt="" src="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsXBgZDuBI/AAAAAAAAAvg/HY7bSUrCUvY/s400/Johan_Grimonprez.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;look out ahead&lt;br /&gt;i see danger come&lt;br /&gt;i wanna pistol&lt;br /&gt;i wanna gun&lt;br /&gt;i'm scared baby&lt;br /&gt;i wanna run&lt;br /&gt;this world's crazy&lt;br /&gt;give me the gun&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;baby, baby&lt;br /&gt;ain't it true&lt;br /&gt;i'm immortal&lt;br /&gt;when i'm with you&lt;br /&gt;but i want a pistol&lt;br /&gt;in my hand&lt;br /&gt;i wanna go to&lt;br /&gt;a different land&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;i met a man&lt;br /&gt;he told me straight:&lt;br /&gt;"you gotta leave, it's getting late"&lt;br /&gt;too many cops, too many guns&lt;br /&gt;all trying to do something&lt;br /&gt;no-one else has one&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;baby, baby&lt;br /&gt;ain't it true&lt;br /&gt;i'm immortal&lt;br /&gt;when i'm with you&lt;br /&gt;but i want a pistol&lt;br /&gt;in my hand&lt;br /&gt;i wanna go to&lt;br /&gt;a different land&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;sometimes it rains so hard&lt;br /&gt;and i feel the hurt&lt;br /&gt;in my heart&lt;br /&gt;feels like the end of the world&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;i see the children&lt;br /&gt;sharp as knives&lt;br /&gt;i see the children&lt;br /&gt;dead and alives&lt;br /&gt;beautiful people&lt;br /&gt;beautiful girls&lt;br /&gt;i just feel like it's the end of the world&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;i walk on concrete&lt;br /&gt;i walk on sand&lt;br /&gt;but i can't find&lt;br /&gt;a safe place to stand&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;i'm scared baby&lt;br /&gt;i wanna run&lt;br /&gt;this world's crazy&lt;br /&gt;gimme the gun&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;baby, baby&lt;br /&gt;ain't it true&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;i'm immortal&lt;br /&gt;when i'm with you&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;but i want a pistol&lt;br /&gt;in my hand&lt;br /&gt;i wanna go to&lt;br /&gt;a different land&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ by pj harvey.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spann dein kleines Schirmchen auf;&lt;br /&gt;denn es möchte regnen drauf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn es möchte regnen drauf,&lt;br /&gt;halt nur fest den Schirmchen-Knauf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Halt nur fest den Schirmchen-Knauf&lt;br /&gt;- und jetzt lauf! Und jetzt lauf!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und jetzt lauf! Und jetzt lauf!&lt;br /&gt;Lauf zum Kaufmann hin und kauf!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lauf zum Kaufmann hin und sag:&lt;br /&gt;Guten Tag! Guten Tag!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Guten Tag, Herr Kaufmann mein,&lt;br /&gt;gib mir doch ein Stückchen Sonnenschein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gib mir doch ein Stückchen Sonnenschein;&lt;br /&gt;denn ich will mein Schirmchen trocknen fein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn ich will mein Schirmchen trocknen fein.&lt;br /&gt;Und der Kaufmann geht ins Haus hinein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und der Kaufmann geht hinein ins Haus,&lt;br /&gt;und er bringt ein Stückchen Sonne heraus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und er bringt ein Stückchen Sonne heraus.&lt;br /&gt;Sieht es nicht wie gelber Honig aus?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sieht es nicht wie gelber Honig schier?&lt;br /&gt;Und er tut es sorgsam in Papier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und er tut es sorgsam in Papier.&lt;br /&gt;Und dies Päckchen dann, das bringst du mir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und zu Haus da packen wir es aus&lt;br /&gt;- sieht es nicht wie gelber Honig aus?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und die Hälfte kriegst dann du, mein Irmchen,&lt;br /&gt;und die andre Hälfte kriegt das Schirmchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und jetzt spann dein Schirmchen auf&lt;br /&gt;- und lauf! Und lauf!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Christian Morgenstern.&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-6701372228323721590?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/6701372228323721590/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=6701372228323721590' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/6701372228323721590'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/6701372228323721590'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/portes.html' title='Portes'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SDsXBgZDuBI/AAAAAAAAAvg/HY7bSUrCUvY/s72-c/Johan_Grimonprez.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-893491152380274602</id><published>2007-07-04T22:05:00.000+03:00</published><updated>2008-06-29T00:02:48.443+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><title type='text'>L'Appartment</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp3.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rs0wwWTzuYI/AAAAAAAAAlU/RdklpAKR6CA/s1600-h/gefeller_plattenbau.jpg"&gt;&lt;img id="BLOGGER_PHOTO_ID_5101787560061155714" style="FLOAT: left; MARGIN: 0px 10px 10px 0px; CURSOR: hand" alt="" src="http://bp3.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rs0wwWTzuYI/AAAAAAAAAlU/RdklpAKR6CA/s400/gefeller_plattenbau.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Eine Science-Fiction-Geschichte. Vielleicht&lt;/span&gt;.&lt;/em&gt; / - Es kam der Tag, da wollte er nicht mehr so tun, als wüsste er, wovon er redet. Er mochte den souveränen Ton nicht mehr imitieren, in dem alle ihre vermeintlichen Erkenntnisse darlegten, dieses sonore Vibrieren, das die unsichere Basis aller Annahmen übertünchen sollte. Er wusste kaum etwas und war nicht mehr bereit, etwas anderes zu behaupten. Außerdem war es ihm egal, ob die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi oder Vivaldi hieß und wer gerade Landwirtschaftsminister war (oder ob es noch einen gab). Ob die Sunniten oder die Schiiten Mohammeds Schwiegersohn verehrten, war ihm ebenso unbekannt, und es war für ihn auch total irrelevant, da er keine Muslime kannte (die man früher Moslems nannte, noch so ein Fall für die lange Raider-Leningrad-Treets-Liste).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es kam der Tag, da wollte er nicht mehr so tun, als sei er auf dem Laufenden. Er wusste nicht, warum alle glaubten, das Neue sei wichtiger als das Alte, und wer es als Erster habe, sei der Welt mindestens einen Schritt voraus. Sein erstes Fotohandy konnte er lange nicht benutzen, weil sonst keiner eines hatte und er niemandem seine Fotos schicken konnte - einige Jahre zuvor war ihm das Gleiche mit E-Mails passiert. Er wollte nichts mehr hören vom i Phone, das noch keiner gesehen hatte, nicht mehr verfolgen, wie neue Produkte, Trendsportarten und Marken sich schneller entwickelten und wieder verschwanden als die Blüten an den Bäumen. Und dass die Gitarristen der neuesten Popband, die gerade die Hitparade stürmte (mit im Vergleich zu früher albernen Verkaufszahlen - danke, Web 2.0), stets 20 waren, während er und seine Freunde älter wurden, hielt er auch nicht mehr für normal.  Es kam der Tag, da wollte er nicht mehr dafür arbeiten, konsensfähig zu sein. Es war ihm unbegreiflich, wie irgendjemand eine widerspruchsfreie Meinung zu allen Themen des Lebens haben konnte, ohne Fakten zu ignorieren oder Glaubenssätze zu biegen. Er war nicht einmal mit sich selbst einig: Mal wollte er Arbeit für alle, dann wieder Geld für alle, mal hielt er die Israelis für Verbrecher, dann die Palästinenser (wobei er selbstverständlich in beiden Fällen keine Ahnung hatte, wovon er redete), und ob nun die CDU besser war als die SPD oder umgekehrt (beziehungsweise was sie unterschied) konnte er längst nicht mehr sagen. Klar, die Evolution hatte es gegeben, aber mal angenommen, ein Kreationist hätte ihn gefragt, was dagegen spräche, dass Gott die Welt vor 6000 Jahren erschaffen habe - er hätte keine Antwort gewusst. Selbst wenn er nur irgendwo saß und jemand dazukam, mit dem er einige Zeit redete, war er hinterher nicht in der Lage zu entscheiden, wann es langweiliger war: allein oder zu zweit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was er wusste, war: Die Stadt ist voller Menschen, das Land dagegen eher unbewohnt. Die Tiere sind zu nichts nütze (außer es sind Nutztiere), und trotzdem geht es ihnen prächtig. Fußgänger gehen am Rand der Straße, Autos fahren in der Mitte (aber selbst da kannte er Ausnahmen). Wenn man einem Bären begegnet (oder war es ein Löwe?), legt man sich flach auf den Boden, und falls man sich das falsch gemerkt hat, wird man es schnell merken. In New York wurden im 20. Jahrhundert mehr als ein Dutzend Menschen von Eisbären getötet, ausschließlich weil sie in Eisbärenkäfige geklettert waren, einige waren Idioten (die glaubten, Bären seien nicht gefährlich oder könnten nicht schwimmen), andere wollten sich umbringen. Das hatte er sich gemerkt - aber welche Schlüsse sollte er daraus ziehen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es kam der Tag, da ging er durch einen Park, die Sonne schien, und ihm war leicht. Er musste nicht mehr souverän sein, informiert oder gar modern, nur ein schlichtes Durchschnittswesen. Er setzte sich auf eine Bank, die Wärme durchströmte ihn, und plötzlich sah er vor sich, wie die Welt entstanden war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da gab es einst ein hoch entwickeltes Volk, das alles erreicht hatte. Und selbstverständlich hatte es auch ein Internet, mit, klar, einem Second Life, in dem alle das taten, was sie auch in Wirklichkeit taten, nur dass es völlig egal war - ganz wie bei uns. Aber im Gegensatz zu uns waren diese Wesen viel weiter entwickelt, und so kannten sie kaum Probleme. Außer einem: Langeweile.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis eines Tages einer auf die Idee kam und ein Third Life entwickelte. Das unterschied sich vom ersten und zweiten Leben vor allem durch seine Hindernisse: Wer es betrat, vergaß, wer er war und woher er kam. Stattdessen bekam er einen Haufen leichter bis schwerer Ärgernisse implantiert: Angst, Misstrauen, Dummheit, Gier. So ausgerüstet, kämpften sich die Mitspieler durch ein Leben, das mühsam war, aber voller erstaunlicher Lehren und Erfolgserlebnisse. Anfangs wussten die Wesen damit nichts anzufangen, doch mit der Zeit sprach sich der Wert des Spiels herum. Denn eines gab es in dieser Welt nicht: Langeweile. Und so strömten die Lebewesen bald massenhaft in das Spiel, für eine Runde, dann noch eine und so weiter. Es war ein großer Erfolg, also dachte sich der Erfinder immer neue Hindernisse aus, in Teilen des Spiels gab es schließlich sogar ein wenig Langeweile. Und so funktioniert es bis heute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es kam der Tag, da saß er in einem Park und dachte an dieses Spiel. Es war warm, auf einem Baum quietschte ein Vogel, und er fragte sich, ob er sich an das, was er gerade gedacht hatte, erinnerte oder ob es Fantasie war. Er fragte sich, was ihm eine perfekte Welt zu bieten hatte, und es fiel ihm sofort ein: Er wollte fliegen - in einer perfekten Welt würde er es können. War es an der Zeit aufzuwachen? Doch dann hielt er inne: Wollte er fliegen können - oder wollte er es lieber lernen? Er sah sich das Blau des Himmels durchziehen, und wie es für einige Minuten wunderbar wäre - bis er sich daran gewöhnt hätte. Dann sah er sich Fliegen lernen, jeder kleine Schritt ein Erfolg, eine große Freude. Wie sehr würde er es lieben, nach Jahren auch nur für Sekunden die Erde unter seinen Füßen zu verlieren. Er lächelte und sah hinauf. Keine Wolke war zu sehen. Plötzlich wusste er, warum dieses Spiel so erfolgreich war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Peter Lau für brand eins 0607.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-893491152380274602?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/893491152380274602/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=893491152380274602' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/893491152380274602'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/893491152380274602'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/lappartment.html' title='L&apos;Appartment'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/Rs0wwWTzuYI/AAAAAAAAAlU/RdklpAKR6CA/s72-c/gefeller_plattenbau.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-8597996638842609039</id><published>2007-07-03T22:05:00.000+03:00</published><updated>2008-07-10T10:03:49.490+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Le Corps'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><title type='text'>Le Chambre</title><content type='html'>&lt;a href="http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RuAI5RsFWPI/AAAAAAAAAn8/jTX5W90WGQA/s1600-h/Lust_Caution.jpg"&gt;&lt;img style="display:block; margin:0px auto 10px; text-align:center;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RuAI5RsFWPI/AAAAAAAAAn8/jTX5W90WGQA/s400/Lust_Caution.jpg" border="0" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5107091757532010738" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Zink&lt;/span&gt;&lt;/span&gt; / In den Lehrheften stand ein Detail, ich hatte es beim ersten Lesen übersehen. Das so zarte, empfindliche Zink, Säuren gegenüber so nachgiebig, daß sie es mit einem Bissen verschlingen, verhält sich ganz anders, wenn es sehr rein ist: dann wiedersetzt es sich hartnäckig jeder Verbindung. Man konnte daraus zwei einander widersprechende philosophische Schlußfolgerungen ziehen: das Reine preisen, das wie ein Schild vor dem Bösen schützt; oder das Unreine preisen, das den Weg freigibt zu Veränderungen und damit zum Leben. Ich verwarf die erste, widerwärtig moralische und verweilte bei der Betrachtung der zweiten, die mir näher lag. Damit das Rad sich dreht, damit das Leben lebt, dazu bedarf es den Unreinen und des Unreinen vom Unreinen: auch, wie man weiß, im Boden, wenn er fruchtbar sein soll. Es muß den Dissens, das Andersartige, das Salz- und das Senfkorn geben; der Faschismus möchte dies nicht, er verbietet es, und deshalb bist du nicht Faschist; er will, das alle gleich sind, und du bist nicht gleich. Aber auch die makellose Tugend gibt es nicht, oder wenn es sie gibt, so ist sie widerwärtig. Nimm also die Kupfersulfatlösung, die im Reagenzglas ist, tu einen Tropfen davon in deine Schwefelsäure und sieh, wie die Reaktion beginnt: das Zink wird rege, bedeckt sich mit einem weißen Mantel aus Wasserstoffbläschen, da haben wir's, der Zauber ist vollbracht, du kannst es seinem Schicksal überlassen, ein wenig durch das Labor spazieren und schauen, was es neues gibt und was die anderen machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die anderen machten allerlei; manche arbeiteten eifrig, pfiffen auch wohl vor sich hin, um unbekümmert zu erscheinen, ein jeder an seiner Hylepartikel; andere schlenderten umher oder betrachteten draußen vor dem Fenster den jetzt gänzlich begrünten Valentino, andere wiederum rauchten und plauderten in den Ecken. In einer Ecke war eine Abzugsvorrichtung, und dort saß Rita. Ich trat zu ihr und bemerkte mit einem Anflug von Freude, daß sie die gleiche Suppe kochte wie ich: mit Freude, denn seit langem scharwenzelte ich um Rita herum, legte mir glänzende redeansätze zurecht, traute mich aber dann im entscheidenden Augenblick nicht zu sprechen und verschob es auf den nächsten Tag. Ich traute mich nicht, weil ich ausgesprochen schüchtern und unsicher war und Rita einem auch irgendwie den Mut zu Annäherungsversuchen nahm. Sie war sehr mager und blaß, traurig und selbstbewußt: die Prüfungen bestand sie gut, aber sie hatte, anders als ich, keine rechte Freude an den Dingen, die sie studierte. Sie war mit niemandem befreundet, keiner wußte näheres von ihr, sie sprach wenig, und all dies zog mich an. Ich legte es darauf an, beim unterricht neben ihr zu sitzen, sie aber schenkte mir kein Vertrauen, und ich fühlte mich enttäuscht und entmutigt. Ja, ich war verzweifelt, und gewiß nicht zum erstenmal: in dieser Zeit glaubte ich nämlich, zu ständiger männlicher Einsamkeit verurteilt zu sein, für immer dem Lächeln einer Frau entsagen zu müssen, das ich doch brauchte, wie die Luft um Atmen. Es war klar, daß sich an diesem Tag eine Gelegenheit bot, die ich nicht verstreichen lassen durfte: zwischen Rita und mir gab es in dem Augenblick eine Brücke, ein Brücklein aus Zink, schmal, aber begehbar; los, tu den ersten Schritt. Während ich um rita herumschwirrte, entdeckte ich einen weiteren glücklichen Umstand: aus der Tasche des Mädchens ragte ein wohlbekannter, gelblicher Bucheinband mit rotem Rand heraus, auf dem Titel ein Rabe mit einem Buch im Schnabel. Der Titel? Man konnte nur "AUB" und "ERG" lesen, aber das genügte: es war mein Leib- und Magen-Buch in jenen Monaten, die zeitlose Geschichte von Hans Castorp in seinem magischen Exil auf dem Zauberberg. Ich fragte Rita nach ihrer Meinung, ängstlich ihr Urteil erwartend, fast so, als hätte ich das Buch geschrieben, mußte mich aber bald davon überzeugen, daß sie diesen Roman ganz anders las. Eben wie einen Roman; es interessierte sie sehr, zu erfahren, wie weit Hans sich bei Madame Chauchat vorwagen würde, und dabei übersprang sie unbarmherzig die (mich) faszinierenden politischen, theologischen und metaphysischen Streitgespräche zwischen dem Humanisten Settembrini und dem jüdischen Jesuiten Naphta. Einerlei, ja mehr noch: ein Feld für die Diskussion. Es könnte geradezu eine gehaltvolle, grundsätzliche Diskussion werden, denn auch ich bin Jude, sie aber nicht: ich bin das Unreine, das die Reaktion des Zinks bewirkt, ich bin das Salz- und das Senfkorn. Das Unreine, bestimmt: denn just in jenen Monaten begann die Zeitschrift "Die Verteidigung der Rasse" zu erscheinen, da war viel von Reinheit die Rede, und ich fing an, stolz zu sein, das ich unrein war. In Wahrheit hatte es mir bis zu jenen Monaten nicht viel bedeutet, daß ich jude war: innerlich und auch im Umgang mit meinen christlichen freunden hatte ich meine Herkunft immer als nahezu unerheblich, wenn auch merkwürdig angesehen, als eine komische kleine Anomalie, wie wenn jemand eine schiefe Nase oder Sommersprossen hat; ein Jude ist, wer zu Weihnachten keinen Weihnachtsbaum schmückt, wer keine Salami essen sollte, es aber doch tut, wer mit dreizehn Jahren etwas hebräisch gelernt und dann wieder vergessen hat. Der obengenannten Zeitschrift zufolge ist ein jude geizig und gerissen: ich war aber weder besonders geizig noch besonders gerissen, und mein Vater war es ebensowenig gewesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gab mithin vieles, worüber ich mit Rita diskutieren konnte, aber das Gespräch, das ich mir wünschte, wollte nicht in Gang kommen. Ich merkte bald, daß Rita anders war als ich, kein Senfkorn. Sie war die Tochter eines mittellosen, kränklichen Händlers. Die Universität war für sie keineswegs der Tempel des Wissens, sondern ein dornenreicher, beschwerlicher Weg, der zu einem Titel, zu Arbeit und Verdienst führt. Von kindheit an hatte sie selbst gearbeitet: sie hatte dem vater geholfen, war verkäuferin in einem Dorfladen gewesen, und auch damals fuhr sie mit dem Rad durch Turin, um Bestellungen abzuliefern und Zahlungen in Empfang zu nehmen. Dies alles rückte sie mir nicht fern, im Gegenteil, ich fand es bewundernswert, wie alles, was sie betraf: ihre ungepflegten Hände, ihre bescheidene Kleidung, ihren festen Blick, ihre spürbare Traurigkeit, die Zurückhaltung, mit der sie auf meine Reden reagierte. Solcherart reagierte mein Zinksulfat schlecht, es schrumpfte zu einem weißen Pülverchen zusammen, das in stickigen Dunstwolken seine Schwefelsäure ganz oder fast ganz verströmte. Ich überließ es seinem Schicksal und schlug Rita vor, sie nach Hause zu begleiten. Es war dunkel, und sie wohnte ziemlich weit. Objektiv betrachtet war das Ziel, das ich mir gestellt hatte, recht bescheiden, mir erschien es jedoch von einer Kühnheit ohnegleichen: bis zur Hälfte des Weges zauderte ich, ging wie auf glühenden Kohlen und berauschte mich und sie mit atemlos hervorgestoßenen zusammenhanglosen Reden. Schließlich schob ich, vor Erregung zitternd, meinen Arm unter den ihren. Rita zog ihren Arm nicht zurück, erwiderte aber auch nicht den Druck; ich jedoch paßte meinen Schritt dem ihren an und war heiter und siegesgewiß. Ich kam mir vor, als hätte ich eine Schlacht gewonnen, eine zwar kleine, aber entscheidende Schlacht gegen das Dunkel, die Leere und die widrigen Zeitläufe, die anbrachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Primo Levi.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-8597996638842609039?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/8597996638842609039/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=8597996638842609039' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/8597996638842609039'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/8597996638842609039'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/le-chambre.html' title='Le Chambre'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RuAI5RsFWPI/AAAAAAAAAn8/jTX5W90WGQA/s72-c/Lust_Caution.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-9200780263477746460</id><published>2007-07-02T22:05:00.001+03:00</published><updated>2008-09-27T22:04:24.318+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Le Corps'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Metric'/><title type='text'>Le Lit</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwJAk-ov9yI/AAAAAAAAAsE/XBA4vOo84wA/s1600-h/berberecho.gif"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwJAk-ov9yI/AAAAAAAAAsE/XBA4vOo84wA/s400/berberecho.gif" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5116723130679686946" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Männer liegen, Frauen sammeln&lt;/span&gt; &lt;/span&gt; / Über Nacht bin ich, von mir unbemerkt, Mitglied der Paargeneration geworden. Mit leiser Melancholie denke ich nun, da mein Leben so perfekt und elegant ist, an die Zeiten jugendlichen Weltschmerzes und der Sehnsucht nach dem Menschen, der alles ändern würde. Schön war es doch, so haltlos unglücklich die Schreie der Schwalben zu verfolgen, in glibberigen, allein zugebrachten Sommernächten. Das ist vorbei. Für immer. Wer in einem gewissen Alter noch Liebeskummer hat, macht sich lächerlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast alle von mit gekannten Personen haben die träumerischen Ideen von einem perfekten, inhaltlich und äußerlich brillanten Partner zu Gunsten eines real existierenden Beat aufgegeben, und die Alleingebliebenen sind in Reha-Einrichtungen verschwunden. Die Evolution geht also ihren Gang, wenngleich auch der Charakter der Paarbeziehungen ein anderer geworden ist. Früher, als ich noch ein einsamer junger Mensch war, wurde dem Mann noch ein wenig die Illusion des Patriarchen gelassen. Er durfte mehr Geld verdienen, die Frauen gaben es aus, und dem Mann das Gefühl, ein toller Hecht zu sein. Heute sind meist die Frauen die Verdiener, die sich einen Mann leisten, der weniger unterhaltsintensiv ist als ein Kind, und weil allein sein nicht die Lösung ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Männer in den Beziehungen, die ich beobachte, befinden sich stets in einer Umorientierungsphase, was heißt, sie gehen der naturgegebenen Faulheit nach und haben gemerkt, dass es sehr viel angenehmer ist, die Frauen arbeiten zu lassen. Manchmal erziehen sie das Kind, oft das adoptierte oder artifiziell erzeugte, und die Frauen wären keine, wenn sie nicht ständig ein schlechtes Gewissen hätten darum. Der arme Mann könnte sich ja unwohl fühlen, dominiert, unterdrückt und so wird der arme Tropf mit Aufmerksamkeit bedacht, um die er gar nicht gebeten hat. Die Generation unserer älteren Schwestern begann mit der Unsitte, Männer am Gebären teilhaben zu lassen, wo sie in Folge in Ohnmacht fielen, oder in die Impotenz (Ja, ich verstehe Bernd, es war halt ein Schock für ihn, all das Blut), die Ära der GEMEINSAMEN INTERESSEN war das, als man permanent irgendeinen Quality Time Käse mit seinem Partner machen musste. Um die Blocks rennen, Tandem fahren, Rückbildungsgymnastik - nur um die Illusion zu nähren, das Mann und Frau eigentlich aus dem selben Holz geschnitzt waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er will nicht reden. Nicht mit Frauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute wissen wir es eigentlich besser, aber wir wissen ja auch, dass Autofahren die Umwelt verpestet. Und so wird der Mann überall mit hingezerrt, wo er nichts zu suchen hat. Jetzt hocken sie da. Überall hocken sie, die Partner. Ein Treffen allein mit einer Freundin ist nicht mehr möglich, sie könnte vor schlechtem Gewissen nicht entspannen, und so verspannt sie alle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Frauen sind in Anwesenheit der Männer gekünstelt, als hätten sie ihr Baby dabei, huschen ihre Augen wie kleine Luchse immer wieder zu ihrem Partner. Hat er es warm, isst er, sind die Windeln noch frisch, fühlt er sich kommod? Fühlt er sich nicht. Der arme Mann, der eigentlich zu Hause glücklich wäre, am Computer, in Unterhosen, muss in ungemütlicher Runde unechte Gespräche belauschen. Und womöglich auch noch etwas sagen. Beat meinte auch, dass der neue Tarantino ein Scheiß sei … sagt sie. Und Beat bekommt einen roten Kopf. Er will nicht reden. Nicht mit Frauen. Mit seiner Frau daheim mag das angehen. Die meisten Paare haben sich untereinander auf einen Code geeinigt. Sie reden in Kindersprache, zwicken sich in den Bauch und haben es ganz angenehm. Bringt man das Paar jedoch in einen öffentlichen Raum, funktioniert nichts mehr. Die Frauen reden zu viel, die Männer gar nichts, oder Bullshit, weil ihnen unwohl ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit einem Freund wäre das etwas anderes. Mit einem Freund könnte er ein Bier trinken und Männerthemen bereden. Sport und Politik, oder gar nichts. Und sie wären froh dabei. Unfroh wären sie hingegen, wenn eine Frau anwesend wäre, die ihre ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ist aber da, hat ein schlechtes Gewissen, und so geht das Theater weiter. Überall sieht man sie stehen, in den Läden, Männer mit müden Gesichtern, Frauen mit verspannten Mienen. Denn einkaufen geht NICHT mit Männern. Und das ist gut so. Der Mann muss liegen, die Frau sammeln. So will es das Gesetz. Ich hörte von Männern, die mit auf Wellnessfarmen geschleppt wurden, oder in Hugh Grant Filme, und das alles nur, weil uns die Generation der älteren Schwestern erzählt hat, dass man Zeit mit dem Partner verbringen muss, und gemeinsame Interessen der Kitt der Beziehung sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt keine gemeinsamen Interessen von Mann und Frau …&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;… Auf der Liste dessen, was Paare aneinander bindet, stehen Kinder und gemeinsamer Besitz, stehen Humor und wenig Streit. Gemeinsame Interessen - gar nicht. Sicher kann man ab und an etwas mit seinem Partner machen, was über gemeinsame Nahrungsaufnahme, den Bericht über die tägliche Ausscheidung und die Kinderaufzucht hinausgeht. Aber doch bitte nicht alles! Das Geheimnis einer reizenden erwachsenen Beziehung ist doch, dass jeder sein Leben fortsetzt wie zuvor, das man jemanden hat, neben dem man einschlafen kann, und der bedingungslos zu einem hält. Es ist, einander Familie zu sein, und die schleppt man ja auch nicht überall hin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sollten Sie bisher noch nicht verstanden haben, was ich ihnen nahe bringen möchte, noch einmal einfach: Männer mögen keine Tanztheater, sie hassen Läden, die keine elektronischen Artikel oder Musik verkaufen, sie interessieren sich nicht für unsere Freundinnen, geschweige denn auf ganze Abende mit ihnen, sie haben eine Scheu vor Krankheiten aller Art, dazu gehört auch Kinderkriegen, sie schätzen Kunstausstellungen nur bedingt und Filme mit Hugh Grant - gar nicht. Warum wende ich mich so Frauenzeitungen-stereotyp und klischiert nur an Damen? Die Statistik des Elends, und mein ungeheurer Erfahrungsschatz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selten werden Männer betteln, dass ihre Partnerin sie zu einem Fußballspiel, in die Bar mit seinen Freunden, oder zu einem richtig netten Abend im Internet begleiten möge. Die Aufzählung männlicher und weiblicher Vorlieben hat nichts Wertendes, denn was den Menschen interessiert, ist von derselben Belanglosigkeit. Es gibt keine Bonuspunkte für gesteigertes Kunstinteresse, das uns nach unserem Ableben aufs A-Deck verbringt. Alles ist gleich unwichtig und niedlich, was Menschen treiben um ihre Zeit herumzubringen. Haben sie ihren Partner lieb und kraulen sie ihn, versorgen sie ihn gut, aber lassen sie ihn um Himmelswillen nicht an all dem Quatsch teilhaben, der ihnen so einfällt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie, Mann und Frau jetzt empört tun, dass ich doch keine Ahnung hätte, und sehr wohl liebt Beat Gespräche über Kunst und TV Serien und Tanztheater, dann habe ich eine interessante Neuigkeit für sie: Einer von ihnen ist schwul. Na, wer das wohl sein mag?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Von Sibylle Berg. Dieser Text erschien bei readers-edition.de unter &lt;a href="http://www.readers-edition.de/2007/08/03/maenner-liegen-frauen-sammeln"&gt;http://www.readers-edition.de/2007/08/03/maenner-liegen-frauen-sammeln&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im März 2006 ist das Buch &lt;em&gt;Alles auf dem Rasen&lt;/em&gt; von Juli Zeh erschienen, eine Sammlung journalistischer Texte und Essays zu den unterschiedlichsten Themen wie Politik, Gesellschaft, Reisen oder Schreiben, die Juli Zeh für Medien wie den Spiegel, die Zeit oder die Welt geschrieben hat. Gerade im Wahlkampf, in dem sich Juli Zeh für die SPD ausgesprochen hatte, war die Autorin eine gefragte Stimme. jetzt.de hat sie auf der Leipziger Buchmesse getroffen, im Vorfeld der Veranstaltung &lt;em&gt;Die extrafette Juli Zeh-Nacht&lt;/em&gt;. / Das Gespräch führte Caroline von Lowtzow.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Du wirst immer wieder als Stimme deiner Generation befragt. Wie ist es dazu gekommen?&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Juli Zeh: Ich glaube, das lag einfach daran, dass es so wenig Leute gab, die sich überhaupt geäußert haben und obwohl ich mich gar nicht so als Sprecherin fühlte, hat sich das einfach daraus ergeben, dass die Journalisten sich wohl überlegt haben, Mann, wen rufen wir denn jetzt an. Die Auswahl war dann so klein, dass sich das auf wenig Personen verteilt hat und auf mich ein großer Teil abgefallen ist. Ich denke nicht, dass es daran lag, dass ich was zu sagen gehabt habe, was als extrem repräsentativ empfunden wurde. Ich glaube, es war wirklich mehr ein logistischer Effekt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Warum wollen sich denn die anderen Autoren nicht äußern?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: Meine Theorie ist, dass das ein Effekt der mir im Grunde sehr sympathischen Weigerung ist, sich mit Gruppenverhalten zu identifizieren und mit der Weigerung Parolen vor sich herzutragen. Deshalb will man auch nicht mit einer Partei identifiziert werden. Aber dann wird es immer schwieriger, überhaupt noch eine politische Meinung zu äußern, weil man immer der Beliebigkeit ausgesetzt und von allen Seiten angreifbar ist. Das ist, denke ich, ein Grund, warum zumindest Autoren zunehmend kein Interesse zeigen, in irgendwelche Debatten einzugreifen: sie wollen nicht Fürsprecher für eine Partei sein, weil sie sich damit nicht identifizieren. Gerade im Wahlkampf ist das aber so gut wie unmöglich. Ich habe mich mehr als SPD- denn als CDU-Fan geoutet, was dazu führte, dass ich sofort in der Sozi-Schublade drin war, was eigentlich gar nicht meinem Ansatz entspricht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Man kann sich aber doch auch politisch äußern, ohne Position für die eine oder andere Partei zu beziehen.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: Ja klar, das kann man auch und das ist auch nur eine mögliche Theorie von mir. Ich kriege aber von Leuten mit, dass sie generell ein Unbehagen gegenüber der Politik haben, eben weil das immer noch so eine Gruppenveranstaltung ist. Das ist in einer Demokratie ja auch gewollt: man organisiert sich in Interessengruppen und spricht dann immer mit diesem Hintergrund. Für ein Einzelwesen ist da kein Platz vorgesehen. Einzige Ausnahme war da lange der frei flottierende Intellektuelle. Aber der hat in letzter Zeit ja auch stark an Ansehen verloren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Woran liegt das?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: In den sechziger und siebziger Jahren haben das viele sehr demonstrativ vor sich hergetragen, was vielleicht etwas Überdruss hervorgerufen hat und das Gefühl, ich möchte nicht sein wie Günter Grass und wichtige Reden schwingen. Denn, ich denke, es liegt nicht daran, dass die Leute nicht mehr politisch sind. Man erlebt das ja im Freundeskreis und auch unter befreundeten Autoren, dass die sehr wohl eine Meinung haben und zwar eine dezidierte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Wie kommt es, dass du diese Scheu nicht hast, dich zu äußern?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: Vielleicht ist das Typfrage. Ich habe mir im Grunde, auch lange bevor das Veröffentlichen überhaupt in Sicht war, schon immer gewünscht, dass ich irgendwann mal die Gelegenheit bekomme, mich zu Themen zu äußern. So wie man sich Dinge wünscht, von denen man nie glaubt, dass sie wahr werden. Ich habe oft so einen starken Drang, weil ich starke Meinungen entwickle, die ich dann auch sagen will. Deswegen war das für mich wie ein Geschenk, dass das plötzlich ging. Ich habe wirklich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, ob das komisch ist, nicht mehr modern, anrüchig, nicht gewünscht oder wie auch immer. Ich bin da völlig naiv ran gegangen und war schon mitten drin, bevor ich das erste Mal mitbekommen habe, dass es Leute gibt, die dazu eine Haltung haben, und dass es auch eine öffentliche Meinung gibt, ob man sich als Schriftsteller einmischen soll oder nicht. Für mich war das völlig natürlich. Endlich werde ich gefragt, jetzt sag’ ich auch was.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Wie ist denn die öffentliche Meinung dazu, was man als Schriftsteller tun darf und was nicht?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: Also im Wahlkampf zumindest, was ja nun das letzte Ereignis ist, zu dem ich etwas gesagt habe, hat die Reaktion der Presse schon gezeigt, dass es zumindest den Journalisten lieber wäre, wenn wir die Klappe hielten. Sehr viele haben da sehr aggressiv drauf reagiert. Auf mich in einem kleineren Rahmen auf Autoren, die das noch massiver getan haben im Wahlkampf, entsprechend extremer. Sogar von anderen Schriftstellern, die gesagt haben, macht euch nicht wichtig oder ihr lasst euch vor nen Karren spannen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Fändest du es denn wichtig, dass sich mehr Leute politisch äußern? Jenseits von Politikern, Journalisten und Experten?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: Ich fände das gut, denn die Menschen kommen im öffentlichen Diskurs kaum mehr zu Wort. Ich habe manchmal das Gefühl, dass ein Autor zwar nicht mit Spezialwissen aufwarten kann, aber vielleicht auch gerade deshalb näher an der „normalen“ Sicht auf die Dinge steht. Weil er als einigermaßen denkender Mensch sehr subjektiv die Welt erfährt und das wieder gibt. Und damit tut er im Grunde etwas, was jeder von uns macht, mit dem Unterschied, dass der Schriftsteller es in Sprache umsetzt. Ein Journalist ist dagegen in ein bestimmtes System eingebunden und muss Regeln der Berichterstattung befolgen. Deswegen denke ich schon, dass ein Schriftsteller, wenn er sich äußert, vielleicht eine viel größere Nähe zu den Rezipienten aufbauen kann und das als Ausgleich zu Journalismus und Expertentum besonders wichtig ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Immer wieder stellen Studien fest, dass die Menschen von den Parteien und den Politikern enttäuscht sind. Siehst du die Gefahr, dass sich unser politisches System von den Menschen abkoppelt?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: Ganz abstrakt schon. Systeme überleben sich immer, das zeigt die Geschichte. Wir beginnen das zu vergessen und glauben, unser System sei die Endstufe dessen, was denkbar und überhaupt möglich ist. Ich mag Panikmache auch überhaupt nicht und will keine Untergangsszenarien beschreiben. Ich fände es nur wichtig, dass das Tabu, mit dem die Demokratie bei uns belegt ist, ein bisschen aufgebrochen würde und dass wir anfangen, sei es spielerisch, aus Neugier oder aus Lust an der Utopie, Gegenentwürfe und Änderungsmöglichkeiten im Kopf zu entwickeln. Das soll nicht heißen, dass man die Demokratie abschafft, aber dass man darüber nachdenkt, wie demokratische Mitbestimmung auch in anderen institutionellen Systemen und ohne Parteien möglich wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;jetzt.de: Hast du denn selber schon einen Entwurf im Kopf?&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Zeh: Ich spiele daran herum. Einzelne Ideen tauchen auch in &lt;em&gt;Alles auf dem Rasen&lt;/em&gt; schon auf. Zum Beispiel als Mitbestimmungsmöglichkeit darüber nachzudenken, ob es nicht gut wäre, wenn jeder von uns bestimmte Prozentsätze seines Steueraufkommens über die Steuererklärung ressortgebunden verteilen könnte. Ein Prozent der Steuer könnte man dafür hernehmen und sagen, drei Zehntel davon gehen in die Kultur, weil mir das wichtig ist, ein Zehntel in die Verteidigung oder in die Umwelt usw. Man hätte dadurch parteiunabhängig ein großes Einflusspotential, denn nichts ist so wichtig wie das Geld. Das hätte unmittelbare Wirkung und man könnte Leute sofort abstrafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ &lt;em&gt;Alles auf dem Rasen&lt;/em&gt; von Juli Zeh ist Schöffling &amp;amp; Co. Verlag erschienen, 296 Seiten, und kostet 19,90 Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;//&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;Das Eva-Braun-Prinzip - Ein Kommentar zu Eva Hermans&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt; Das Eva-Prinzip.&lt;/span&gt; / Unlängst führte ich in meinem Freundeskreis ein kleines Experiment durch. Ich fragte: "Woher stammt folgendes Zitat?": "Viele Frauen wollen Kinder und eine harmonische Familie. Selbst Frauen, die im Beruf aufgehen, verspüren den Wunsch nach Kindern. Von ihrem Opfer und der Bereitschaft, eine Schwangerschaft und auch die Einschnitte danach auf sich zu nehmen, hängt das Überleben des deutschen Volkes ab." 50 Prozent meiner Freunde tippten auf das &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Eva-Prinzip&lt;/span&gt; von Eva Herman und ihrer Co-Autorin Christine Eichel. Knapp 50 Prozent tippten auf Frank Schirrmachers Frühjahrsbestseller &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Minimum - Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft&lt;/span&gt;. Und die wenigen unter meinen Freunden, die &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Die Zeit&lt;/span&gt; wirklich gründlich lesen, tippten auf ein bislang unveröffentlichtes Manuskript von Ulrich Greiner, der im April in besagter Wochenzeitung die Opferbereitschaft der Frau als Mutter besungen hatte. Alles falsch. Die zitierten Sätze finden sich auf der Homepage der NPD. Und zwar auf der Berliner "Heimseite" unter dem Titel "Frauen, die sich trauen ... ".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was will uns dieses Experiment zeigen? Dass ich einen zu Sarkasmus neigenden Freundeskreis habe? Oder dass wir in den letzten Monaten von wohl etablierten Diskursteilnehmern mit grenzbraunen Ansichten in Sachen "Mutterschaft" und "natürliche Rolle der Frau" dermaßen zugeschüttet wurden, dass uns der Sound bekennender Rechtsradikaler in diesem Bereich gar nicht mehr "radikal" erscheint? Hätte ich dasselbe Experiment vor einem Jahr gemacht, vor &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Minimum&lt;/span&gt; und &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Eva-Prinzip&lt;/span&gt;, hätte nicht jeder einigermaßen wache Zeitgenosse sofort gesagt: "Was willste denn mit dem Neonazi-Zeug?" Die unlängst erschienene Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Vom Rand zur Mitte&lt;/span&gt; weist nach, dass in Deutschland 2006 rechtsextremes Gedankengut beileibe kein Privileg derjenigen ist, die marodierend durch die ostdeutsche Provinz ziehen bzw. am Wahltag ihr Kreuz bei NPD, DVU oder anderen rechtsextremen Splitterparteien machen. Sondern - wie der Titel der Studie nahe legt - in der "Mitte" der Gesellschaft fest verankert ist. Die Studie untersucht, wie verbreitet sozialdarwinistische, antidemokratische, totalitäre, ausländerfeindliche und antisemitische Einstellungen heute sind. Das Ergebnis: Ein Schock. So stimmen etwa 26 Prozent unserer Landsleute der Forderung zu, was Deutschland jetzt brauche, sei "eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert". Rund 18 Prozent glauben, dass "der Einfluss der Juden auch heute noch zu groß ist". Neben diesen offensichtlichen Kernkompetenzen des Rechtsextremen fragten die Forscher aber auch sexistische Einstellungen ab. Zum Beispiel: "Die Frauen sollten sich wieder mehr auf die Rolle der Ehefrau und Mutter besinnen" oder "Für eine Frau sollte es wichtiger sein, ihrem Mann bei seiner Karriere zu helfen, als selbst Karriere zu machen". Das Ergebnis: Je rechtsextremer das sonstige Weltbild des - und ebenso der - Befragten, desto höher die Zustimmung zu sexistischen "Thesen".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei jeder antisemitischen oder ausländerfeindliche Verbalattacke rufen alle: "Wehret den Anfängen!" Wieso ruft dies niemand bei den publizistisch-sexistischen Amokläufen dieser Tage? Weil wir Sexismus - im Gegensatz zu Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus - für Folklore halten? Die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt einmal mehr: Sexismus ist keine Einstellung, die mit Rechtsextremismus zufällig einhergeht wie meinetwegen Vegetarismus. Sexismus ist ein ebenso treuer Begleiter des Totalitären wie Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Ist das Hirn erst einmal mit biologistischen Geschlechterstereotypen zutapeziert, sinkt die Scheu, den Rassegedanken einziehen zu lassen. "Emanzipation der Frau von der Frauenemanzipation ist die erste Forderung einer weiblichen Generation, die Volk und Rasse, das Ewig-Unbewusste, die Grundlage aller Kultur vor dem Untergang retten möchte." Was glauben Sie? Von wem stammt dieses Zitat? Nein. Auch nicht. Nein. Es findet sich im &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Mythus des 20. Jahrhunderts&lt;/span&gt;, dem zentralen Werk von Alfred Rosenberg. Er war der Chefideologe der Nazis. Bei den Nürnberger Prozessen wurde er zum Tode verurteilt. "Na toll", werden Sie sagen, "genau so klingt es ja auch." Aber wie klingt der folgende Satz: "Ist es Zeit, die wahre Bestimmung der Weiblichkeit zu erkennen und in unserer Gesellschaft zu installieren, um uns zu retten?" Klingt er nicht verdammt ähnlich? Er findet sich im &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Eva-Prinzip&lt;/span&gt;. "Jetzt mal halb lang", werden Sie einwerfen. "Eva ist vielleicht ein bisschen dämlich. Aber doch nicht braun." Das ist sie natürlich nicht. Sie schreibt bloß Sätze wie: "Wenn wir das Feld solchen Aufwieglerinnen [gemeint sind Feministinnen, Anm. TD] überlassen, finden wir niemals einen Weg zurück zum selbstverständlichen Muttersein ... Mit der unreflektierten und gehorsamen Gefolgschaft dieser feministischen Äußerungen erlauben wir vereinzelten, mit schwarzen Kutten getarnten Scharfmacherinnen, auf unsere persönlichen Geschicke Einfluss zu nehmen und uns in unser Verderben zu führen ... Hetzen nicht gerade wir Frauen unter großem Druck diffusen Vorstellungen hinterher?" Die gehetzte Frau trieb allerdings auch schon Rosenberg um: "Die "amazonenhafte" Emanzipierte ist daran schuld, dass die Frau die Hochachtung vor ihrem eigenen Wesen zu verlieren begann und die Werte des Mannes zu den ihrigen machte. Dies bedeutete eine seelische Störung, ein Ummagnetisieren der weiblichen Natur, die denn auch heute irrlichternd dahinlebt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Beantwortung der Frage, welche der beiden Textstellen den "stürmerischeren" Sound anschlägt, überlasse ich Ihnen. Die gedankliche und argumentative Nähe ist frappierend. Keine Angst. Ich will Eva Herman und ihrer Co-Autorin keinen Plagiatsvorwurf anhängen. Ich will einfach ein paar Zitate gegenüberstellen. "Die Forderung der heutigen Frauenemanzipation wurde im Namen eines schrankenlosen Individualismus erhoben." Bei wem steht's? Richtig. Bei Rosenberg. Denn Eva ist schon einen Schritt weiter: "Das Hohe Lied des Individualismus hat längst seinen verführerischen Klang verloren ... Auch mein Lebensmotto lautete viele Jahre lang: 'Verwirkliche dich selbst!' Doch mittlerweile haben sich mir reichlich Gründe erschlossen, warum man sich von dieser gefährlichen Vorstellung befreien sollte." Was die wahre Bestimmung des Weibes ist, hat es sich erst mal von den "gefährlichen Vorstellungen" befreit, verrät uns Eva natürlich auch: "Wenn wir uns zum Frausein bekennen und unserer Weiblichkeit folgen, werden viele Entscheidungen wesentlich einfacher, weil sie vorgezeichnet sind. Die Gestaltung eines Heims, einer Partnerschaft, in der wir an der Seite eines Mannes segensreich wirken können, das Leben in einer Familie mit Kindern, die uns zwar einiges abverlangen, doch mindestens ebenso viel Lebenskraft, Glück und reiche Erfahrungen schenken - all das ist wichtiger als das quietschende Hamsterrad." Jetzt fragen Sie sich vielleicht: Was meint Eva mit dem Hamsterrad? Schlagen Sie nach bei Rosenberg: "Hinzu kam nun aber als verstärkendes Moment die sich durch Welthandel und Überindustrialisierung zuspitzende soziale Lage. Die Frauen waren gezwungen, ihren Männern in der Fabrik behilflich zu sein, um das Leben der Familie zu fristen." Sollte Ihnen diese Formulierung der Kapitalismuskritik zu männlich-terminologisch klingen, hier ist die weiblich-empathische: "Es ist unumgänglich, eine Wahrheit auszusprechen, die so gar nicht zum heldenhaften Begriff der Selbstverwirklichung passt: Oftmals ist er nur ein Deckmantel für wirtschaftliche Zwangslagen, die Frauen ungewollt in belastende Arbeitsverhältnisse drängen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wo die beiden Recht haben, haben sie Recht. Keine rechte Einigkeit besteht jedoch in der Frage, wer denn nun schuld ist an der ganzen Geschlechterverwirrung. "Der Mann ist angesichts der heutigen Zustände durchaus nicht in Schutz zu nehmen. Im Gegenteil: er ist in erster Linie schuld an den heutigen Lebenskrisen. Aber seine Schuld liegt ganz wo anders, als wo die Emanzipierten sie suchen! Sein Verbrechen ist, nicht mehr ganz Mann gewesen zu sein, deshalb hat auch das Weib vielfach aufgehört, Frau zu sein." Schreibt Rosenberg. Eva teilt die Diagnose. Allerdings mag sie nicht erkennen, dass der verweichlichte Mann angefangen hätte: "Frauen dürfen schon lange keine Frauen mehr sein, wenn man den Thesen des Feminismus folgt, und nun dürfen auch die Männer keine Männer mehr sein! ... Dauernd wird also am Mann herumerzogen, ständig werden neue Rollen und neue Regeln erfunden, als sei er ein wildes Gewächs, das erst beschnitten [sic!] werden muss, um in den Garten zu passen." In welchen Garten Eva passt, seit sie vom Schöpfer samt Adam und Apfel aus dem Paradies geschmissen wurde, weiß wiederum Rosenberg: "Verbrämt durch Pochen auf "Persönlichkeitswert" und "Selbstbestimmung" geben wahnwitzig gewordene Weiber den letzten Schutz ihres Geschlechtes preis, zerstören die einzige Form, die ihnen und ihren Kindern eine Lebenssicherheit bietet ... Die Worte: "Eine Frau, die Selbstachtung besitzt, kann eine gesetzliche Ehe nicht eingehen" (Anita Augspurg), darf man als Evangelium des erotischen Programms betrachten." ("Erotisch" können Sie hier mehr oder weniger mit "emanzipatorisch" gleichsetzen.) Was dem Rosenberg sin Augspurg, is der Eva ihr Beauvoir: "Tief verinnerlicht haben die Enkelinnen Simone de Beauvoirs die Kriegserklärung an die traditionelle Frauenrolle, sind getragen von einem grundsätzlichen Misstrauen gegen die Männer ... Bringen wir es auf den Punkt: Diesen Frauen hat der Feminismus sehr viel genommen, gegeben aber hat er ihnen nur die Nachahmung der männlichen Rolle ... Einsamkeit. Das war es. Birgit wirkte einsam." Vielleicht hätte die arme Birgit statt der Beauvoir einfach den Rosenberg lesen sollen, dann hätte sie nämlich rechtzeitig erkannt: "Vom Standpunkt der Frau könnten Staat, Rechtskodex, Wissenschaft, Philosophie als etwas Äußeres angesehen werden. Wozu denn immer Formen, Schemen, Bewußtsein? Ist das dahinfließende spontane, Unbewußte im Erleben des Tiefsten nicht größer und schöner? Braucht es denn immer der Werke, um Seele zu beweisen?" Und als hätte sie in einem früheren Leben nicht mit Bettina Tietjen, sondern mit Alfred Rosenberg Duett gesungen, zwitschert Eva: "Ist es wirklich so erstrebenswert ... sich im Arbeitsleben zu beweisen? Ist es das, was uns der Verstand diktiert? Es stellt sich heraus, dass wir noch weitaus mehr vergessen haben als unsere ursprünglichen Sehnsüchte. Auch die Intuition wird immer stärker verdrängt, jene wunderbare Gabe, mit der wir Menschen ausgestattet wurden, vor allem die Frauen. Wir alle kennen dieses Bauchgefühl." Jawohl. Auch ich kenne dieses Bauchgefühl. Und es sagt mir in schönstem Einklang mit meinem Verstand, dass es kein gutes Zeichen ist, wenn ein Bestseller im Jahre 2006 so klingt wie einer aus dem Jahre 1930. &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Der Mythus des 20. Jahrhunderts&lt;/span&gt; ist Gott - präziser: USA - sei Dank heute tatsächlich "Mythus". Ihn brauchen wir nicht mehr zu bekämpfen. Seien wir einfach nur wachsam, wenn freundliche Zeitgenossen am "Mythus des 21. Jahrhunderts" stricken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ Erschienen in der taz am 29. 11. 2006; © Thea Dorn 2006&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;// image credit: &lt;a style="font-style: italic; color: rgb(0, 102, 0);" href="http://berberechoproductionsbook.blogspot.com/"&gt;berberecho&lt;/a&gt;.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-9200780263477746460?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/9200780263477746460/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=9200780263477746460' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/9200780263477746460'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/9200780263477746460'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/le-lit.html' title='Le Lit'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RwJAk-ov9yI/AAAAAAAAAsE/XBA4vOo84wA/s72-c/berberecho.gif' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7862066069016907633.post-1232632198894985316</id><published>2007-07-01T21:46:00.001+03:00</published><updated>2008-09-27T22:08:31.215+03:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='40 Seconds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Topology'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Metric'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Meridian'/><title type='text'>La Page</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RvuFgOov9sI/AAAAAAAAArU/9J0gD7KGv40/s1600-h/Pointcounterpoint.gif"&gt;&lt;img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RvuFgOov9sI/AAAAAAAAArU/9J0gD7KGv40/s400/Pointcounterpoint.gif" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5114828590540650178" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;The name Art &amp;amp; Language was first adopted in 1968 to refer to a collaborative practice that had developed over the previous two years between Michael Baldwin and Terry Atkinson, in association with David Bainbridge and Harold Hurrell. Over the next several years it stood for a collaborative practice with a growing and changing membership associated with the journal &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Art-Language&lt;/span&gt;, first published in May 1969, and subsequently with a second journal, &lt;span style="font-style: italic;"&gt;The Fox&lt;/span&gt;, which was published in New York in 1975-76. Joseph Kosuth was invited to act as American editor of &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Art-Language&lt;/span&gt; in 1969. In the following year Michael Ramsden and Ian Burn merged their separate collaboration with Art &amp;amp; Language. Charles Harrison became editor of &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Art-Language&lt;/span&gt; in 1971. By the mid-1970s some twenty people were asociated with the name, devided between England and New York. From 1976 on, however, the genealogical thread of Art &amp;amp; Language's artistic work was taken solely into the hands of Baldwin and Ramsden, with whom Harrison continues to collaborate on projects such as the present essay.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style: italic;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;voices off: reflections on conceptual art&lt;/span&gt;&lt;/span&gt; / we write as the representatives of an artistic practice that has been counted a major contributor to the conceptual art movement of the late 1960s and early 1970s and that has persisted in continuous though varied operation to the present day. Our purpose in writing is to argue for an independent view of the stuff and character of that movement and of its legacy. This requires that we critically consider what has come to be accepted as the authoritative account of the art of our generation and of the crisis of modernism from which it is supposed to have emerged.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-weight: bold;"&gt;7. &lt;/span&gt;/ ... &lt;div&gt;the narrative that has just been given supplies no positive account of distributive "democracy," of dematerialization, or of any of the other overwrought fantasies of the conceptual art entrepreneur. It offers an account that is not so much ignored by Buchloh, Krauss, and others as it is beyond their empirical, historical, and analytical means. it is an account of the production of an unstable object that eventually inaugurates a sense of a new genre, but a genre that embraces a degree of hybridity and that finally neither lay claim to material and medium specifity nor decisively rule it out.&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;if the concept of instituitonal critique is not to remain pickled in sentiment it will need to be retheorized in terms of works that have sufficient intellectual agility and internality to put up a critical resistance to the institution as it mutates and develops. it is in this resistance that we may find some vestige of the autonomy that was lost in the transfiguration of high modernism into expensively framed money, lost again in the trajectory from minimalist literalism to institutional critique, and last once more in the postmodern development of conceptual art into architectural adjumet. the apparent tokenization of the work of art is an institutional effect, not a prohibition against staying awake; nor, for that matter, is it a coercive cultural condition, however powerful it may be.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;consider then, the idea of the work of art as an essay that gives form and voice - often a ventriloquist's voice - to a project. consider further that this form is a fragment lopped of from a conversation - a performance of sorts that is always under the pain of erasure, conceived as both form and social society. finally, consider the possibity that "this is the work" / "i don't think so" is the work. this is a genre that is readily spattered with material forms. an interrogative and the discussion to which it gives rise may naturally invoke an essay or a heuristic in the form of a picture. insofar as the outcome is exhibited it may be in the guise of a painting. but it is a painting that is in fact a form cut off from a usually larger whole - in the manner perhaps of a swatch or sample. and the picture may be more than a thousand words or of none. it will, if we are lucky or judicious, possess an internality or autonomy that it owes to its discoursive origin, even as it loses that autonomy to the institution that frames it. it will be, as we have suggested, a performance of sorts. it will indeed be "a strange quirk in the fate of conceptual art," but then the form of conceptual art whence it come was itself strange.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;we might say even that the mode in which such things as paintings answer to the discourse is one that approaches performance. as much perhaps as the mode of answering that is made by the not quite rock'n'roll lyric. (we have produced three lps with the red crayola as well as a libretto for an opera.) in painting, we act the part, uo to limit of imposture. there are many possible positions to be occupied - one suspects a Xenoian infinty - between the painter and the actors of the jackson pollock bar, working to a script by art &amp;amp; language, who have pretended to be art &amp;amp; language engaged in painting - and who, in doing so, have produced a painting of their own. these are positions as capable of embodying a near absence of cultural guile as an iterative and recursive knowingness. once the genre is bound to its social use as discourse, there is little or no artistic identity to be lost - only the displaced tokens and impostures from which contemporary art fashions the episodes that keep capital interested.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;two putative artists and a putative art historian sat in a studio writing this.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;/ by art and language.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;// &lt;i&gt;Critical Inquiry&lt;/i&gt;, volume 33 (2006), pages 113–135; © 2006, The University of Chicago.&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;it's the economy, stupid.&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7862066069016907633-1232632198894985316?l=formundstruktur.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://formundstruktur.blogspot.com/feeds/1232632198894985316/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=7862066069016907633&amp;postID=1232632198894985316' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/1232632198894985316'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7862066069016907633/posts/default/1232632198894985316'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://formundstruktur.blogspot.com/2007/07/la-page.html' title='La Page'/><author><name>root</name><uri>http://www.blogger.com/profile/01977873217813437091</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='20' src='http://bp2.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/SHka21pQ_CI/AAAAAAAAA54/8ZV72oLRwpw/S220/hope.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_7hcb7wdEbtw/RvuFgOov9sI/AAAAAAAAArU/9J0gD7KGv40/s72-c/Pointcounterpoint.gif' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
